meine Gedichte sind
innere Zimmer
die ich nicht abschließe
denn: wer mir nahe kommt
den muss ich nicht riechen
ich kleide mich täglich anders
in Worte – verschwenderisch oder karg
von Sandpapieren geschliffen oder
voll blumiger Pracht
niemand spricht mir hinein
wenn ich fremde Gedichte lese
erkenne ich: mein Wortschatz
passt in einen einzigen Koffer
den kleinen
für höchstens zwei Nächte
ich rolle ihn scheppernd
über buckeligen Asphalt
leichtes Gepäck mit Buchstaben
in Schatullen gebettet oder
eingeschlagen in Fettpapier – je nachdem
ich setze mich in mein Abendzimmer
gebe Geheimnisse preis – tilge sie wieder
manches verziere ich mit verliebter Hand
dann plötzlich der Blitz der Ideen frisst
und gebiert: Gebilde, Gebäude, ein Raum ein Reim