Gleich ...

Betrachtung zum Thema Sprache/ Sprachen

von  S4SCH4

Alle Menschen sind gleich.

Alle Menschen sollten gleich sein.

Im Grunde seid ihr alle gleich!

 

„Gleich“. Das Wort mutet ein wenig schizophren an. Mit Widersprüchen bis zum Abwinken. Vorurteile, Hoffnungen, Versprechungen und kompromissloser Abgesang.

 

Gleich schlägts dreizehn!

Gleich ist es soweit.

Gleich wird es besser.

Auch hier, im zeitlichen Kontext, ist alles vertreten: Drohung, Zögern, Hoffnung und Wendepunkt.

 

Das Wort „gleich“ stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet so etwas wie „dieselbe Gestalt habend“. Nur nebenbei bemerkt: auch das Wort Leiche führt sich auf die Wurzeln des „gleich“ zurück.

 

„Gleich“, ein Wort zwischen Leben und Tod. Ursprünglich für etwas sehr Körperliches verwendet, wurde es fast schon ungleich gleich.

 

Vielleicht ist es ein Versteck, vielleicht der Wandel, der aus dem Wort spricht, vielleicht etwas, das nie passiert und ständig da ist. Denn es gibt zeitlich immer ein gleich, und jetzt ist vielleicht gleich dem gleich von gerade eben.

 

Und nicht nur die Zeit wird körperlich, sondern auch die Charaktereigenschaften. Oder wird das Körperliche unkörperlich?

Gleich ist sich diese Frage keinesfalls, also kein „gehopst wie gesprungen“.
Wo der Körper fehlt, fehlt nicht nur der originäre Bezug zur Wortherkunft, sondern auch das Trägermaterial für ein Empfinden von Zeit und Eigenschaft. Gleich wird dann wahrlich zur Leiche.

 

Tragisch ist die Ungleichheit in der Welt, sagt man. Doch vielleicht ist noch viel tragischer, dass diese Ungleichheit, auf einer Gleichheit basiert, die sich selbst ungleich zu sein scheint.

 

Gleich fällt mir bestimmt noch etwas zum Thema ein … also …

 

bis gleich.



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Kommentare zu diesem Text


 EVdR (08.10.26, 18:30)
„Gleich“ ist ein Wort, das Menschen pauschalisiert und entmenschlicht.
Es ist ein Wort, das Gleichheit verspricht, aber Ungleichheit erzeugt.
Es ist ein Wort, das alles sagt und nichts meint.

 S4SCH4 meinte dazu am 08.10.26 um 18:44:
same

 niemand antwortete darauf am 08.10.26 um 18:56:
@ S4SCH4
Alle Menschen sollte gleich wert sein, aber gleich, bedeutet für mich
so etwas wie ohne optischen, mentalen, geistigen Unterschied.
Und genau das stimmt doch nicht. Schon optisch gleichen sie sich doch nur scheinbar. Ja, ein Kopf, zwei Beine, zwei Arme, ein Rumpf.
Sind diese Atributte gleich? Mental, geistig ebenso nicht. Wir sind weder gleich in der Reife, noch in der Intelligenz, noch in der Entwicklung, und und und und. Bei Orwell könnte man von einer Art
Angleichung sprechen, zwangsweise, aber nicht wirklich, nicht tiefer,
es sei denn ein gleichmachender Chip würde eingepflanzt. Ist in Zukunft vielleicht garnicht so abwegig, diese Art von Gleichschaltung.
Je gleicher, desto einfacher die Kontrolle. Also ein Glücksfall für eine Führung, egal auf welcher Ebene. Einen Schalter umlegen und schon
laufen alle dorthin, wo man sie haben möchte. Ein Traum für alle Politiker, es sei denn auch sie wären gleichgeschaltet. Dann hülfe nur
ein edler Diktator, und diesem würde es bald fad werdn. Der schliefe dann wahrscheinlich ein. Gott bemühen, wenn es diesen dann gäbe.
Aber nix Genaues weiß man eben nicht   ;)

 S4SCH4 schrieb daraufhin am 08.10.26 um 19:03:
Genau. Es ist ersichtlich, auch wenn es eine Perspektive ist.
 
Vielleicht ist ein Krieg ums Gleich, mit dem Körper um den Geist, usw.
 
Gleichschaltung, pflichte ich dir bei.
Dieses „Gleich“ in der Gleichschaltung ist ein vorgezeichnetes gleich. Und wer malt die Vorlage aus? Mit Glück darf man das noch fragen, wo wir schon bei Orwell sind…
 
Danke Dir Irene, für deinen Kommentar.
 
Sascha
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