10. Kapitel

Text

von  Pearl

Als ich aus dem Wasser stieg, warteten die anderen schon ungeduldig. Überglücklich umarmten sie mich... Meine Großmutter weinte. Arielle rief mir ein: "Alles Gute zur "Taufe", meine kleine Meerjungfrau!" zu.
"Es war echt schwer", ich schluckte den Rest an Salzwasser, der sich in meinem Mund und Hals befand, hinunter.
"Das wissen wir. Du hast uns doch gesehen, die Fackeln, das Licht, das waren wir. Wir waren die gesamte Zeit bei dir. Das Böse hat versucht dich zu korrumpieren. Doch du bist so stark, Kleines." meinte Arielle flüsternd. Sie lächelte.

Da sah ich sie: warme, goldbraune Augen. Es waren dieselben Augen, die zu der Person gehörten, die mich unter Wasser mit ihrem Sprechgesang beruhigt hatte. Es waren Tims Augen.
"Du  hast mein Leben gerettet. Ohne deine Worte, ich glaube, ich hätte es nicht geschafft... Ich hätte mich dem Hass der dunklen Nixen gebeugt. "
"Du bist stärker, als du denkst, Teresa. Doch ich konnte dich nicht leiden sehen. Also durchbrach ich irgendwie den Schutzzauber, der uns daran hinderte, uns zu erkennen zu geben und sprach mit dir. Ich weiß selbst nicht, wie das möglich war."
Er streckte mir die Hand hin: "Hallo, ich bin Tim." "Und ich bin Teresa", ich konnte nicht anders als unwillkürlich zu lächeln, während ich ihm meine Hand reichte.

"Paartytime", Arielle klatschte in die Hände. Sie drehte sich um und deutete auf das große Haus meiner Großmutter. Es glitzerte, glänzte und flitterte wie eine klare Sternennacht unter hunderten von Leuchtketten in allen Formen und Farben. Vor dem Haus stand eine Menge Leute. Auch in den hell erleuchteten Fenstern erkannte ich Silhouetten von tanzenden und sich unterhaltenden Menschen.
"Na ja, "Menschen" würde ich sie nicht unbedingt nennen", Arielle lachte, wie sie immer lachte: hell und schön.

Als wir uns dem Haus näherten, begannen die Menschen, die keine Menschen waren, mich anzusprechen. Ich redete mit hunderten von Halbwesen, schüttelte Hände, umarmte Fremde - und so verlor ich meinen Schutzengel und die Anderen aus den Augen.
Als ich schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit das Haus betrat, war eine kleine Bühne in Grannys Salon aufgebaut, und auf der Bühne stand, wer wohl? Arielle! Ihre blassblauen Haare hatte sie zu Zöpfchen geflochten, die in einer Art Hochsteckfrisur wie eine Krone auf ihrem Kopf thronten.
"Happy Birthday, süße Tere!", rief sie ins Mikrofon, "Das ist für dich!"
Die Band begann zu spielen und nach wenigen Takten erkannte ich Kelelas "LMK", einen meiner Lieblingssongs! Alle um mich herum tanzten, und Energie strömte durch meinen Körper, bewegte ihn, ich ließ mich fallen in die Musik: ich tanzte!
"So muss sich Ecstasy anfühlen", raunte ich der Person, die neben mir stand ins Ohr. Da sah ich, dass es Tim war.
"Nein, das ist dein Halbwesenblut. Und DAS wirkt tausendmal intensiver als jede Droge.", erklärte er.
Als ich mich umdrehte, sah ich einen blonden, wunderschönen Mann um die dreißig, der mich stumm anblickte. Wie all die Partygäste war er in Weiß  gekleidet. Doch da war noch etwas anderes. Ein Strahlen ging von ihm aus, so hell, dass es mich beinahe blendete.
"Alabaster".
"Alabaster?", rätselte ich. Tim war meinem Blick gefolgt und zeigte mit seinem Kinn auf den hell leuchtenden Mann.
"Der Engel, den du anstarrst. Sein Name ist Alabaster. Er ist einer der Hauptengel. Hauptengel sind uralt... es gab sie schon vor dem Urknall... Sie waren, anders als herkömmliche Engel, schon immer da. Und sie haben kein früheres Leben als Mensch. Sie wurden im Himmel erschaffen und sie sind so ursprünglich wie das Göttliche Prinzip."
Da trat ein blondes, kleines, zartgliedriges Mädchen auf Alabaster zu. Die beiden blickten in Arielles Richtung und unterhielten sich. Da war etwas Unnahbares an den Zweien, etwas Kaltes.
"Crystal, oder?", fragte ich Tim.
"Ja, Crystal, das Sternenmädchen. Sie ist eine der sechs, also unsere Verbündete."
"Na ja, irgendwie glaube ich, sie reden gerade über uns." Ein eiskalter Schauer lief über meinen Rücken.
"Alabaster ist ihr Schutzengel. Sie muss sehr mächtig sein, denn seine Macht ist unübertroffen. Du kannst ihr aber vertrauen."
Ich sah, wie Alabaster und Crystal nun zur Bühne schauten und missbilligend den Kopf schüttelten, als sie Arielles Dancemoves sahen. Und da war ich einfach nur heilfroh über meinen etwas verrückten, doch liebenswerten Schutzengel. Auch wenn sie vielleicht nicht so mächtig war wie Alabaster, hatte sie ein supergutes Herz. Und das bedeutete mir mehr als alle Macht der Welt.





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