Kleine Tiere, große Sorgen

Tagebuch zum Thema Trauer/Traurigkeit

von  Citronella

Nach dem Abendessen sitzt plötzlich ein kleiner Pinguin auf der Terrasse. Ein schwarz-weißes flauschiges Etwas, reglos. Bei näherem Hinsehen entpuppt es sich als eine junge Elster. Das Öffnen der Terrassentür stört sie ebenso wenig wie ein näheres Herantreten. Sie scheint zu schlafen. Und bleibt mindestens zwei Stunden in dieser Position sitzen. Offensichtlich ist das Tier krank.


Kurz vor dem Dunkelwerden läuft das kleine Wesen auf einen Strauch zu und verschwindet dahinter. Es scheint also noch laufen zu können, aber ob es auch noch fliegen kann?


Am nächsten Morgen umrunde ich den Strauch und finde die kleine Elster direkt dahinter, sie ist also nicht weit gekommen. Sie rührt sich auch jetzt noch nicht, fast wäre ich auf sie getreten.


Ein, zwei Stunden vergehen, dann tastet sich ein Altvogel vorsichtig heran, schaut fast überrascht, zieht wieder los und kommt mit ein wenig Futter wieder. Ein paar winzige Schritte macht das Kleine auf ihn zu und flattert aufgeregt mit den Flügeln. Ob es das Futter annimmt, kann ich nicht erkennen. Leider bleibt es bei diesem einen Fütterungsversuch, die Alte hat sich wieder von dannen gemacht. Was nichts Gutes verheißt.


Ich widme mich mit einem unguten Gefühl anderen Dingen. Bis dann gegen Mittag ein weißer Fleck unter der Hecke ins Auge sticht. Ich nähere mich vorsichtig, und meine Befürchtungen werden bestätigt: Die kleine Elster ist tot, sie liegt auf dem Rücken, die Krallen in die Höhe gereckt.


Sie findet später ihre letzte Ruhe in der Ecke des Grundstücks, die wir seit Jahren als Kleintierfriedhof nutzen. Hier ruhen etliche tote Vögel, die wir im Garten fanden, und auch die kleine Meise, die hilflos verendete, weil sie eine klebrige Rhododendronblüte wie eine Scheuklappe mit sich herumtrug und nicht abstreifen konnte. Einfangen ließ sie sich natürlich nicht. Auch ein Maulwurf ist dabei, der unvorsichtigerweise an die Oberfläche kam und nicht überlebte, mehrere Mäuschen und ein halbes Dutzend kleiner Frösche, die bei einem plötzlichen Frosteinbruch unter der dünnen Eisschicht des winziges Teiches erstickten.


Es macht einen jedes Mal wieder traurig, dass man solchen Tieren nicht helfen kann. Ein Vogel sieht das offensichtlich pragmatischer. Wenn das Junge krank ist oder nicht mehr fressen kann, wird es allein gelassen. Dass es sich in seinem Zustand immerhin noch in den Schutz einer Hecke begeben hat, finde ich erstaunlich. Mitten auf dem Rasen wollte es sein Leben wohl doch nicht aushauchen.



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