Film & Fußball

Eine cineastische Mannschafts-Kolumne


Die Kolumne des Teams " Film & Fußball"

Dienstag, 29. März 2022, 17:09
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Russland, mon amour

von  Dieter_Rotmund


Der provokative Titel dieser Kolumne soll nur Aufmerksamkeit erregen. Russland ist nicht meine Liebe, ich schätze aber einiges seiner Kunst. Und ich möchte nicht, dass Kunst aus Russland in Bausch und Bogen verachtet und als imperialistisch gebrandmarkt wird. Das ist bescheuert. Das prangere ich an.

So erinnere ich mich dieser Tage gerne an The Return (Originaltitel  "Vozvrashchenie", Russland 2003) zurück. Hier sei kurz für die Interessierten der Inhalt angerissen: Zehn Jahre lang lebten die Brüder Iwan und Andrej mit ihrer Mutter Natalya allein in einer russischen Provinzstadt. Sie führten ein unbeschwertes, sorgenfreies Leben, bis plötzlich der Vater wieder auftaucht. Bisher kannten sie ihn nur von einem Foto. Er nimmt die beiden Kinder mit auf eine abenteuerliche Reise, die auf einer geheimnisvollen Insel endet. (Textauszug aus moviepilot.de). 
Ich habe die düstere Stimmung des Films, obwohl er die meiste Zeit auf einer sonnigen Insel spielt, gut in Erinnerung behalten. Die Figuren arbeiten sich hart aneinander ab, das machte Freude, das anzusehen. Toll inszeniert!
Auch an Sergej Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin (Originaltitel "Bronenosets Potemkin", Sowjetunion 1925), den ich im Kino sah, erinnere ich mich gerne zurück. Nicht zu vergessen die Filme von Andrei Tarkowski, wobei ich selbst einst nur Solaris (1972) in Kino sah, bei Andrej Rubljow (1966) bin ich in der Pause weg, da habe ich nicht mal ansatzweise verstanden, um was es gehen soll. Das verstörende Komm und sieh (Russland 1985) habe ich hier ja kürzlich in dieser Kolumne besprochen.  
Nun höre ich, dass Werke von Dostoevskij, der im 19. Jahrhundert lebte,  aus den Auslagen von deutschen Buchläden genommen werden? Was soll das? Das stimmt mich sehr traurig.

Passend dazu an einer Hochschule in einem Sonderprogramm gesehen (Text aus dem Programm entnommen):

Tribute to Odessa

Sergei Eisenstein: »Panzerkreuzer Potemkin«, 1925
Sequenz: Potemkinsche Treppe, Odessa, ca. 5 Minuten

»Panzerkreuzer Potemkin« ist ein Stummfilm von Sergei Eisenstein und für viele der beste Film der Filmgeschichte. Dieser Film ist eine Dramatisierung der Meuterei der Besatzung des Panzerkreuzers Potemkin gegen ihre Offiziere im Jahre 1905. Im Akt 4 »Die Treppe von Odessa« kommt die berühmte Szene vor, in der die Kosaken des Zaren die zivile Bevölkerung auf den Stufen der Potemkinschen Treppe in Odessa mit Gewehren und Bajonetten niedermetzeln.


Zbigniew Rybczynski: »Steps«, 1987
24 Minuten

Der polnische Avantgardefilmregisseur Zbigniew Rybczynski konfrontiert in seinem Film »Steps« eine voyeuristische Gruppe amerikanischer Touristen mit Szenen dieses Filmklassikers. Der Reiseführer sagt am Ende des Films: »We are living on the edge of time.« Wer hätte gedacht, dass diese Zeile noch einmal so aktuell sein wird?

Brian de Palma: »The Untouchables – Die Unbestechlichen«, 1987
Treppensequenz im Bahnhof, ca. 10 Minuten

Im Film »The Untouchables – die Unbestechlichen« von Brian de Palma nach einem Drehbuch des berühmten Autors und Filmregisseurs David Mamet, kommt ebenfalls eine Paraphrase von Eisensteins Filmklassiker vor. Die Treppenszene von Odessa wird allerdings in einen Bahnhof von Chicago verlegt, in dem es zu einer Schießerei zwischen Polizei und Gangstern kommt.

Dziga Vertov: »Enthusiasmus. Die Donbass-Symphonie«, 1930
(restaurierte Version 1972)
65 Minuten

Dziga Vertov gilt als der bedeutendste Dokumentarfilmregisseur des 20. Jahrhunderts Zu Ehren Vertovs gründete Jean-Luc Godard für seine dokumentarischen und politischen Arbeiten gemeinsam mit Jean-Pierre Gorin die Groupe Dziga Vertov.

Sergei Loznitsa: »Donbass«, 2018
121 Minuten

Der Spielfilm »Donbass« von Sergei Loznitsa wurde in Cannes in der Selektion »un certain regard« mit »Best Director« ausgezeichnet. Der Film besteht aus 13 Episoden aus dem Zeitraum 2014 bis 2015, die auf realen Ereignissen basieren. Sie zeigen eine Welt, verloren in falschen Identitäten und im Zeitalter der Post-Wahrheit, in der bewaffnete Konflikte und Überfälle, Groteskes und Drama in einem hybriden Krieg stattfinden.

Außerdem im Kino gesehen: The hate you give (USA 2018), Zitat daraus:
 Maverick 'Mav' Carter: I ain't set a good example of a black man for you.

 Starr Carter: No, you didn't. You set a good example of what a man should be.

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Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


 Graeculus (31.03.22, 18:53)
Tarkowskij ist ein Fall für sich. Selbst mit "Solaris" konnte ich nur deshalb etwas anfangen, weil ich den Roman liebe.

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 05.04.22 um 15:17:
Den wiederum habe ich nie gelesen, finde aber sowohl die Tarkowski- als auch die Soderbergh-Verfilmung gut.
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