Dante am Morgen - mit Kummer und mit Sorgen

Betrachtung zum Thema Hoffnung/Hoffnungslosigkeit

von  S4SCH4

„Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“ Das Zitat aus der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri steht im Epos als Inschrift über dem Tor der Hölle.

 

Die folgende Betrachtung basiert in vielen Punkten auf der Göttlichen Komödie, verlässt sie aber bisweilen, um sich selbst im Sinne eigener Gedanken gerecht zu werden.

 

Die Hölle spiegelt die Lebensentscheidungen wider. Einmal in den Trichter hineingegossen, der in Dantes Epos durch den Sturz Luzifers entstand, durchläuft man diesen bis zum bitteren Ende – oder verbleibt in einem der Kreise, die neben der reinen Trennung von Gott Leiden und Qual bringen.

 

Doch warum sollte man nicht mehr hoffen?

Hier verlassen wir die Deutung aus der Göttlichen Komödie und sagen: Die Hoffnung wirkt wie ein Toröffner zu den Sünden. Sobald sie sich ausgestaltet, formt sich ein Schlüssel, der in die Tür eigener Verfehlungen passt. So ist die Hoffnung paradoxerweise sowohl jener Antrieb, um weiter in die Hölle vorzudringen oder in sie hineinzugraben, als auch der Grund, irgendwo in ihr zu stranden – sobald man sich hoffnungslos genug vorfände.

 

Je hoffnungsvoller ein Leben, desto mehr Sünden, desto tiefer in der Hölle?

Im Prinzip schon, aber: Die sündigen Türen und Räume, die durch die Hoffnung verschlossen sind, nehmen proportional mit der Hoffnung zu – daher gäbe es auch mehr zu tun, was die Verarbeitung der Sünden betrifft. Gut vorstellbar also, dass es bei einer überbordenden, stets nachgelegten Hoffnung gar nicht dazu käme, überhaupt bis in den 9. Kreis (zum zugefrorenen See Cocytus) vorzudringen, weil man sich bereits in den oberen Kreisen in der Unmenge an eigenen Baustellen verfängt.

 

Welches Maß an Hoffnung darf man sich beim Durchwandeln der Hölle also erlauben? Ein Maß kann es in der Gottlosigkeit einer Hölle, die u. a. von Maßlosigkeit geprägt ist, schwerlich geben. Daher ist der einzige Bezug mit etwas Gewicht der eigene Körper. Das Körpergedächtnis und die eigene psychische Verfassung entscheiden vielleicht, wer wohin gelangt.
Absurd oder nicht: Manch einer versucht heutzutage mit allzu viel Wellness und Mindfulness, sich eben jenem Körper zu entheben, ihm zu entsagen, und stellt die psychische Verfassung als ein losgelöstes Konstrukt über alles.

 

Doch ist es nicht eben solch eine „psychische Verfassung“, die den Teufel aus dem Himmel holt und in den eigenen Kopf niederstürzen lässt, damit dort besagter Trichter Luzifers entsteht?



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Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (23.10.26, 08:06)
Was willst du eigentlich?

In der Hölle kannst du mit Platon, Epikur und ein paar anderen unkatholischen Jungs plaudern.
So schlecht ist das nun auch wieder nicht ... ;)
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