Zu nah, zu weit

Text

von  Alex

Du hast mich hochgehoben

als wär ich etwas,

das man stolz zeigen kann.

Und ich ich hab mich so gefreut.

Wirklich.

Wie'n Kind.


Aber mein Körper

war noch im Zug,

noch im Lärm,

noch irgendwo zwischen

zu vielen Menschen

und zu wenig Ruhe.


Du hast gesagt,

du vermisst mich,

aber es ist irgendwie

nie ganz in mir angekommen.

Und ich bei dir auch nicht.


Ich saß neben dir

auf dieser engen Bank.

Sie hat sich zu klein angefühlt.

Ich wollte aber doch auch bei dir sein,

dich fühlen,

und gleichzeitig herausfinden,

wie viel Nähe

eigentlich richtig ist.


Da waren so viele kleine Dinge.

Ich hab das Geschirr

nicht richtig weggeräumt.

Zu wenig beim Kochen geholfen.

Ich war zu laut,

zu leise,

zu nah,

zu weit weg.

Ich wollte dich mehr berühren

und hatte Angst davor,

dich zu bedrängen,

und gleichzeitig Angst,

nicht nah genug zu sein.


Und plötzlich

stand meine Mutter

wieder mit im Raum.

Die Wahrheit war nie,

dass ich dich nicht mochte.

Ich wusste nur nicht,

wie ich dich lieben soll,

ohne dabei wieder fünf

und schutzlos zu sein.


Ich hab es so satt,

gegen meine Mutter anzuschreien,

die ich seit Jahren

nicht mehr gesehen habe.

Oft denke ich monatelang

nicht an sie.


Und dann ist sie plötzlich

wieder da

und nimmt mir


mich.


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