Brief an einen Freund

Text

von  Fridolin

In vielem stimme ich Dir zu, nur an einen Todestrieb glaube ich nicht. Wir Kleinen wissen eine Menge über die Wirkungen von Angst, und dieses Gefühl erklärt mir so viel, dass mir das Konzept des Destruktionstriebs verzichtbar erscheint. Aus Angst macht man vieles mit, besonders wenn man es mit Virtuosen des Angstmachens zu tun hat, wie wir das in den letzten Jahren immer mehr und auch sehr eindrücklich erleben konnten. Dass eine für alle gedeihliche Macht, so es sie denn überhaupt gibt, sich auf etwas ganz anderes gründen muss, scheint völlig in Vergessenheit geraten zu sein. In diesem Sinn überzeugende Konzepte von Staatenlenkern für eine friedliche Zukunft sind nicht in Sicht, und sie werden von ihren Wählern auch nicht eingefordert. Man hat sich daran gewöhnt, sein Kreuzchen billigst für windige Versprechen zu verschenken. Insbesondere denke ich da an die mit dem Angstmachen so trefflich korrespondierende "Sicherheit aus Gewehrläufen", die es nicht gibt; dazu sind diese viel zu gefährlich. Und sie ist vollkommen unfruchtbar.


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Kommentare zu diesem Text


 Saira (28.12.24, 09:48)
Angst ist eine mächtige Triebfeder in unserem Leben und wird oft als Werkzeug missbraucht, um Kontrolle auszuüben.
 
LG
Saira

 AnneSeltmann meinte dazu am 28.07.25 um 10:56:
Auch ich glaube, dass Angst ein starker Motor für vieles ist – gerade in Zeiten, in denen das Angstmachen zur politischen Strategie geworden ist. Dein Hinweis darauf, dass echte Sicherheit nicht aus Gewehrläufen kommt, trifft den Punkt.

Ob es einen Todestrieb braucht, um das Destruktive zu erklären, weiß ich nicht – vielleicht ist es eher eine Gewohnheit im Umgang mit Macht, eine alte Erzählung, die wir nicht loslassen. Was mir gefällt: Dein Vertrauen in eine andere, gedeihliche Form von Macht. Daran sollten wir festhalten – trotz allem.

 Fridolin antwortete darauf am 29.07.25 um 19:34:
... ein herzerfrischender Kommentar.
Vielen Dank, liebe Anne. Halten wir also fest, auch wenn wir eine sehr kleine Minderheit zu sein scheinen.
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