Früher war alles besser
Text
von Verlo
Auch das Internet.
Seit 1998 betreibe ich eine Website mit eigener Domain.
Nur einmal hat man mich aufgefordert, Text zu ändern. Es war eine Autorin, die ihre Buchverkäufe sinken sah, wegen Informationen, die ich über die Frau veröffentlicht hatte.
Das ist eigentlich zu groß dargestellt: ich hatte vom Zirkel schreibender Arbeiter erzählt, den ich in Potsdam-Babelsberg regelmäßig besuchte, und erwähnt, daß auch die bekannte Autorin dort war.
Daß dieselbe Autorin am Literaturinstitut in Leipzig studiert hatte, durfte (und darf) dagegen jeder wissen.
In den Zirkel schreibender Arbeiter könnte jeder kommen. Man wurde nicht gefragt, ob man in der FDJ oder SED war.
Um am Literaturinstitut zu studieren, sollte man zB keinen Ausreiseantrag gestellt haben oder im Westen Deutschlands einen Roman mit dem Titel "Der Sozialismus wird untergehen" veröffentlich haben.
Warum, versteht sich von selbst, auch man den entsprechenden Artikel in Wikipedia nicht gelesen hat:
1955 wurde in Leipzig nach einem Sekretariatsbeschluss des Zentralkomitees der SED das Institut für Literatur mit dem Ziel gegründet, "die ideologische und künstlerische Ausbildung der Schriftsteller zu fördern."
Zwar hatte ich nicht eingesehen, auf meine Website etwas zu löschen, was der Wahrheit entsprach und auch nicht als Beleidigung mißverstanden werden könnte, aber sie nervte, daß sie Kinder habe und Geld verdienen müssen, außerdem hätte sie nicht gewußt, daß ...
Mehr Probleme mit anderen, die meine Website verändert haben wollten, gab es nicht.
Damals und auch einige Jahre später, dominierten private Website (zumindest) das deutsche Internet.
Hat man zB etwas über BMW Reisemotorräder gesucht, wurde man von den Suchmaschinen auf eine private Seite geführt, auf der ein Mann über seine Erfahrungen mit diesen Maschinen schrieb.
Auch viele schöne Fotos veröffentlichte er.
Man konnte ihm eine eMail schreiben und Fragen stellen. Oder über die Motorräder plaudern.
Auch die Betreiber anderer Websites konnte man unkompliziert kontaktieren.
Die Suchmaschine Google war damals neu. Sofort war mir klar, daß sie den Markt verändert, da sie nicht das System von Bibliotheken übernahm, was sehr umständlich war und die digitalen Möglichkeiten nicht ausnutze.
Dann kamen weitere Konzerne, die Stück für Stück das Internet dominierten.
Sucht man heute BMS Reisemotorräder, was bieten Suchmaschinen an? Probier es auch.
Meist gab es auf den Websites ein Gästebuch, in dem sich jeder ungezwungen verewigen konnte.
Das Layout habe ich einfach gehalten und nicht verändert, um den Aufwand für Pflege und Wartung niedrig zu halten.
Auf meiner Website habe ich verschiedene Projekte umgesetzt: Bibeln, Uhren, Tagebuch, Heilung der Seele ("Kopfdemokratie", zeitweise mit Online-Beratung), Abspecken, Laufen ...
Für alle sichtbar. Und kostenlos.
Wirklich kostenlos, denn ich habe keine Geld mit den Daten der Besucher verdient.
Vor zwei Jahren habe ich mich mit Foren beschäftigt, nachdem ... Darüber könnte ich viele Seiten schreiben. Heute erst dachte ich: mein Stiefvater ist mir mächtig auf die Eier gegangen, aber ich fühle nicht so negativ für ihn. – Vielleicht schreibe ich noch einmal ausführlich dazu, aber nur dort, wo ich der Webmaster bin.
Genau betrachtet ist es nicht schwer, sein eigener Webmaster zu sein.
Konzentriert man sich auf das Wesentliche, ist und bleibt die Arbeit überschaubar.
Der Ärger auch. Es ist, als wenn man ein Haus hat, in das man hin und wieder Gäste einlädt.
Es ist sogar noch weniger: mit Haus-Nachbar kann es viel Streit geben.
So lange ich online bin, hatte ich nur Ärger mit der Frau, wobei es bei eMail-Ärger geblieben ist, kein Rechtsanwalt, keine Behörde.
Und einige Male mit Dienstleistern, die Webspace zur Verfügung stellen.
Das ist sicherlich anders, wenn man viele Fremde in sein Online–Haus aufnimmt. Aber dazu zwingt einen ja niemand.
Ich wüßte auch nicht, warum ich das tun sollte, außer um Geld zu verdienen.
Vielleicht gibt es Online-Spanner, die den Aufwand und den Streß in Kauf nehmen (müssen). Aber ich bin ausreichend mit Informationen versagt, die mir Menschen gern und freiwillig mitteilen.
Die einzige Hürde, um sein eigener Webmaster zu sein, ist die eigene Bequemlichkeit. Arbeit oder Geld sind es nicht. Es ist nicht viel Arbeit und es ist nicht teuer.
Für meine Website bezahle ich 75 NOK im Monat und 7 NOK im ersten Jahr für die no-Domain.
Für mein Forum das gleiche, wobei Lizenzkosten hinzukommen, außer ich nutze kostenlose Forensoftware, wovon es reichlich Auswahl gibt.
Nutzt man eine gute Cloud-Lösung wie WoltLab, sind es ab 40 Euro im Monat. Dafür hat man aber keinen Arbeit mit der Software, der Installation, dem Webspace, dem Backup, der Datensicherung allgemein, dem Einhalten daten-rechtlicher Vorgaben. Eigentlich ist es so unkompliziert, wie eine einfache Website zu betreiben, wobei man sich nicht um den HTLM-Code kümmern muß.
Genau betrachtet ist es die Zukunft der Information und Kommunikation: nicht mehr TV und große Medien, sondern du oder ich.
Anmerkung von Verlo:
Korrigiert wird nachher. Jetzt muß ich auf den Rad-Trainer.