34. Seemannsmission – und: Frauen haben einen Bauchnabel [34]

Schundroman zum Thema Wege

von  DIE7

Illustration zum Text
(von DIE7)
Dass Frauen einen Bauchnabel haben, wusste Fynn Lander. Doch dieser duftende Brunnen im Zentrum eines makellosen Pfirsichhügels rief nach ihm wie ein Versprechen. Das Prachtexemplar gehörte zu der Blondine, die als ehrenamtliche Helferin durch die Seemannsmission Jesterfields wirbelte und Sonnenschein verschenkte. Sie stand vor Lander, der sich im Speisesaal zu ein paar zerlumpten Gestalten auf die Bank gedrückt hatte und dessen Blick nun in ihren Nabel eintauchte.
“Na, Skipper, was kann ich’n für dich tun?“
Mädchen, riechst du nicht auch, was ich dringend nötig hätte?
“Magst du was essen? Möchtest du dich ausruhen? Oder einfach mal büschen quatschen?“
Quatschen, ja, quatschen. Gut, dass der Pfarrer Seemannsgarn schätzte, denn nicht anders hatte er die Geschichte aufgenommen, mit der Fynn ihm an der Aufnahme erläutert hatte, warum er die Seemannsmission aufgesucht hätte, ohne einen Cent in der Tasche, hungrig für zwei – und eher den Duft getragener Socken verströmte als den der weiten Welt.
„Hier, nimm das hier für den Anfang und setze dich im Saal zu den anderen, ist Adventsspeisung, da gibt’s was Gutes,“ hatte er ihm einen Schein und ein paar Münzen zugesteckt und noch gemeint, dass Lander sich später nützlich machen könne,
„wenn klar Schiff gemacht wird, näch?“
Und nun stand dieser Engel vor ihm und fragte, was sie für ihn tun könne!
Bleib einfach so stehen und erzähle mir einfach irgendwas, wenn ich nur deinem Nabel zuhören kann.
Bauchgefühl, ja, so hätte Bauchgefühl in Vollendung auszusehen …

Der Jätti schlief tagsüber, soviel stand fest, wachte auch nicht großartig auf, und wenn, traute er sich nicht aus dem Schutz der Ruine hervor, die Gott sei Dank abseits genug des geschäftigen Treibens lag, das tagsüber den Hafen Jesterfield erfüllte und, wenn Schiffe im Hafen lagen, die zu beladen waren oder deren Ladung gelöscht werden musste, auch nachts nicht verebbte. So hatte sich Fynn gegönnt, den roten Riesen aus den Augen zu lassen und sich in die Stadt getraut, auf der Suche nach einer warmen Mahlzeit und einer Waschgelegenheit. Die Halle am Hafen, wo er schon einmal auf der Suche nach Kleidung und Essen fündig geworden war, mochte er aus Furcht vor Entdeckung nicht aufsuchen.

„Weißt du, Mädchen“,
„Ich heiße Helene!“
Helena, klar, Schicksal. Mitte dreißig? Fynn versuchte ein Lächeln.
„Weißt du, Helene, ich schiebe zwar riesigen Kohldampf, aber ich würde mich ganz gerne waschen, vorher …“
„Och, da haben wir aber einen ganz Feinen!“, lallte der Lumpensack neben ihm.
Fynn legte ihm die Hand auf die Schulter
„Du musst das ja wissen, Alter“, und packte zu. Der neben ihm erbleichte und schwieg mit schmerzverzerrter Miene.

„Weißt du, Skipper“,
“Ich heiße Fynn ...“ Dieses Lächeln gelang ihm.
“Weißt du, Fynn, wir haben hier tatsächlich eine Etagendusche, die gehört zu den Seemannsquartieren nebenan. Komm einfach mal mit.“
Helene schwebte samt Nabel vor Fynn den Flur zu den Duschen entlang, wandte sich zu ihm um Himmel, was für ein Lächeln und fragte, ob er denn Kleidung zum Wechseln hätte, die Sachen, die er am Leib trug, könnten schließlich auch eine Wäsche vertragen.
“Alles kein Problem, Fynn, bist ja ’n echter Seebär, meint Pastor Sigmatau jedenfalls, und ich steck die auch gleich in die Maschine, dann in den Trockner, und wenn du …“
Du duftest wie der Strand von Tuvalu, wenn abends der ablandige Wind die schwere Süße der Orchideen ins Salz der Seeluft wirbelt …
„Na, was meinst du? Passt doch, oder?“
Fynn fand sich mit einem Stapel frischer Kleidung an der Tür zur Dusche, Unterwäsche Leinenhose, Troyer – und Helene hielt ihm eine schwere dunkelblaue Wolljacke hin.
„Bis gleich, Fynn, und beeil dich, es gibt was wirklich Gutes.“

Als Fynn Lander in den Speisesaal zurückkehrte, beugten sich die Besucher bereits über duftenden Braten mit Rotkohl und Knödeln, und an der Essensausgabe hielt ihm eine Kollegin Helenes den vollen Teller hin – „Guten Appetit!“

Fynn ließ sich nicht zweimal bitten. Der köstliche Braten, die schmackhaften Knödel, dazu Rotkohl und Soße satt – ein Fürst hätte nicht besser speisen können. Fynn schob den leeren Teller von sich und lehnte sich zurück, da winkte ihn Pastor Sigmatau zu sich und seinen beiden Helferinnen an den Tisch.

„Und, Käpt’n Lander, so schaut die Welt doch gleich anders aus, hm? Und nun“, er beugte sich vor und senkte seine Stimme in verschwörerischer Manier, “erzähl’ uns doch noch einmal, was dich hierher nach Jesterfield verschlagen hat …“

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Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (03.03.22, 09:42)
Erzählung eines Bauchnabelfetischisten.

Naja, sehr ordentlich gemacht, aber das allein trägt die Geschichte nicht.
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