Neues Spiel

Feststellung zum Thema Begehren

von  Reliwette

Vorbemerkung:

In den späten 50ger Jahren tauchte ein Kirmesbetreiber auf, der einen Glücksspielautomaten betrieb: 5 Glasfelder mit unterlegten Spielfarben:

Zehn, Bube, Dame König Ass. Durch ein Rad mit Kontakten erfogte bei Drehung  in schneller Folge die Beleuchtung der einzelnen Spielflächen. Zunächst ein Flimmern, das später in langsame Lichtreflexe überging, bis nach einigen Sekunden ein langsamer Lichtwechsel stattfand und zum Schluss nur eine Fläche beleuchtet war.

Die Teilnehmer setzten 10 Pfennig am Stück auf eines oder mehrere der Spielhartensymbole.

Dann rief der Betreiber folgenden Refrain aus, laut über den Budenbetrieb und die Fahrgeschäfte:


       " NEUES  SPIEL; NEUES GLÜCK  

       ALLES ÄNDERT SICH IM AUGENBLICK"


 Dann setzte er das Kontaktrad in Bewegung. Derjenige, auf dessen Kartnsymbol das Licht stehen blieb, bekam für 4 Felder = 40 Pfennige Gewinn ausbezahlt. !0 Pfennig behielt der Besitzer des Gerätes für sich ein. Aber er setzte auch selbst 10 Pfennig auf eines der Felder. Blieb das Licht auf seinem Feld stehen, sackte er 50 Pfennige ein und die anderen Mitspieler schauten in die Röhre.


          Heute setze ich den Kurztext ein, eine Metapher, leicht abgeändert:

 

          "DURCH NEUES SPIEL, DOCH OHNE GLÜCK

          KEHRT DIE ALTE SICHT ZURÜCK."  






        


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Kommentare zu diesem Text


 S4SCH4 (14.10.26, 16:54)
Hallo lieber Hartmut,
 
auf Anhieb verstehe ich weder das Spiel noch die eingesetzte Metapher.
 
Ich begehre allerdings das Wissen diesbezüglich, also wie es sich verhält.
 
… so werde ich den Text beizeiten nochmal lesen und hoffen, dass mir keine Spoiler ins Auge fliegen. Soviel zu Lichtreflexe und zu Glück.
 
Eine Frage beschäftigt mich nun aber: will ich, wo ich gewinne überhaupt wissen warum und weshalb oder sollte ich mich nicht eher um den Gewinn freuen, eine Runde in der Wirtschaft ausgeben und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen?
 
Ein wenig klarer wird mir der neue Wahlspruch und ich bemerke nun, den Text zuerst völlig falsch gelesen zu haben …
 
Die alte Sicht … nun es scheint auch, diese Sicht wird auch gerade deswegen immer älter, weil man ja die „neuen“ Augenblicke ersehnt, sich erhofft und erwartet.
 
Es ist ein Katz und Mausspiel, dass du treffend eingefangen hast (ohne Katze und Maus ihrer Freiheit zu berauben, wohlgemerkt.)
 
Nichtsdestotrotz lese ich es gerne nochmal, ich vermute, es ließe sich noch mehr entdecken, wenn man nur will und vor allem: kann.
 
Du hast doch bestimmt noch ein Ass im Ärmel …
 
Liebe Grüße Hartmut,
sascha

 Reliwette meinte dazu am 14.10.26 um 17:10:
Lieber Sascha,
 das kleine Glückssüiel auf dem Jahrmarkt in den 50ger Jahren war verhältnismäßig mit geringem Einsatz zu spielen, obgleich damals 10 Pfennige einen höheren Wert hatten als heute. Ein "Milchbrötchen" kostete 6 Pfennig. 1 Liter lose Vollmich 38 Pfennige und ein Brot 1,70 DM.

Wenn man sich heutzutage auf ein neues "Spiel" einlässt, zum Beispiel in der Politik" und man verlässt sich mit seiner Entscheidung auf das Glück, mag es sein, dass die alte "Sichtweise" erneut zuschlägt. Denke mal an die AfD, von der sich so viele Menschen eine positive Wendung ihres persönlichen Schicksals erhoffen. Aber es kann auch eine neue Liebschaft betreffen, es kann alles Neue betreffen, auf das man sich unreflektiert einlässt und es dem Glück überlässt, dass es sich zum Guten verändert. Diese Metapher ist eine philosophische Betrachtung der Lebensum- und Zustände.
Lieber Gruß! Hartmut

 S4SCH4 antwortete darauf am 14.10.26 um 17:22:
Dennoch sehe ich der Kunst, sich auf sein Glück zu verlassen, eben nicht nur eine Kunst sondern auch ein Lebensgefühl das mit dem Menschen untrennbar verbunden ist. Klar, was die Leute unter Glück verbuchen (Afd, neuer Daimler, eine rauchen und Kaffee dazu, etc.) ist unterschiedlich, aber am Ende müssen wir, wenn wir selbst das Glück beanspruchen, es auch anderen ebenso gönnen. Mit der ganzen Individualität. Das führt zu Fragen der Toleranz usw. 

Nicht umsonst ist im deutschen das Glückwünschen früher oder immer noch (?) ein wenig verwunschen, man wünscht sich das Gegenteil um den Neid nicht zu wecken und das Glück nicht herauszufordern. Leider geht das auch nicht mehr so einfach, wenn man das "System" einmal erkannt hätte oder wenn das "System" uns einmal erkannt hätte. 

Non lo so, lieber Hartmut. 

Beste Grüße.
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