ein Prompt

Text

von  HannaScotti

Wenn ich die Augen schließe, mir innerlich ein Bild vorstelle, beschließe, dass das gelb oben in der Ecke einen Ockerton braucht, der mit dem Thema Neid des Gedichts, das ich einfüge, korrespondiert, ist das unbestritten ein kreativer Akt. Meine Bilder und meine Texte verbinden sich für einen „sehenden“ Menschen zu einer Begegnung der eigenen Art. Seit 50 Jahren mache ich nichts anderes, als Bilder und Texte zu etwas zusammen zu fügen, was für mich den Sinn einer Begegnung ergibt. Die Ockerfarbe ist ein Sinnbild von Neid. Das kann man nur fühlen und mit Augen sehen, die ein wenig anders in die Welt schauen.

So funktioniert ein Prompt.

Da ich nicht malen kann, kann ich einen Maler beauftragen, nach meinen präzisen Anleitungen dieses Bild zu malen. Ich kann aber auch chatgpt damit beauftragen.

Bevor ich mit chatjpt liebäugelte, verband ich meine Gedichte mit analogen und digitalen Photos und Photomontagen. Immer suchte ich nach Verbindungen zwischen Wort und Farbe.

Nichts anderes ist der Vorgang mit einer künstlichen Intelligenz.

Über die Ergebnisse kann man diskutieren, wenn man die Präzision der Beschreibung mit einbezieht.

Wann ist ein Dichter ein Dichter, oder kein Dichter, wann ist ein Bildermacher ein Bildermacher?

Mir stellt sich diese Frage nicht. Ich frage, wie stelle ich das Wort „Neid“ farblich dar, welches Bild entsteht in meinem Kopf? Welches in meinem Herzen?

Ein kreativer Akt? Ganz bestimmt.

Ob das Kunst ist, frage ich nicht. Wer definiert das?

Chatgpt ist nicht meine Feindin und sollte sie es werden, ist es für mich besser, meinen Feind gut zu kennen, bevor ich in einen Kampf einsteige (das wusste schon Konfuzius).




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