Herkunft liegt jenseits der Erinnerung
Gedicht
von Melodia
Kommentare zu diesem Text
Das Tragische ist, dass die meisten Erinnerungen geschönt oder geschwärzt sind.
Insbesondere die der Herkunft.
Die notwendige (brutale) Wahrheitsliebe gehört der Jugend. Ein reifer Mensch neigt wohl eher dazu, sich selbst als (Mit-) Schuldigen zu betrachten ...
Insbesondere die der Herkunft.
Die notwendige (brutale) Wahrheitsliebe gehört der Jugend. Ein reifer Mensch neigt wohl eher dazu, sich selbst als (Mit-) Schuldigen zu betrachten ...
Ich bin mir nicht sicher, ob man das so verallgemeinern kann und würde dagegenhalten, dass es individuell unterschiedlich ist.
Zum Beispiel würde ich meinen, dass sich die Jugend zumeist nicht mit Selbstreflexion beschäftigt. Gleichzeitig gibt es viel zu viele Erwachsene, die dies ihr Leben lang nicht tun, aus welchen Gründen auch immer (und somit u.a. auch dieselben Fehler ihrer Eltern wiederholen).
Aber ich gebe dir definitiv Recht, dass Erinnerungen trügerisch sein können.
Vielen Dank für die Empfehlung.
Zum Beispiel würde ich meinen, dass sich die Jugend zumeist nicht mit Selbstreflexion beschäftigt. Gleichzeitig gibt es viel zu viele Erwachsene, die dies ihr Leben lang nicht tun, aus welchen Gründen auch immer (und somit u.a. auch dieselben Fehler ihrer Eltern wiederholen).
Aber ich gebe dir definitiv Recht, dass Erinnerungen trügerisch sein können.
Vielen Dank für die Empfehlung.
Ich meine, dass man in der Jugend eher zu kurzfristigen und polarisierenden (ausdrücklich nicht nur im politischen Sinne) Bewertungen oder Einlassungen neigt. Im Alter scheint sich eine Verdichtung der Erlebnisse mit gleichzeitiger Selektion nach zukünftiger Relevanz einzustellen. Wichtig scheint mir dabei, latente Schuldgefühle, so vorhanden, zu überwinden, wenn man - sozusagen - dann in der ersten Reihe steht. Meiner Meinung nach kann man nur dann unbelastet sein Selbst finden und dies auch ebenso unbelastet an die nächste Generation vermitteln.
Mit den Schuldgefühlen gebe ich dir absolut Recht. Man muss den Kreislauf quasi durchbrechen, um sich selbst und folgend seinen Kindern von diversen Lasten zu befreien.
Aber ich finde es interessant, dass hier quasi nur dieses Thema herausgelesen wird, auch vollkommen zurecht, aber könnte es nicht auch sein, dass das LI erkannt hat, was seine Eltern alles für ihn getan haben?
Aber ich finde es interessant, dass hier quasi nur dieses Thema herausgelesen wird, auch vollkommen zurecht, aber könnte es nicht auch sein, dass das LI erkannt hat, was seine Eltern alles für ihn getan haben?
Meiner Meinung nach ist diese Erkenntnis zweischneidig. Erstens hat man als Filius, der das LI ja ist, ja ein bestimmtes materielles und emotionales Erbe. Bezug nehmend auch auf das Buch von Barbara Bleisch würde ich allerdings auch sagen, dass es keinen Filialen Vertrag gibt, also keine - über das Maß an Respekt und die Liebe hinausgehende - Verpflichtung. Diese Betrachtung ist natürlich sehr materialistisch, lehnt sich aber an das Vierte Gebot an. Implizit ist die Erkenntnis, was die Eltern alles für einen getan haben aber auch der erste Schritt zur Selbstbezichtigung mit dem Hintergrund, diese Gabe eventuell nicht hinreichend gewürdigt zu haben, was gegebenenfalls noch durch Einlassungen der Altvorderen bestärkt wird, die zum Beispiel Verzicht oder entgangene Lebensqualität ins Feld führen.
