Wie entflieht man? Muss man entfliehen oder gibt es Heilung? Ist Heilung gleich Erlösung oder doch nur Besserung? Ich würde mich gerne ein mal wieder losgelöst fühlen.
Eine Stunde meiner Zeit, an einem Ort, einen Moment lang, nur ich und nichts. Dieses Privileg ist was ich für uns erarbeiten würde, wenn es nur so einfach wäre. Es kann nicht erarbeitet werden, weil mir eine gewisse Sache fehlt. Die Gesundung meines Geistes ist keine leichte Aufgabe. Man versprach mir, dass die Aufgabe nicht lösbar wäre und ich nur täglich damit kämpfe meinen Geist zu besiegen, weil es mir dann irgendwann leichter fiele. Doch wann tritt dieser Moment ein? Es fiel nie leichter. Die Phasen in denen es besser ist wurden zwar länger, doch die Phasen in denen es mich in den Morast zieht sind immer noch genau so schrecklich. Weitaus schlimmer in Teilen.
Bin ich doch ein Gerechtigkeit-liebender Mensch, so ist es meine Pflicht auch für andere einzustehen. Ist es mein Laster? Ist es mein Laster, dass mir diese Gerechtigkeit nicht zuteilwerden darf? Meine größte teilbare Stärke, welcher ich mit jeder Pore meines Lebens nachgehe, wird nie zu meinem eigenen Genuss. Vielleicht ist es ja bei jedem Menschen so. Jeder kann etwas besonders gut für andere und wünscht es sich für sich selbst, wird aber niemals in den Genuss kommen es selbst zu schmecken. Dann soll es so sein. Doch lasst es nicht mein Leben sein. Meine Zeit sollte selbstbestimmt kommen und dass dieses Wort das einzige ist, was diese Textdatei rot unterstreicht zeigt mir, dass es nicht so ist. Belebt mich nicht wieder. Lasst mich noch ein mal durch den Geburtskanal schlüpfen in eine neue Welt. Auf der anderen Seite meiner Seite sollte es doch besser sein. Falls dem nicht so wäre gäbe ich mich geschlagen, doch muss ich die andere Seite kennen lernen um selbst das Urteil fällen zu können. Einem Richter kann ich nicht trauen. Meine Augen müssen jedes einzelne Leid dieser Welt sehen um es begreifen zu können. Meine Ohren müssen jeden Hilfeschrei vernehmen und jede Geschichte über unhörbares erfahren. Meine Zunge muss jede Wahrheit und sei sie noch so schmerzbereitend erzählen. Meine Nase muss jeden Tropfen Blut, jede Angst die sich verbirgt riechen. Meine Haut muss jeden Schnitt, jede Wunde und jede noch so heiße Träne spüren.
Erst wenn all das geschehen ist, werde ich Ruhe finden. Informationen aus zweiter Hand sind ein gutes Mittel um ein Atoll zu bilden, doch das Selbststudium wird immer den kontinentalen Vorteil wahren.