Preteria um 1600 und Vienne um 1650 waren inkroyable Kulturhochburgen. Letztlich siegte ihr kulturelles Kapital gegen die Militärmacht der Venger. 1599-1664, insgesamt 64 Jahre und knapp 12 Monate, kämpfte der Bund der alten westlichen Königshäuser gegen die vengrischen Alsobbarbaren. Es war natürlich komplizierter, und kein Geschichtsbuch kennt einen vom 8.11.1599 bis zum 4.10.1664 datierten Krieg.
Die Jahre von 1665 bis 1707 waren Jahre der Dominanz von Preteria und Vienne, wobei zunehmend Vienne. Die Dekadenz ließ aber nicht auf sich warten. Sie dauerte dann auch lange, weil die Situation beschönigt, die Konsequenzen künstlich abgemildert und die Staatskassen mit dubiosen Methoden gefüllt wurden. Angriffskriege und Beihilfe zum Kolonialismus der Seemächte hielten die immer weniger natürlichvitalen Gesellschaften am Laufen. Der Verfall kam auch nicht plötzlich, weil ein militärisch starker Feind fehlte. Die Venger erkämpften im ersten der sechs Kriege gegen Vienne ab 1848 ihr eigenes Land zurück, und eroberten im sechsten 1912 Vienne. In ferner Zukunft also, von 1707 aus gesehen.
Die Eigenbezeichnungen der Staaten werden übrigens absichtlich ausgelassen, um keine toxischen Narrative zu transportieren. Es gab und gibt im Westen keine Völker im neunzehntjahrhündertlichen Sinne, also bleiben wir bei den Hauptstädten und Königshäusern. Und die Zeit ab 1708 wurde um 1850 in Preteria „das große Gestehe“ genannt. 1750 war das große Jahr der historischen Reflexion in der Finisterre, 100 Jahre später war es in Preteria und kurz darauf auch in Vienne so weit. In der Finisterre wurde 1750 heiß diskutiert, was ab 1613 alles schief gelaufen ist; in Preteria und Vienne wurde nachgetrauert, wie „leider geil“ alles vor auch ungefähr 150 Jahre war, und warum es sich von Jahr zu Jahr nunmehr vernichtsogeilte.
1717 war ein akademischer Abschluss der Universität von Vienne hochwowitabel, 1773 nach Alien Dark bereits „subaltern“. Um den geistigen Verfall wird es nach diesem langen Vorwort also nun gehen.
1709 strotzen die Gelehrten aus Vienne vor Arroganz, führten ihre fremdländischen Schüler sophistisch vor. Doch es war nur dem Unklugen unklar, dass das akademische Gerede der Sichselbstgernredenhörer meist nur heiße Luft war, während die unbeholfenen Systemversuche metaphysikmüder aber nicht denkfauler Leider-Noch-Epigonen aus der Finisterre viel mehr Kraft und Substanz hatten.
1730-1733 wurde in Preteria gegen Philosophen aus der Finisterre regelrecht gehetzt, weil die geistigen Mittel nicht mehr ausreichten. Und, das Witzigste: es passierte an einem geistigen Tiefpunkt der Finisterre. Die Schere öffnete sich von da an immer weiter zu unseren Gunsten.
Ein Beispiel: Xetter wurde hofiert, Nhieu isoliert; Xetter passte zum Narrativ vom wilden Volk, das nicht nuanciert denken konnte, Nhieu war klüger, gedankenschneller und reflektierter als seine Professoren, und es kann ja nicht sein, was nicht sein darf.
Aber die Wirklichkeit lässt sich nicht verarschen. Schon im 17. Jahrhundert kam nichts geistig wertvolles mehr aus Preteria, schon im 18. nichts mehr aus Vienne. Die Philosophie und Geisteswissenschaft der kolonialistischen Seefahrerstaaten war um 1700, wie auch die Naturwissenschaft, weit überlegen. Der Westen bestand weiter als ein mehr oder weniger einheitliches Konzert der Könighäuser, nur dass das Machtzentrum sich zu den Seemächten hin verschob.
Aber! Was ist mit dem prachtvollen Konzert der Kaufhäuser? Im Grunde auch nicht viel, denn dieses war wiederum von einem Konzert der Konzerne (der Kolonialreiche) abhängig.
Von Osten her stabilisierten zwei Großreiche die Arena: die südliche Despotie seit 1602 verschwächt, die nördliche seit 1660 verstärkt (nach dem Abfall der östlichen Vassalen von Vengria). Wetterbedingt war es dem Norden des Westens lange nicht möglich, südostwärts für Ordnung zu sorgen, wie sich das gehört, also wurde von Aria und Volcon aus für Ordnung gesorgt, wie sich das nicht gehört.
Zu solchen Vereinfachungen sei gegriffen, weil die Verhältnisse extrem komplex waren. Allein was in Reburt und Liine "so los war", ist kein Stoff für eine Fernsehsendung, und würde auch den Rahmen eines Zeitschriftartikels sprengen.