Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Mittwoch, 14. September 2022, 15:06
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Rausgehen ist wie Fenster aufmachen, nur krasser!

von  Dieter_Rotmund


Mit einer gewissen Bestürzung nehme ich wahr, dass viele Menschen offenbar nur noch vor die Türe gehen, wenn es unbedingt notwendig ist. Einst wähnte ich mich in der Minderheit, wenn ich davon schwärmte, mal einzwei Tage alleine zuhause zu verbringen und dies zu genießen, auch mal das Telefon komplett abzustellen. Mit dieser Einstellung war man eher Außenseiter. Die anderen wollten ständig "was unternehmen", und zwar "wo was los ist", wobei letzteres immer im Vagen bließ. Im Zweifelsfall gingen sie dort, wo sich viele Menschen aufhielten, der Anlaß war fast egal. 
Nun bin paradoxerweise ich es, der vergleichsweise oft nach der Arbeit und dem Sport weggeht, etwas unternimmt. Andere gehen nach der Arbeit, sofern es nicht sowieso im Home Office ist, höchstens noch in den Supermarkt und reagieren pikiert oder ausweichend auf montägliche Fragen vor mir, was sie denn am Wochenende Schönes unternommen hätten. Manche werden richtig patzig, wenn ich von meinem Erlebnissen erzähle. Man nennt dieses Einigeln offenbar "Cocooning", aber seien wir doch mal ehrlich, es ist nicht anderes als Stubenhockerei. Am liebsten vor dem Computer, und dann raus mit den Hass-Kommentaren, natürlich anonym gepostet. Dieses andauernde Computerspielen, eine weitere beliebte Stundehockertätigkeit, macht despressiv, so mein Eindruck. 
Das ist erbärmlich, diese Kellerexistenzen und dann sind die Stubenhocker auch noch dauerhaft schlecht gelaunt. Ich hielt mich mal für einen mürrischen Typ, aber seit einer Weile bin ich der Sonnenschein, der sich für vieles interessiert, vieles macht. 
Was ist denn passiert?
Also als ich meinen letzten Film auf dem letzten Filmfestival hier in der Region gesehen hatte und nach Hause ging, lief mir eine junge Frau mit dem besagten Aufdruck, "Rausgehen ist wie Fenster aufmachen, nur krasser" voraus und dies regte mich zum Nachdenken an. Im Grunde kann man jede Tätigkeit außerhalb der eigenen Wohnung und reinen Alltag als kleines bis mittleres Abenteuer begreifen. Man muss nur mit offenen Augen durch die Veranstaltung gehen: Was ist das für ein Ort, was kommen da für Menschen hin, wieso findet es statt? Sei es nun afrikanisches Tanztheater, eine Odenwaldwanderung oder ein Kreisligaspiel, es ist krasser als Fensteraufmachen!

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Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 FrankReich (15.09.22, 12:31)
Das kommt natürlich aufs Stockwerk an, denn wenn Du Dich da beim Fensteraufmachen zu weit hinauslehnst kann das meist ebensolche gesundheitlichen Probleme nach sich ziehen, wie in der Öffentlichkeit erschossen zu werden, was mich bei Deiner Art, Dich zu präsentieren, auch nicht weiter verwundern würde. 👋🙂

Ciao, Frank

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 15.09.22 um 15:14:
Das sollte dich wundern, ich werde nur sehr selten angefeindet, wenn ich mich "präsentiere".

 FrankReich antwortete darauf am 15.09.22 um 17:06:
Krass, das wundert mich allerdings nicht nur, ich glaube es auch nicht. 
😂😂

Ciao, Frank

 Dieter_Rotmund schrieb daraufhin am 16.09.22 um 09:07:
Ganz allein dein Problem.

 FrankReich äußerte darauf am 16.09.22 um 09:19:
Nee, um sowas mache ich mir doch keinen Kopf. 😂

 Judas (15.09.22, 12:32)
Ist mir zu viel Jugendsprech, sorry.
Was bedeutet "krasser"?

 Dieter Wal (15.09.22, 13:06)
Gelungener Kommentar in Ich-Perspektive.

 Dieter_Rotmund ergänzte dazu am 15.09.22 um 15:14:
Danke!

