DAS FASSENDE DER LEERE OHN' DIE GEFÄSS NIE WÄRE
Bonmot zum Thema Weisheit
von harzgebirgler
Anmerkung von harzgebirgler:
* Sokrates spricht im Gastmahl (Symposion) von Platon davon, dass Weisheit nicht wie Wasser von einem volleren in einen leereren Becher fließen kann.
- Die Stelle im Gastmahl (Symposion 175d-e): Zu Beginn des Dialogs drückt Sokrates ironisch den Wunsch aus, Weisheit ließe sich einfach durch Berührung übertragen – so wie Wasser durch ein Wollstück von einem volleren in einen leereren Becher fließt. Er sagt, er würde sich glücklich schätzen, auf Agathons Seite zu liegen, wenn Weisheit so einfach übertragbar wäre (aus dem volleren Agathon in den leereren Sokrates).
- Der Kontext: Sokrates betont damit indirekt, dass wahre Erkenntnis eben nicht einfach „eingegossen“ werden kann. Sie erfordert vielmehr den eigenen, aktiven philosophischen Prozess (Dialektik), nicht die bloße Übernahme von Wissen.
- Wissensvermittlung als Erinnerung (Anamnesis): Platon vertritt in anderen Dialogen (besonders im Menon), dass Lernen ein „Wiedererinnern“ (Anamnesis) der Seele ist, kein bloßes Auffüllen eines leeren Kopfes.
- Bildung ohne Zwang: Eine verwandte Idee findet sich im Staat (Buch VII, 536e), wo Sokrates sagt, dass Wissen, das man unter Zwang gelernt hat, nicht im Geist bleibt.