Warten auf Elli

Kommentar zum Thema Aktuelles

von  Citronella

Elli kam bisher doch nicht bei uns vorbei. Obwohl man sie tagelang vollmundig angekündigt und die Menschen vor allen möglichen Gefahren gewarnt hatte. "LEBENSGEFAHR – Ab abends nicht mehr aus dem Haus gehen" titelte das Blatt mit den immer schon großen Buchstaben.


Deshalb machte mein Lieblings-Supermarkt gestern den Umsatz des Jahres – nicht nur des jungen 2026, sondern wahrscheinlich mehr als an Weihnachten und Silvester zusammen. Der Parkplatz war rappelvoll, die Schlange an Wurst- und Käsetheke endlos, und an fünf Kassen wanden sich die Schlangen mit randvollen Wagen. Und man sah am Inhalt, dass länger Haltbares überwog. Die Propaganda hatte gewirkt. Vorne in der Kassenschlange hörte ich Bruchstücke einer Debatte zwischen einer Dame (" ... wegen Schneesturm ...") und einem alten Herrn ("... lassen sich alle verrückt machen ..."), der mindestens so viele Jahre auf dem Buckel hatte wie ich und auch schon andere harte Winter erlebt haben musste,

wie z. B. 1962/63, als die Elbe in Teilen zugefroren war und viele Dorfbewohner einen Fußmarsch zur vorgelagerten Insel unternahmen

oder 1978/79, als in Norddeutschland wegen heftiger Schneeverwehungen der Bahnverkehr zum Erliegen kam und ich am Tag vor Silvester nach stundenlangem Warten in Hamburg endlich in Richtung Süden aufbrechen konnte

oder 1996, als sich Zehntausende zum Alstereisvergnügen auf der zugefrorenen Binnenalster vergnügten.


Es gäbe noch viele Beispiele aus einem langen Leben in Nord- und Süddeutschland - von den Eisblumenwintern der eisigen 1950er-Jahre will ich gar nicht reden.


Was ist mit den Menschen passiert, dass sie normales Wetter (im Sommer warm, im Winter kalt) nicht mehr akzeptieren können? Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, dass in meiner Kindheit im Winter mal die Schule ausgefallen wäre. Man wartete bei Glatteis vielleicht schon mal eine halbe Stunde länger auf den Bus, aber irgendwann fuhr er halt. Dass wir damals nicht unbedingt mit Thermohosen und Daunenmänteln ausgestattet waren, versteht sich von selbst.


Was mich momentan am meistern ärgert, ist die Tatsache, dass man vor normalem Winterwetter warnt – nur die wirklichen Gefahren werden nicht so häufig genannt. Die Gasspeicher in Deutschland sollen schon jetzt beängstigend leer sein, und mit weiteren Anschlägen der Vulkan-Gruppe auf die Energieversorgung ist jederzeit zu rechnen.


Deshalb habe auch ich mal wieder ein paar mehr Vorräte angelegt. Ein wenig "preppern" kann nie schaden – ob mit oder ohne Elli.



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Kommentare zu diesem Text


 niemand (09.01.26, 14:37)
@ Citronella
Die Berichterstatter werfen sich mit Wollust auf Kleinigkeiten um vom Großen abzulenken. Solange der Mensch mit Alltäglichkeiten beschäftigt ist, scheint er ausgelastet zu sein. Und wenn man so richitg was "Unwichtiges" aufpeppt, dann kann das Wichtigere ruhig vorbeisausen. So hält man die Masse auf Trab und vorn allem ab.  LG Irene   :)

 Citronella meinte dazu am 09.01.26 um 15:23:
Ja, Irene, da kommt so ein Wetterchen ganz recht, um von anderen Gefahrenlagen abzulenken.
Gerade las ich:

Der Winter hat seine Unschuld verloren: Früher bedeutete Schnee pure Lebensfreude – heute wird den Kindern Angst gemacht

und 


Die Angst der Menschen wird zum Steuerungsinstrument der Regierung.

Das funktionierte schon bei Corona sehr gut.

LG Citronella

 Moja (09.01.26, 17:35)
Die gleichen Gedanken bewegen mich auch, Citronella, Null Flocken in Berlin, von wegen Verwehungen! Auch ich habe die Winter der 1960er erlebt, steckte zwischen Schneemassen im Zug nach Norden, bis nix mehr ging, arbeitete bei -20°C 1978/79 im Wintermantel... Vielleicht sind die Meteorologen zu jung? Jedenfalls versetzen uns die Medien in ein permanentes Gefühl von Bedrohungslagen. Es ist Winter, einfach bloß Winter!
Kopfschüttelnd grüßt Moja

 Citronella antwortete darauf am 09.01.26 um 19:06:
Ja, Moja, die Welt ist verrückt geworden. Es ist sicher eine Frage des Alters, wie man Wetterverhältnisse einschätzt – man hat schließlich alles schon einmal erlebt.  ;)

Wir haben hier etwa 10 cm Schnee und auffrischenden Wind, der noch weit von einem Sturm entfernt ist, bei -2 bis -3° - also ganz normales Winterwetter.

Danke, dass du meinen Ausführungen zustimmen konntest!

Liebe Grüße
Citronella

 Teo (09.01.26, 19:38)
Ja gut, gestern gab es fürs mittlere Ruhrgebiet etwas 2-3 cm Schnee. Von Chaos konnte keine Rede sein. Wir hatten extra noch Termine abgesagt.
Die Vorhersagen sind nicht zuverlässig.
Heute Morgen waren es 6 bis 8 Grad.
Hatte auch keiner auf dem Zettel.
Es grüßt 
Teo

 Citronella schrieb daraufhin am 09.01.26 um 21:39:
Schon ärgerlich, wenn man wegen solcher Panikmache auch noch Termine absagen muss.

LG Citronella
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