 FrankReich meinte dazu am 15.09.22 um 17:12:
😂😂
Fetzen (38)
(15.09.22, 13:28)
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 Dieter_Rotmund meinte dazu am 15.09.22 um 15:19:
Ja, diese Corona-Verwahrlosung habe ich auch an mir selbst bemerkt. Aber irgendwann erreicht man eine Grenze, da stoppte meine Selbstsachtung weitere Schludrigkeiten.  Man sollte sich z.B. fagen: Bin ich es nicht mehr wert, regelmäßig geduscht zu werden?
Die Gedanken zur schöpferischen Nutzung der Lebenszeit finde ich interessant, aber da sind wir bald wieder beim Thema Selbstachtung. Möchte man wirklich über einen längeren Zeitraum dem Staat auf der Tasche liegen oder erzeugt es nicht doch ein weitaus besseres Gefühl, auf den eigenen Beinen stehen zu können? Ich denke, ja.

Antwort geändert am 15.09.2022 um 15:19 Uhr
Fetzen (38) meinte dazu am 15.09.22 um 15:31:
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 Dieter_Rotmund meinte dazu am 16.09.22 um 08:59:
Wieso sog. "Lohnarbeit" mit Ausbeutung gleichsetzen? Die Alternative müsste dann aber (berufliche) Selbstständigkeit heißen, nicht HartzIV.
Fetzen (38) meinte dazu am 16.09.22 um 09:22:
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 Dieter_Rotmund meinte dazu am 16.09.22 um 09:28:
Ja, aber nur wenn man davon leben kann, leider.
Fetzen (38) meinte dazu am 16.09.22 um 09:46:
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CharlyReichhardt (47)
(15.09.22, 16:28)
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 Dieter_Rotmund meinte dazu am 16.09.22 um 09:04:
Das wiederspricht meine Erfahrungen. Mit etwas Kreativität ließen und  lassen sich auch für wenig bis kein Geld Kulturveranstaltungen besuchen.

Zum Sicherheitsgefühl von Frauen kann ich nichts sagen, möchte es aber auf keinen Fall in toto negieren.

Die Ungeimpften vermisse ich definitiv nicht, sie sind für einen großen Teil des Schlamassels verantwortlich.

Den Abenteuer-Gedanken werde ich aber sicherlich noch weiterspinnen.

Antwort geändert am 16.09.2022 um 09:38 Uhr
CharlyReichhardt (47) meinte dazu am 16.09.22 um 10:30:
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 Dieter_Rotmund meinte dazu am 16.09.22 um 10:41:
Nein, bitte keine Coronaleugner/Impfgegner-Debatte hier.

Sorry, das hatten wir schon hier zu oft und die unbelehrbaren Egoisten blieben, was sie sind und es kamen einfach nie gute Diskussionnen zustande.

Mit den Depressionen gehts mir inzwischen so, dass man sich fast dafür entschuldigen muss, keine Depression gehabt zu haben. Rausgehen!
CharlyReichhardt (47) meinte dazu am 16.09.22 um 11:07:
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 Dieter_Rotmund meinte dazu am 16.09.22 um 12:12:
Du meinst mit neuste Zahlen, dass in den Krankenhäusern auf den Corona-Stationen 5 Mal mehr Ungeimpfte als Geimpfte liegen? Nein, das widerspricht mir nicht meinen Befürchtungen. 

Aber wie gesagt, bei dieser Debatte wärst du auf kV Späteinsteiger, das sind wir hier eigentlich schon durch mit, nur manchmal bricht es bei mir noch durch, Entschuldigung.
CharlyReichhardt (47) meinte dazu am 16.09.22 um 12:34:
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 Dieter_Rotmund meinte dazu am 16.09.22 um 12:48:
aerzteblatt.de vom 7.7.22:

Ungeimpfte mit höchsten COVID-19-Hospitalisierungs­inzidenzen
Berlin – Die höchsten Inzidenzen der hospitalisierten COVID-19-Fälle liegen in allen Altersgruppen in der ungeimpften Bevölkerung vor. Dies geht aus dem heute veröffentlichten Monatsbericht des Robert-Koch-Institutes ( RKI) zum COVID-19-Impfgeschehens in Deutschland hervor.

