Zerrbild

Text

von  autoralexanderschwarz

Miit Spiegelscherben bewaffnet

Hat sich die Kunst

In den Untergrund

Zurückgezogen,

Ihre Fäuste geballt,

Bis das Blut

Die Fingerkuppen

Unterspülte.


Treibsand hat sie sich

In die Augen gestreut,

Um die bunten Kapriolen

Mit sich

In die Tiefe

Zu ziehen.


Still ist es geworden

Im Land der Dichter und Denker,

Nur die Marktschreier

Preisen eintönig wie geduldig

Ihre alten Produkte.


Wie ein Igel

Hat sich derweil die Kunst

Zusammengerollt,

Ihre Stacheln der feindlichen Welt

Entgegengestreckt,

Wollte nur noch schlafen

Und

Reflexiv

Alle Ideale vergessen,

Um gemeinsam mit ihnen

Die Zeit zu überdauern.


Wie ein Schatten hat sie sich

Vor dem großen Mittag

Zurückgezogen,

All jene Zähne gespitzt und gefeilt,

Die noch nicht verfault

Und abgestorben waren,

Das Büßergewand hat sie übergeworfen,

Desillusioniert,

Weil kein Prinz kam

Um sie aus dem dunklen Turm

Zu befreien.


Atlantis war längst versunken,

Der Meeresboden wieder glatt,

Unberührt,

Als sie hinunter in die Tiefe stieg,

Denn warten wollte sie,

Warten bis der Spiegel stumpf

Und wieder unschuldig wird.


Ihr Zerrbild jedoch,

Ist ein Zwitter

In den Köpfen der Menschen geblieben

Und irgendwo dort, zwischen

Schuld und Verantwortung

Ritzt sie bis heute

Ihren Namen

In fremde Grabsteine.

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