KLICKS UND CLIQUEN

Synthesen + Analysen in der Matrix


Eine Kolumne von  Bergmann

Sonntag, 12. April 2026, 20:45
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Der Junge, der Prinz Eisenherz war

882. Kolumne

Der Junge, der Prinz Eisenherz war
 
In meiner Kindheit, im Alter von 10-13 Jahren, las ich neben Micky-Maus, Tom & Jerry, Tarzan, Sigurd, Fix und Foxi, Tim und Struppi, Pecos Bill und Prinz Eisenherz ... 
(Asterix gab’s noch nicht.)
Dazu etliche Romane von Karl May, Quo vadis, Kampf um Rom, Ben Hur, Tom Sawyer und Huckleberry Finn, Seeteufel von Graf Luckner, Die Söhne der Großen Bärin, Tatanka-Yotanka, die Lederstrumpfgeschichten, Emil und die Detektive, Robinson Crusoe, die klassischen und die germanischen Heldensagen ...  
 
Besonders berührte mich die Prinz-Eisenherz-Episode in der Zeithöhle; ich wusste damals nicht, dass Harold Foster vieles aus der Arthus-Sage übernahm und variierte, auch nicht, dass er mit mehreren Jahrhunderten der Antike jonglierte – die Mittelmeer-Episoden in der Zeit der späten römischen Kaiser, König Arthurs Schloss Camelot, die Hunnen ... Mir fiel nicht auf, dass Prinz Eisenherz gar nicht älter wurde im Laufe der vielen Episoden, obwohl er Aleta nach Jahren endlich wiederfand und heiratete, Kinder geboren wurden ... Prinz Eisenherz alterte nur in der Höhle der Zeit im Bann eines Zauberers. Er sah Krieg und Elend, Verwüstung und Tod. Aber er kehrte rechtzeitig um, lief wieder zurück zum Höhleneingang, vor dem eine schöne junge Frau saß, er kehrte zurück in seine Jugend. 
Leider werde ich aus meiner Höhle der Zeit nicht wieder verjüngt herauskommen, auch nicht in einem religiösen Sinn. Aber im Unterschied zu Prinz Eisenherz bin ich älter geworden, fand zu mir selbst und zur Liebe – und ich habe mich auch verändert. Aber ich bin irgendwie immer noch der Junge, der ich in meiner Kindheit war ... jedenfalls spüre ich einen großen Identitätsbogen von damals bis heute. Ich bin derselbe Andersgewordene und der andersgewordene Derselbe ...

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Kommentare zu diesem Kolumnenbeitrag


 S4SCH4 (17.04.26, 18:57)
Ich weiß (noch) nicht, ob es eine Leistung ist (von Konsequenz, Achtsamkeit, Selbstfürsorge, etc ...) oder eine gewisse Glückssache, die Alterung derart zu vollbringen. Vielleicht ist aber auch weniger wünschenswert und gewinnbringend als gedacht .... doch es liegt mir fern, hier nun eine tiefere Analyse über Lebensstile zu veranstalten. Ich erkenne es neidlos (?) an und hole ein wenig aus (nur um später wieder darauf zurückzukommen und Besagtes doch irgendwie zu loben).

Ein Bruch im Leben ist sicher nicht unüblich, aber m.E. doch weitaus weniger anzutreffen. Ein solcher Bruch derartig, dass man gegen sich selbst und eine Zeit stünde, mit der sich besagte Redensart: „man sieht sich immer zweimal im Leben“, am eigenen Spiegelbild erprobte, kommt als Zäsur für jeden Lebensfrieden daher. Einen Bogen zu spannen, wie der Text hier so schön sagt: „Identitätsbogen“ scheint schier unmöglich. Doch auch hier will ich nicht ins Detail gehen; will nur sagen: Auch solche Alterungen (ausgebaute Krisenherde?) gibt es im Leben und Prinz Eisenherz mag es neben den Gräuel, das er in der Höhle gesehen hat, vielleicht geahnt haben und zog die ewige Jugend vor.

Manche Menschen werden nie erwachsen, manche sind es schon immer gewesen und wenige spannen den Bogen dazwischen zu einem soliden Instrument, eines das man selbst wie auch andere gerne hören und weitaus noch weniger spielen zu allem Überfluss noch etwas darauf ... ja, aber was? (große Preisfrage) ... etwas, das wohl jeder will und benannt zerfällt und unbenannt gar nicht lebt.
Was es ist, muss also jeder selbst entscheiden, mir gefällt der Prinz Eisenherz an dieser Stelle aber ganz gut. Der Text ist eine gelungene Anekdote und eine feine kleine Erzählung für ein so übergroßes Thema.

 Bergmann meinte dazu am 17.04.26 um 21:42:
Es ist halt so vieles dialektisch. Erinnerungen sind wahr und falsch, und das meiste liegt dazwischen. Manches hat mich vielleicht geprägt; oder ich bilde es mir nur ein, aber dann ist es immerhin da, in welcher Art auch immer. Mich hat keiner meiner Brüche, keine meiner Fallen, und kein Fall aus meiner (angenommenen) Bahn geschleudert. Besonders konstant und ausbaufähig waren: Musik (von Monteverdi bis Rihm, Beatles, Bob Dylan), Kunst (Frührenaissance bis Gerhard Richter), Literatur (Homer bis Erpenbeck), Philosophie (Hegel, Nietzsche, ... Habermas); Cafés und Restaurants, Reisen (USA, China), Familienleben, Beruf, Schreiben, Malen, und die Liebe. (Nichts von allem im Übermaß.) 
Dumm war: meine Raucherei, 25 Jahre lang. Sicherlich auch einige Jahre des Faulenzen und leerer Träumereien.

 S4SCH4 antwortete darauf am 19.04.26 um 16:11:
Du bringst es auf den Punkt und trumpfts dazu noch mit Persönlichkeit. Ich treffe sowas nur noch selten an. Respekt. Das meine ich ernst.
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