Antwort geändert am 23.10.2023 um 13:18 Uhr
Jedenfalls hast du dich mit der Thematik auseinandergesetzt.
Ich würde behaupten, das theoretisch alle Erkenntnisse, Erinnerungen usw. zweischneidig sind, da es immer darauf ankommt, was man damit anstellt, wie man sie verarbeitet.
(Spät erkannte) Annerkennung, muss ja nicht zwangsläufig zur Selbstgeißelung führen. Einfach realisieren und hinnehmen, auch wenn es zu spät sein sollte, sich zu bedanken.
Spannend!
Ich würde behaupten, das theoretisch alle Erkenntnisse, Erinnerungen usw. zweischneidig sind, da es immer darauf ankommt, was man damit anstellt, wie man sie verarbeitet.
(Spät erkannte) Annerkennung, muss ja nicht zwangsläufig zur Selbstgeißelung führen. Einfach realisieren und hinnehmen, auch wenn es zu spät sein sollte, sich zu bedanken.
Spannend!
Taina (39)
(23.10.23, 12:40)
(23.10.23, 12:40)
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Das mit den Großeltern war zwar nicht Teil meiner Gedanken beim Schreiben, aber interessante Interpretation.
Vielen Dank dir
Vielen Dank dir
Ich denke, sie kommen immer noch früh geniug. So mein Gefühl. LG
Wer weiß. Zumindest die Erkenntnis sollte bleiben.
Auch dir: Danke!
Auch dir: Danke!
Mondscheinsonate (48)
(23.10.23, 13:16)
(23.10.23, 13:16)
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Vielen lieben Dank dir.
Hallo Melodia,
wenn wir jung sind, können wir die Tragweite unserer Entscheidungen noch nicht erfassen. Die guten Ratschläge von den Erwachsenen werden nur selten übernommen. Ich denke, das ist auch gut so, zumindest dahingehend, dass wir unsere eigenen Erfahrungen machen müssen, auch die schlechten. Nur so können wir wirklich für unser Leben lernen und uns zu Persönlichkeiten entwickeln.
Was meint LyrIch mit seinen Opfergaben? Ist es eine Art von Reue, nicht doch mehr auf die Eltern gehört zu haben? Erkennt sich LyrIch in seinen Eltern wieder oder ist es ihre Dominanz, die er noch immer spürt?
Ein nachdenklich stimmendes Gedicht!
Liebe Grüße
Sigrun
wenn wir jung sind, können wir die Tragweite unserer Entscheidungen noch nicht erfassen. Die guten Ratschläge von den Erwachsenen werden nur selten übernommen. Ich denke, das ist auch gut so, zumindest dahingehend, dass wir unsere eigenen Erfahrungen machen müssen, auch die schlechten. Nur so können wir wirklich für unser Leben lernen und uns zu Persönlichkeiten entwickeln.
Was meint LyrIch mit seinen Opfergaben? Ist es eine Art von Reue, nicht doch mehr auf die Eltern gehört zu haben? Erkennt sich LyrIch in seinen Eltern wieder oder ist es ihre Dominanz, die er noch immer spürt?
Ein nachdenklich stimmendes Gedicht!
Liebe Grüße
Sigrun
Hallo Sigrun,
was die eigenen Erfahrungen betrifft gebe ich dir vollkommen Recht. Gelegentlich hat man sich im nachhinein aber schon, zumindest innerlich, geärgert, dass man nicht auf die Eltern gehört hat. Aber dann war es ja ohnehin schon zu spät. Und beim nächsten Mal ist die situation eine andere, oder so ähnlich.
Ich hatte mir bei den Opfergaben etwas bestimmtes gedacht, wollte es aber offen für interpretationen lassen, was ja ganz gut funktioniert zu haben scheint. DAher verrate ich es nicht. Aber du hast ja bereits einige Möglichkeiten aufgezählt, die dem Gedicht eine jeweils andere Richtung geben.
