„Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!
Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen!
Denn der HERR ist Gott, denn der HERR ist Gott.“ (nach Ps 95,1+2)
So haben wir es als Chorus gesungen, vor etwa 50 Jahren, als wir noch jung waren! Diesem Aufruf folge ich immer noch gerne, auch heute. Frohlocken und jauchzen, mit der alten Melodie von damals. Warum?
Ich denke darüber heute mal wieder nach.
Es sind dies ja so seltsame Worte, im heutigen Sprachgebrauch sehr ungewöhnlich. Wer „frohlockt“ schon? Nur Aloisius, der Münchner im Himmel? Und „jauchzen“? Wie geht das?
Nur „Juchhuhh“ zu rufen ist wohl zu wenig. Aber mit vollem Herzen fröhlich sein, jemandem zujubeln. Das kann ich mir vorstellen. Auch wenn mir gerade nicht dazu zumute ist. Nicht wegen der Person, sondern weil ich nicht in einer jubelnden Stimmung bin. Aber es geht in dem Text ja um Gott, nicht um mich und meine Stimmung. Ihm zu Ehren will ich frohlocken, ihm jauchzen, weil er würdig ist, dass man ihn lobt – auch ohne „in der Stimmung“ zu sein.
Manchmal, so denke ich: trotzdem jauchzen. Eben auch, wenn alles dagegen spricht. Wenn ich noch nicht einmal richtig weiß, wie jauchzen geht.
Schwierig? Ausprobieren. Worte und Melodie stotternd finden. Langsam. Nach und nach komm ich in Schwung. Es geht.
„S’goht drgega“. Es geht dagegen.
Diese Redewendung gehört zwar zur schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Ich finde sie aber in meinem Zusammenhang gar nicht schlecht, außerhalb der Fasnacht. Jubeln gegen den Strich, gegen meine oder gegen die allgemeine schlechte Stimmung oder Befindlichkeit.
Ich singe also jetzt diese Worte schon den ganzen Morgen vor mich hin, trotzdem! Gerade angesichts all der Scheußlichkeiten in der Welt, all der Schimpf- und Hassreden, die mir begegnen, aller Schwäche und Krankheit, die ich erfahre. Dies sind andere Worte, wohlmeinende und wohltuende, sie haben einen anderen Adressaten als üblich. Gott ist gemeint mit meinem Lob.
Das tut so gut. Mit diesem Text einen Fixpunkt vor Augen zu haben, der außerhalb meiner Welt liegt, sozusagen innerlich auszuwandern, dorthin, wo jemand ist, nicht irgendwer, kein selbstgestrickter Held, sondern Gott, der größer ist als alles Menschliche, dessen Gedanken höher sind als alle menschliche Vernunft, der an Frieden interessiert ist, der Heil bringt. Der in anderen Größenordnungen denkt als wir Menschen.
Diesen Gott will ich loben mit meinem Verstand, mit meiner Seele. Verkrampfungen in meiner Seele lösen sich, innere Ruhe breitet sich aus, und ich empfinde Frieden. Mit Gott.
„Tobe Welt und springe, ich steh hier und singe!“