Al-Badri, Sigrun:

Schmetterlingserwachen

Lyrik


Eine Rezension von  Reliwette
veröffentlicht am 21.03.26

Sigrun Al-Badri           Schmetterlingserwachen         Lyrik
 
138 Seiten, Paperback,  Preis 10.-€ , Covergrafik Stefan Poplonyk
                                ISBN 978-3-95488-704-0
                       
                              Engelsdorfer Verlg  Leipzig
 
Das Buch im Taschenbuchformat, datiert aus dem Jahr 2014, ist noch heute brandaktuell. Die Covergrafik von Stefan Poplonyk zeigt einen
dunklen Geröllhaufen, der sich durch weiße Strukturen vor dem schwarzen Hintergrund abhebt. Ein zarter grüner Stängel mit Blattgrün
am oberen Rand wächst aus den Steinen und trägt zwei blaue Blüten. Auf der Oberen sitzt ein Schmetterling mit ausgebreiteten orange-lila Flügeln vor einem nebligen Hintergrund.
Ein  grafisches Kunstwerk des Malers zum Titel des Buches.
 
Die Autorin hat ihr Werk in fünf Abschnitte unterteilt, von denen sie den ersten den EMOTIONEN auf 46 Seiten zuordnet.
 
Es sind fein gewebte filigrane Texte mit einer außergewöhnlichen Ausdruckskraft,  welche die Leser in ihren Bann ziehen und durchaus
als Heilmittel für „geschundene Seelen“ oder überstrapazierte psychische Zustände bezeichnet werden können.
Auf Seite 38 ein Auszug aus dem Gedicht „Schmetterlingserwachen“:
 
...//
Im Fliederbusch leuchten sie
wie kleine bunte Tupfer.
Der Frühling erklingt als Melodie,
Duftnoten werden komponiert.
 
Entzückt nehme ich den Schmetterling wahr,
der auf meiner Schulter ruht.
Für einen Moment bin ich mit der Schönheit im Bunde.
 
Mein Atem streicht
wie ein zarter Kuss über ihn.
Er scheint ihn zu genießen ,
für den Zauber einer Sekunde.                              
 
Weitere 25 lyrische Gedichte befinden sich im Abschnitt „Emotionen“.
Auf den Seiten 47 bis 84 zeigt die Autorin ihre gekonnte Lyrik auch zu
beschwerlichen Themen, die den Leser in seinem empathischen Befinden fordert. Dabei beschränkt sie sich auf das Beschreiben eines Zustandes und überlässt die Bewertung den Lesern, die natürlich über die Darstellung einer stattgefundenen Tat beeinflusst werden.
 
MISSBRAUCH UND GEWALT
 
Er flüsterte
ihren Namen,
zärtlich
und lockend.
 
Ihr „Nein“
verbrannte
in ihrem Schoß.
 
Roter Mohn
berührte sie,
malte ihr Gesicht
in den Wind.
 
Das Kleid,
von Pollen betupft,
umhüllte das Kind.
 
Eine Krähe senkte den Blick
 
 
Dreißig Gedichte  finden sich hier ein, z.B. „Wollust und Sünde“,
„Die Hinrichtung“, ein Junge wird von einer Gruppe zu Tode geprügelt und getreten oder „In der Hölle“, die Schilderung einer Sucht nach Heroin. In dem Gedicht „Der Störenfried“ geht es um einen sehr kleinen Jungen, der vernachlässigt in seinem Bettchen nach Hilfe schreit, aber von dem Kindesvater erschlagen wird, weil er durch sein Aufbegehren stört.
 
 
Im Abschnitt     KRIEG UND FRIEDEN
wird auf den Seiten 85 bis 105  mit 10 Gedichten auf die unerträglichen Szenarien der Kriege eingegangen, die uns seit vielen Jahren auf dem Erdenrund entgegenprallen. Tod und unsagbares Leid schildert die Autorin eindrücklich, als ständen die Leser inmitten des Geschehens.
Wer sich den Schilderungen nicht „gewachsen“ fühlt, kann zum anschließenden Kapitel weiterblättern
.
HUMOR UND SATIRE,    die Seiten 107 bis 119
 
„Also ehrlich, was kann ich dazu?“
Der Kommissar hat eine verdächtige Person dingfest gemacht. Der /die Leser/In nimmt an einem Verhör teil. Nun, wie es ausgeht, bleibt offen, nur die Leser wissen mehr.
„Die Bachforelle“ rächt sich noch nach ihrem gewaltsamen Tode am Haken ihres Peinigers, der ihr den Bauch mit einem Messer aufschlitzte, und um was es sich bei dem „Raubtier“ handelt, erfährt der Leser nach zehn amüsanten Versen .
„Narrensicher“ ist es wahrscheinlich nicht, wenn jemand hoch zu Ross
auf die Umgebung herabschaut, weiß Sigrun Al-Badri zu berichten. Dem wird niemand widersprechen wollen.
 
Im letzten Abschnitt;  SPIEGELBILDER DES LEBENS auf den Seiten
121 bis 138  befasst sich die Autorin mit „normalen“ Vorkommnissen“, die unter anderem richtig nerven können wie unter dem Titel „Bossing“
eine Frau nach oben „dienert“ und nach unter „tritt“ , augenscheinlich ihre Karriere mehr bedient als es das Augenmerk auf die Eintracht im Kollegenkreis erfordert.
 
Das Gedicht  „Kalte Armut“
...//
Armut kann bitter und kalt sein,
wenn ihr Zuhause die Straße ist,
wenn Wassertropfen im elenden Durst
verdunsten,
 
wenn Nahrungskrumen
sich im krampfenden Hunger
verlieren.
 
Arme sterben leise
in unserer reichen Welt.
 
Chapeau, Sigrun Al-Badri!                           Hartmut T. Reliwette
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