Wolf, Uljana:

kochanie ich habe brot gekauft

Gedichte


Eine Rezension von  kirchheimrunner
veröffentlicht am 20.01.06

Ein Gedichtband, Lyrik also - und noch dazu ein Erstlingswerk.
kookbooks hat ein Paperback herausgebracht, das unglaublich sorgfältig und liebevoll gestaltet ist. Schon nach dem ersten Durchblälltern kann man nicht mehr wiederstehen. Man muss weiterlesen.

Uljana Wolfs Gedichte sind feinfühlig, sie versprühen jugendliche Ironie, bleiben aber immer poetisch auch wenn die Wortwahl und Grammatik von der Dichterin oft "gegen den Strich" benutzt werden.

Trotz aller Nüchterheit, mit denen ihre Gedichte - oft im Stil einer Reportage - beginnnen, wird uns keine glatte, ausgekämmte oder sterile Lyrik präsentiert. Ganz im Gegenteil: Wenn Uljana Wolf

gegen 4 uhr morgens die verschiebung des mundes beobachtet,
bewundert wie sich das haus nach dem letzten,
gähnenden windstoß wie schmale lippen schließt

oder wie sie bemerkt, dass

wir uns zwischen bahnhöfen erfinden
und wir uns gegen das fortklopfen der züge
mit an den weichen geschiente küsse
wehren,

dann erspürt man etwas von der ursprünglichen Kraft,
die in dieser modernen Lyrik liegt.

Moderne Lyrik kann unglaublich knisternde Momente entstehen lassen. Die Verse von Uljana Wolf bieten sofort Heimat an. Der Leser findet sich immer wieder. Er findet sich ertappt. Denn die Welt, die Uljana Wolf beschreibt kennen wir; - oder wir dachten zumindest, das wir sie kennen würden.

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