Es wäre kein kategorischer Kategorienfehler, diesen radikal Rechten auch einen Rechtsradikalen zu nennen. See: er war als Funktionsmetaphysiker sozialisiert worden, ging also von prinzipieller ontologischer Gleichheit aus. Somit war er durch und durch Demokrat, und konnte im demokratischen Spektrum der Politik nur noch weiter nach rechts gehen, wo er längst hätte nach oben gehen sollen.
Für die Philosophiegeschichte vielleicht ein Glück, denn bis heute haben Rechtsradikale eine vortreffliche Identifikationsfigur. Alihaide wuchs in Ceachelle und auf den nordwestlichen Inseln auf; er war Bürger zweier Länder, die sich bekriegten. Obzwar von 1721 bis 1755 offiziell Kriegsruhe herrschte, waren die Kolonialräuber mit uns durchaus verfeindet, was aber die aussterbende Familie Alihaide (er war einziger Sohn und blieb kinderlos) nicht in ihren lebensweltlichen Verhältnissen störte.
Alihaide begann 1741, also mit 25, politisch-philosophische Essays zu verfassen. Er war frei in seinem Ausdruck, und er fing an als gemäßigt Rechter. Also hatte er viel Luft nach rechts. Und er atmete sie.
Was war die tiefere Ursache seiner Versteifung auf das Politische? Warum verschlief er die Moralische Revolution? Es gab mehrere Gründe. Er wollte unbedingt an den epistemischen Beschränkungen des klassischen Idealismus festhalten, und hielt die theoretischen Grundlagen der Philosophie für erforscht. Für den individuellen Willen sah er in der Weltordnung keinen Platz außer dem Bürgerlichen, der ihm mehr als gemütlich schien.
Alihaide versuchte bis Ende 20, eine Verbindung der politischen Philosophie mit der Naturwissenschaft herzustellen und schrieb Menschengruppen tierische Abstammungen zu. Er betrieb sehr tendenziös Völkerkunde, was ihm aber bald selbst langweilig wurde. Er wollte keineswegs eine reduktionistische Rassenphilosophie begründen; was er als Rassen bezeichnete, verstand nur er, da es weder phänotypisch noch lebenskukturell so etwas wie Rassen gibt. Aber vielleicht gab es sie! Vielleicht könnte es sie in anderen Welten geben! Keine Sackgasse, die er nicht durchwanderte.
Mit Mitte 30 wurde er streng soziologisch und schrieb, dass je besser eine Gesellschaft, umso mehr sie nach Weltherrschaft streben sollte, damit so viele wie möglich so gut wie möglich sozialisiert und regiert werden. Dass jede Gesellschaft und jede Regierungsform Resultat bestimmter Zusammenwirkungen war, und eben nicht pauschal als oktroyiert zu betrachten, war dem Funktionalisten, der er war, zu unkonstruktivistisch. Er sah letztlich ein, dass er von der Moralischen Revolution rechts überholt wurde, aber er verstand nicht, wie und warum.
Die Teilnahme am politischen Diskurs schien ihm zu sehr Selbstzweck zu sein, als damit irgendwohin hinaus zu wollen. Er las sich selbst gern schreiben wie so viele Parlamentarier sich selbst gern reden hören. Seine nordwestliche Herkunftswurzeln blieben ihm immer präsent, und er kokettierte durchaus mit der Teilnahme an der dortigen Politik. Doch die Kriegsbetreibungen seiner Landsleute zeigten ihm, dass Politik auch für sie eher Nebensache war.
1758 schrieb Alihaide, das Politische sei eine Illusion, und das Eigentliche sei in der Finisterre das über-politische Moralische, in den Ländern der Aggressoren aber das unter-politische Tierische, das banal Verbrecherische. Er nahm am Krieg als Offizier teil und kämpfte mit rechtsradikaler Härte. Endlich konnte er seine politischen Gedanken verwirklichen. Im Rahmen der militärischen Ehre, und nie die Grenze zur Grausamkeit überschreitend, zeichnete Alihaide sich militärisch und standrechtlich aus. Er exekutierte gern eigenhändig.