Als wir gegen Mittag zur Trauerfeier aufbrechen, ist der Himmel noch überwiegend grau. Aber es sieht nicht nach Regen aus, und das ist schon mal beruhigend.
Die Andacht fällt schlicht aus, was auch daran liegen mag, dass die Dorfkirche im Winter verschlossen bleibt und ein Nebengebäude hergerichtet wurde. Keine Orgel, keine Gesänge. Der junge Pastor macht seine Sache gut, muss aber noch an seiner Stimme arbeiten, die in den hinteren Reihen überhaupt nicht zu versehen ist. Durch die großen Fenster der Halle strahlt schon die Sonne.
Ein frühlingsblauer Himmel liegt über dem neu entstandenen kleinen Friedwald, der eigentlich erst noch einer werden muss. Jeweils drei Urnengräber sind um kleine Bäume gruppiert, in einigen Jahren wird hier sicher ein hübsches kleines Wäldchen entstanden sein, an das sich weite Felder anschließen. Ein schönen Plätzchen für Steffen, der sein Leben lang in diesem Dorf gewohnt hat.
Bei der anschließenden Kaffeetafel spreche ich kurz mit der Witwe, einer langjährigen Bekannten, die beinahe auch mal eine Verwandte geworden wäre. „Du wirst sicher froh sein, wenn dieser Tag erst einmal zu Ende ist“, sage ich. „Ach, weißt du, ich seh das alles sehr gelassen, ich bin ganz mit mir im Reinen. Wir hatten 54 schöne gemeinsame Jahre, und dafür bin ich dankbar.“
Sie wirkt tatsächlich sehr gefasst. Monatelang hat sie ihren schwerkranken Mann gepflegt, der bis zum letzten Tag zu Hause bleiben wollte. Der Krebs hatte schon viele Jahre gewütet, sie hat dies mit staunenswerter Gelassenheit gemeistert, genauso wie sie schon vorher bei der Pflege ihrer eigenen Eltern mitgeholfen und auch die Schwiegermutter viele Jahre betreut hat. Irgendwer hat das mal „Frauen, mit denen man früher Burgen verteidigt hat“ genannt.
Bewundernswert. Mir gehen ihre Worte lange nicht aus dem Kopf.
Nach der Rückkehr entdecken wir zu Hause die ersten Krokusse, die innerhalb weniger Stunden erblüht sind.