Du sagst, ich höre

Text

von  Verlo

Du sagst Liebe. Ich höre Krieg.

Ich gehe in die Küche, hole dein Kochmesser aus der Schublade und gehe zurück in die Stube.

Ohne ein Wort stoße ich dir, in deinem Kommando-Sessel thronend, das Messer in den Bauch.

Deine großen Augen. Damit hast du nicht gerechnet.

Ich ziehe das Messer heraus und stoße noch einmal, etwas weiter links, von mir aus, von dir aus ist es etwas weiter rechts, aber das wirst doch hoffentlich fühlen, so kalt kannst nicht ma du sein, in deinen Bauch. 

Vielleicht treffe ich dein Herz und erlöse sich.

Ich ziehe das Messer heraus und steche es in der Mitte zwischen beiden Stichen, aus denen erstaunlich wenig Blut läuft, die Wunden werden wohl von deinem Fett verschlossen, etwas weiter oben, schräg nach oben, wie zum Endspurt, wie ein Auswärtshaken in deinen Bauch.

Treffer. 

Von wegen. Ich bin kein Sadist. 

Ich lasse das Messer stecken. (So müssen die Kollegen nicht suchen. Sie haben genug zu tun.)

Ich gehe ins Bad. Nein, ich muß nicht kotzen. Ich wasche mir die Hände.

Ich hänge meinen Schlüssel deiner Wohnung im Flur ans Brett und verlasse mein ausgehaltenes Leben.

Eigentlich wollte ich zum Abschied noch einmal auf der Gitarre das Lied spielen, das ich im Park spielte, was dir so sehr gefallen hat, daß du mich angesprochen und auf ein Bierchen eingeladen hast, aber ...




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Kommentare zu diesem Text


 Regina (22.09.26, 04:11)
Ganze Kreuzzüge und vermutlich auch große Kriege standen unter diesem Antagonismus: Wo Liebe gemeint ist, wird eine Bedrohung wahrgenommen.
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