Sie beginnt mit dem Versuch, ein Video zu drehen, indem gezeigt wird, wie jemand, der keine Instrumente spielen kann, seine Musik mit einem Computer und Musik-Software macht.
Verlo ist überzeugt: wer auf einem Computer mit einer Textverarbeitung Texte schreiben kann, kann mit einer Musik-Software auch Musik machen.
Also Programm geöffnet, einige Noten erzeugt, ein Instrument, vielleicht am Anfang ein Klavier oder Piano, ausgewählt und eingefügt, und den Start-Knopf gedrückt.
Die Noten werden nacheinander und immer und immer wieder abgespielt.
Vielleicht möchte man keine Melodie erzeugen, sondern Klang-Teppiche.
Man kann das Instrument wechseln. Man kann Effekte hinzufügen.
Man kann aber auch jede Note einzeln spielen und die Länge der Schleife variieren.
So wird die Melodie verändert, ohne daß man die Position der Noten verändern muß.
Wichtig ist, daß man mit dem, was man hört, zufrieden ist.
Es ist wie beim Kochen: während man kocht, kostet man immer wieder, ergänzt durch Zutaten oder Gewürze, bis es so schmeckt, wie man es haben will.
Während ich eine Stunde lange Musik kochte, erinnerte ich mich: Regina hatte einen ihre Lieblingsmusiker vorgestellt, ein sogenannter moderner Künstler. Ich habe das gesamte Konzert angehört. Es war länger als die zwölf Minuten meines Stückes "Ich bin der Verlo".
Für mich war Reginas Lieblingsmusiker ein echter Künstler: etwas erschaffen, was es nicht gibt, was er nicht hat, was er nicht fühlt. Wichtig ist, einmalig zu sein.
Ich mache Musik, um mich abzubilden. Ich lerne mich kennen, indem ich meine Musik höre.
Irgendwann dachte ich: jetzt ist es fertig. Ich spiele noch einmal, um es ohne Unterbrechungen aufzunehmen.
Es ist aggressiver als gestern ("Ich bin der Verlo"), dachte ich.
Ich fragte mich, warum.
Es ist respektlos: ich höre dem anderen bis zum Ende zu, aber der andere hört mir nur kurz zu.
So war es auch beim letzten Mal. Ich habe eine halbe oder eine Stunde Reginas modernen Künstler gehört, aber sie schafft nicht einmal einige Minuten von meiner Musik.
Ich glaube ihr, daß sie es nicht kann. Etwas löst meine Musik in ihr aus, was sie nicht aushält.
Auch, wenn meine Musik fröhlich ist.
Ich will gar nicht erst wissen, was sie fühlt, wenn sie meine traurige oder wütende Musik hört.
Das eigentlich Problem wird sein: meine Musik ist echt, sie versteckt meine Gefühle nicht.
Sie macht aus meinem Gefühle keine Kunst, zu der man Abstand halten kann.
Und was ist Verlos musikalische Rache?
Verlo würde Regina das ganze Stück (rund eine Stunde) vorspiele, ohne daß sie sich dem Hören entziehen kann.
Na ja, merke ich, Regina fühlt sich immer unwohler, würde ich abbrechen.
Das ist aber nicht wirklich Rache!
Ja, meine Rache ist ausgelebt, wenn verstanden habe.
Vielleicht auch nur glaube, verstanden zu haben.
Aber es macht mir keinen Spaß, jemand zu quälen. Schon gar nicht, wenn er Schmerzen hat.
Gibt es eine Moral von der Geschicht?
Haltet Abstand zum Verlo, auch akustisch, damit er sich nicht in euere Seele schleicht und dort sein Unwesen treibt.