Winterblume

Ode zum Thema Winter

von  C.A.Baer

Aus dem Wintergefühl möchte ich stimmen an
einen Odengesang dunkelster Jahreszeit;
auch wenn alles erkaltet,
leben Hoffnung und Zuversicht:


I.

Sehnsucht spüre ich wenn kahl wird und kalt die Welt.
Schwer ist jeder Verlust, doch er ist nicht umsonst.
Sehe ich auch das Sterben,
schreibe Leben ich auf das Blatt:

"Diese Strophen sie sind Blumen im Sommerwind,
wiegen sanft hin und her, rauschendes Blütenmeer;
duftend das leuchtend Schöne,
Farbenpracht in lebend'gem Grün."

Wind von Norden her kommt, bringet ein Welkenmeer,
Blätter wirbeln im Wind, Worte verstummen fast.
Kleide mich für den Winter,
warm und wohlig wird es schon bald.


II.

Sonnenlicht, das mich sanft, gestern erwärmte noch,
gehet tiefer hinab, schwindet beängstigend.
Kürzer werdende Tage:
Seelentiefe erfahren wird.

Traurigkeit kann entsteh'n, wenn man das Welken sieht;
manchmal weiß man dann nicht, ob es gelingen mag,
wider dunkelster Tiefen
aufzusteigen um aufzublühn.

Dankbar will ich denn sein, jetzt da die Blumen gehn,
Worte klingen mir nach, leben so weiterhin.
Blätter in Windes Kälte;
blühe schönste Blume im Eis.


III.

Aus den Fernen es naht mächtiges Weltenwort,
höre Glockengeläut, rufet zur Weihenacht;
mag die Seele bereit sein,
aufzunehmen, sich aufzutun?

Blumen wiegen im Wind, Worte verkündigend,
Winterkälte erzeugt inneres Blütenmeer,
denn es wollen erblühen
rote Rosen am Rosenstock.

Wahrlich suche ich Dich, finde ein Rosenmeer;
höre Engelsgesang, zarteste Melodien,
denn das Fühlen ersehnt sich
Himmelslicht in der Dunkelheit.

*

Dieser Wintergesang gehet zu Ende nun,
bleiben möge das Bild blühenden Rosenstocks,
denn es sind ja Verluste
Täuschung nur in der Winterszeit.


Anmerkung von C.A.Baer:

(Asklepiadeische Strophe)

Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram