Durst

Text

von  Alex


Er lehnt sich über mich und ich höre auf, zu denken. 


Gerade eben habe ich noch so viel Scheiße gelabert. Ich mach das oft, wenn ich nervös bin. Oder wenn ich jemanden mag. Dann kippt alles einfach ungefiltert aus mir raus, irgendwelcher kaputter Scheiß, bei dem ich mir Stunden später wünsche, ich hätte die Fresse gehalten.


Fuck it. 


Ab und zu hat er was dazu gesagt, was mir das Gefühl vermittelt hat, dass er selbst genug Dunkelheit in sich trägt, um von meiner nicht abgestoßen zu sein.


Unser erster Kuss war ein Ineinanderstolpern. Er hat mich geküsst, ich war nicht vorbereitet, bin kurz zurück gewichen, hab nur halb geschmeckt. Danach hab ich mich vor ihm auf einen Barhocker gesetzt. Ich spüre, wie meine Beine ein bisschen zu weit auseinander gehen, fühl mich wie eine kleine Slut dabei und genieße es.


Als er mich ein zweites Mal küsst, lasse ich tatsächlich zu, dass ich ihn spüre. 

Ich lasse zu, dass gerade einen Unterschied macht, dass er es ist, der mich berührt.  Normalerweise würde ich genau da dichtmachen. Stattdessen lehne ich mich rein in dieses Gefühl und in ihn, fasse seine Seiten mit beiden Händen fest an. Sein Körper ist weich und stark. Er schmeckt nach Rauch, Bier und irgendwas, was sich seltsam warm und vertraut anfühlt. Sein Mund ist das Einzige, was ich noch klar wahrnehme.


Das liegt sicherlich auch daran, dass ich schon mehr Bier intus hab, als ich eigentlich geplant hatte. Aber nicht nur.


Schon als er vorhin diesen schäbigen Laden betreten hat, noch bevor ich ihn überhaupt gesehen hab, hab ich seine Präsenz gespürt. Meine Rückenhaare haben sich aufgestellt, ausschließlich dort, wo er hinter mir stand. Ich hab mich umgedreht, ihn angesehen und „Darf ich dich in den Arm nehmen?“ gefragt. Er hat einfach nur "ja" gesagt. Normal bin ich  nicht so der Typ, der fremde Menschen direkt von sich aus umarmt. Gut möglich, dass ich mehr Typen gefickt, als umarmt hab. 


Ich will mehr. 


Gleichzeitig bin ich fast erleichtert, als er sagt, dass er gehen muss. Zum Abschied küsse ich ihn ein letztes Mal. Dieser Kuss geht von mir aus. Ich halte sein Gesicht dabei in meinen Händen. 


Wie verdammt weich es ist.


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