Aus einem Brief an W.

Text

von  Raium

Hatte einen sehr merkwürdigen Traum, oder mehrere irre Träume hintereinander, je nachdem. Immer noch träume ich zurzeit eher selten – oder ich erinnere mich weitaus schlechter an meine Träume als in den ersten Monaten des Jahres. Und habe ich geträumt, ist meine Erinnerung an den Trauminhalt nur fragmentarisch, sodass die Traumlogik schwer zu verstehen ist, wenn überhaupt. 

Das Seltsamste an dem Traum war, dass mir eine Szene so vertraut erschien, als sei sie ein „Wiederkehrer" (... und ich glaube, bereits im Traum gewusst zu haben, dass ich diese Szene von irgendwoher „kenne"). Als die Fragmente des Traumes in mein waches Bewusstsein tröpfelten, stellte sich abermals das Gefühl ein: diese Szene kennst du schon, hast du schon einmal geträumt! 

Dabei erinnere ich die Szene selbst nur schlecht. Irgendwie war es eine Art Kindergeburtstag, alte Mitschüler waren da – auch welche, die ich nicht mochte, mich mobbten. Daneben die Mutter meiner ehemaligen besten Freundin, die ich immer sehr gemocht habe. In ihrer Familie lernte ich ein anderes Familienleben kennen und schätzen, und das, obwohl ihre Familie sehr beengt lebte. Merkwürdigerweise war die Mutter meiner besten Freundin in ihrem Verhalten verändert, sie schrie. Wegen was und warum das alles – keine Ahnung. Irgendetwas muss in der Szene passiert, ein Geheimnis offenbart worden sein, doch ich erinnere es nicht. Auch die anderen Kinder stellten sich plötzlich alle gegen mich, glaubten mir nicht. 


Die zweite Szene: auf irgendeine Art und Weise gehörte die noch zu der „Kindergeburtstags"-Szene. Wir sind in einem Badezimmer oder auf einer Toilette. Alle haben sich vor einem kleinen Jungen versammelt, der zusammengekauert auf der Toilette sitzt. Irgendwie habe ich eine Verbindung zu diesem kleinen Jungen. Alle außer mir reden auf ihn ein, er solle endlich lernen, normal auf Toilette zu gehen, wie jeder andere Mensch auch. Ich kann ihm nicht helfen. Er wird rüde ausgezogen und auf die Toilette gesetzt, doch es klappt nicht. Als er immer weiter bedrängt wird, sagt er, dass er so kein Pippi machen kann, weil er nicht will, dass er „da unten" angesehen und berührt wird. 


Die dritte Szene: ich fahre mit meiner Mutter in einem Aufzug, ich glaube, in einem großen Bürogebäude. Irgendwie ist da die Assoziation mit der Arbeit meines Vaters. Ich habe (meine kindliche) Angst, dass der Aufzug steckenbleibt, weshalb ich nicht mitfahren wollte, aber meine Mutter hat darauf bestanden. Nun sind wir im Aufzug, alles scheint gut, der Aufzug fährt zügig und geschmeidig. Doch plötzlich beginnen die Wände sich auf uns zuzubewegen, erst langsam, dann immer schneller, sodass die Kabine immer kleiner und schmaler wird. Ich habe panische Angst. Schließlich pressen die Wände meine Mutter und mich aneinander und zusammen. Ich denke – plötzlich äußerst nüchtern –, dass ich sterben werde, plattgepresst von den Wänden. Und das ich noch vor meiner Mutter ersticken werde, denn ich habe eine Atemmuskulaturschwäche, weshalb ich meinen Brustkorb nicht gut heben kann. Damit endet diese Szene. 


Die vierte Szene: Ich bin mit meinem Vater in seinem „Büro" im unserem Haus, in der Einliegerwohnung. Ich fühle mich wohl, „schäkere" mit meinem Vater. Dann verändert sich die Szene. Irgendwie habe ich etwas gefunden, was meinen Vater und mich betrifft, ihn in einem anderen Licht erscheinen lässt. Ich versuche, den „Beweis" verschwinden zu lassen. Doch als mein Vater den Raum betritt, weiß ich, dass er es weiß, noch bevor er seinen Mund aufmacht. Ich habe Angst vor ihm. Er sagt, ich soll niemandem etwas sagen, dass sei unser Geheimnis. Plötzlich wird seine Stimme anders, seine Miene verändert sich. Und irgendwie ist da die Assoziation zu Jokers Stimme und Verhalten (insb. dann, wenn er sexuelle Anspielungen macht oder wenn er die sexuelle Fantasie kapert): So, als ob mein Vater nun mit mir machen könne, was er wolle. Was auch immer das, „was er will", ist. 


Na, hast du noch ein paar Szenen auf Lager? Langsam müssten doch selbst dir und deinem Dreckshirn die Ideen ausgehen. Langsam müsstest du alle Männer, die du in deinem scheiß jämmerlichen, lächerlichen Leben getroffen hast, „durch" haben. Bleibt noch ... Mr. Daddy-Therapeut in höchst unguter Rolle ... oder ist diese Rolle vielleicht gar erwünscht? 

Na, was sagen Sie?


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Kommentare zu diesem Text


 SiebenÄpfel (30.07.26, 16:38)
Hallo Raium, ich frage mich, wer ist die blaue Stimme ist, eine destruktive innere Stimme der Ich-Erzählerin oder ist es Ws Antwort? Wird W. mit Daddy-Therapeut identifiziert? Wen auch immer diese Stimme repräsentiert, sie ist gemein. Zwar tut sie so, als hätte sie die Träume durchschaut, aber ihre Analyse ist einseitig und oberflächlich, es interessiert sie nicht, die Träume als Material zu betrachten und zu ergründen, sie greift die Träumerin an. Warum allerdings gerade die blaue Stimme die vierte Wand durchbricht erschließt sich mir in dieser Komposition nicht. Es passt nicht zur Haltung der blauen Stimme. Interessant auf jeden Fall. LG.
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