Zur Darstellung des Effekts der Impfung auf die COVID-19-Krankheitslast berechnete das RKI die durch­schnitt­liche wöchentliche Inzidenz der aufgrund von COVID-19 hospitalisierten Fälle unter grundimmuni­sier­ten Personen, Personen mit Auffrischimpfung und ungeimpften Personen getrennt (4-Wochen-Mittelwert) und differenziert nach Altersgruppen.
Demnach war für ungeimpfte Personen das Risiko, aufgrund von COVID-19 in einem Krankenhaus behandelt zu werden, im Mittelwert der Kalenderwochen 16-19 6,7-fach (12- bis 17-Jährige), 3,7-fach (18- bis 59-Jährige) beziehungsweise 9,0-fach (ab 60-Jährige) erhöht im Vergleich zu Personen mit einer Auffrischimpfung.
Das RKI stellt in dem Bericht zudem eine „anhaltend hohe Effektivität“ der Coronaimpfungen gegen eine in­ten­sivstationäre Betreuung oder Tod aufgrund einer COVID-19-Erkrankung fest. Die Schutzimpfungen würden in den meisten hospitalisierten Fällen eine Intensivbehandlung unnötig machen – auch wenn sie eine Hos­pitalisierung nicht immer verhindern konnten.
So befanden sich laut RKI-Daten im Mai im Schnitt zwar ebenso viele geboosterte wie ungeimpfte 18-59-jährige Patienten in intensivmedizinsischer Behandlung, allerdings betrug das Gesamtverhältnis der Geboosterten zu den Umgeimpften in dieser Altersgruppe in Deutschland etwa vier zu eins.
Ähnlich sehen die Zahlen bei den Über-60-jährigen aus. Hier stand dem Geboostert/Ungeimpft-Verhältnis von etwa zehn zu eins eine Belegung der Intensivstationen aufgrund einer COVID-19-Erkrankung durch Unge­impf­te von knapp 40 Prozent gegenüber.
Auch bei der aktuellen Dominanz der Omikronvariante könne man laut RKI also weiterhin von einem sehr guten Impfschutz gegen eine schwere COVID-19-Erkrankung für vollständig geimpfte Personen aller Alters­gruppen und insbesondere für Personen mit Auffrischimpfung ausgehen.
Auffallend sei aber das mit der Zeit deutliche Absinken der Impfeffektivität – sowohl der Grundimmunisierung als auch der Auffrischimpfung – gegenüber einer symptomatischen Infektion mit der Omikronvariante.

RKI vom selben Tag:
Inzidenz der COVID-19 bedingten Hospitalisierungen hat in der Omikronwelle abgenommen und ist in allen Altersgruppen in der ungeimpften Bevölkerung am höchsten. (Hervorhebung von mir)






CharlyReichhardt (47) meinte dazu am 16.09.22 um 13:07:
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 Dieter_Rotmund meinte dazu am 16.09.22 um 15:25:
Sorry, aus eigener persönlicher Erfahrung kann ich sagen: Keine Nebenwirkungen. Bei Freunden und Bekannten gibt es die manchmal vorkommenden Impfreaktionen, es haben sich aber alle nach max. 4-5 Tagen wieder gut und vollständig erholt.
Deine Angaben mit den Prozentzahlen habe ich gegoogelt: Trefferanzahl 0.
Und ja, das Ärzteblatt ist ein seriöses Medium. 
Und auch ja zur EMA, auch diese Organisation rät zum Impfen, wie ich gerade nachlas.

Dies nur am Rande, wenn du wirklich die x-te Diskussion zu diesem Thema  willst, dann bitte in den kV-Foren.

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 26.11.22 um 16:19:
Es gibt zu viele Charly Reichardts.

 AngelWings (15.09.22, 16:31)
In bestimmten, Alter geht nicht mehr wie man es möchte! Das man lang draußen, zu sein da ist froh das wieder zuhause ist.

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 16.09.22 um 09:05:
Dann schreib' doch mal eine Gastkolumne darüber, bitte.

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 26.11.22 um 16:19:
Hallo?

 Willibald (15.09.22, 18:47)
Lecturing Dieter is an active participation in the deepest mysteries of the universe.
Fetzen (38) meinte dazu am 15.09.22 um 18:53:
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 Graeculus (15.09.22, 23:22)
Das ist ja das gerade Gegenteil des Lichtenberg-Ausspruchs, alle unsere Probleme kämen daher, daß die Menschen es nicht in ihrer Wohnung aushalten.

Auch in dieser Hinsicht ist das Internet ein großer Fortschritt: Jetzt kann man auch allein in der eigenen Wohnung zum Verbrecher werden.

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 26.11.22 um 16:22:
Da bin ich offenbar nicht Lichtenbergs Meinung. Und ja, die Verhältnisse haben sich seit Lichtenberg (welcher eigentlich?) geändert.
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