Bereits als Jugendlicher hatte ich immer wieder Magenschleimhaut-Entzündung und Magen-Schmerzen.
Der alter Arzt im Viertel sagte, das ist chronisch.
Ich verstand: es geht nicht mehr weg.
Jahre später, ich glaube, ich war in der Lehre, las ich in der Berliner Zeitung einen Artikel über Psychosomatik.
Darin hieß es, wenn man sich ärgert, kann man Magenschmerzen oder Magenschleimhautentzündung und sogar Magengeschwüre bekommen.
Meine Mutter sagte: Son Quatsch, so was gibts nicht.
Ich hab ihr den ausgeschnittenen Zeitungsartikel gezeigt. Sie hat ihn gelesen. Wir haben nicht über das Thema gesprochen.
Für mich war Psychosomatik ein neuer Ansatz: man hat nicht nur Magenschmerzen, weil man eine Magen-Darm-Grippe oder zu viel gegessen hat, sondern auch, weil man sich über etwas zu lange ärgert und einen das auf den Magen schlägt.
Mir ist der Appetit vergangen. Das meinst auch, etwas ist geschehen, das einen ärgert, und da hat keinen Appetit mehr.
Also ist schon länger bekannt, daß es in beide Richtungen geht.
Wäre ein Ansatz gewesen, mit meiner Mutter, die für viele Situationen so einen Spruch parat hatte, doch noch über Psychosomatik zu sprechen. Aber damals, als junger Bursche, hatte ich den Gedanken nicht. Und nun ist meine Mutter schon einige Jahre tot.
Die Psychosomatik sucht sich übrigens nicht immer dasselbe Organ aus.
Bei mir begann es mit dem Magen. Später kam spontaner Durchfall hinzu. Viele Jahre später das Herz.
Das ist sehr unangenehm. Wenn Psychosomatik sich übers Herz meldet, hat man sofort Angst, daß man stirbt.
Das ist beim Magen nicht so. Ein Magengeschwür mehr oder weniger. Was solls.
Kopfschmerzen oder Migräne hatte ich nicht, weil ich mich geärgert habe.
Migräne hatte ich nie. Kopfschmerzen nur ganz selten. Zum Beispiel, wenn ich zu lange am Schreibtisch sitze und konzentriert schreibe.
Also ... sollte nur eine kurze Geschichte sein.