Libe Grüße und danke
was die eigenen Erfahrungen betrifft gebe ich dir vollkommen Recht. Gelegentlich hat man sich im nachhinein aber schon, zumindest innerlich, geärgert, dass man nicht auf die Eltern gehört hat. Aber dann war es ja ohnehin schon zu spät. Und beim nächsten Mal ist die situation eine andere, oder so ähnlich.
Ich hatte mir bei den Opfergaben etwas bestimmtes gedacht, wollte es aber offen für interpretationen lassen, was ja ganz gut funktioniert zu haben scheint. DAher verrate ich es nicht. Aber du hast ja bereits einige Möglichkeiten aufgezählt, die dem Gedicht eine jeweils andere Richtung geben.
Libe Grüße und danke
I feel it.
:)
Lioness. (31)
(10.01.24, 12:18)
(10.01.24, 12:18)
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Vielen Dank!
Tatsächlich ist das ebenfalls meine Lieblingsstelle.
Liebe Grüße
Tatsächlich ist das ebenfalls meine Lieblingsstelle.
Liebe Grüße
Hallo Melodia,
ich finde, dass dein Gedicht ausdrückt, dass das Kind (für die Eltern bleibt ihr Kind immer ein Kind, hörte ich sagen) sehr dankbar ist für die Ratschläge und die Liebe seiner Eltern. Das lese ich in die Opfergaben hinein.
Der Text ist mal traurig
("er ist nur noch ein Phantom/ und sie als Nebel/ sitzt auf den Hügeln/ Meine Opfergaben kommen/ viel zu spät)
Mal ist er spielerisch leicht
(" Damals war mein Herz in einem Alter/ das noch nicht an die Zukunft dachte/ Entscheidungen küssten nur das Gefühl" und
("Ich malte ihre Sprechblasen aus
in allen Farben meines Heranwachsens")
Diese spielerische Leichtigkeit eines Heranwachsenden grundet sehr oft darin, dass er weiß, dass er zuhause Liebe und Schutz genießt - und darum auch mal Blödsinn anstellen und träumen kann.
Dein Text lässt mich an das Älterwerden meiner Eltern denken. Welches mich traurig macht. Nicht weil ich dadurch spüre, dass auch ich älter werde... sondern wegen des Wissens, dass sie wahrscheinlich vor mir gehen.
Liebe Grüße, Pearl
ich finde, dass dein Gedicht ausdrückt, dass das Kind (für die Eltern bleibt ihr Kind immer ein Kind, hörte ich sagen) sehr dankbar ist für die Ratschläge und die Liebe seiner Eltern. Das lese ich in die Opfergaben hinein.
Der Text ist mal traurig
("er ist nur noch ein Phantom/ und sie als Nebel/ sitzt auf den Hügeln/ Meine Opfergaben kommen/ viel zu spät)
Mal ist er spielerisch leicht
(" Damals war mein Herz in einem Alter/ das noch nicht an die Zukunft dachte/ Entscheidungen küssten nur das Gefühl" und
("Ich malte ihre Sprechblasen aus
in allen Farben meines Heranwachsens")
Diese spielerische Leichtigkeit eines Heranwachsenden grundet sehr oft darin, dass er weiß, dass er zuhause Liebe und Schutz genießt - und darum auch mal Blödsinn anstellen und träumen kann.
Dein Text lässt mich an das Älterwerden meiner Eltern denken. Welches mich traurig macht. Nicht weil ich dadurch spüre, dass auch ich älter werde... sondern wegen des Wissens, dass sie wahrscheinlich vor mir gehen.
Liebe Grüße, Pearl
Kommentar geändert am 07.07.2024 um 21:05 Uhr
Hallo Pearl,
vielen lieben Dank für deine Worte.
Ja, das LI ist dankbar dafür, erkennt es aber eben auch erst, als es selbst in einem bestimmten Alter ist und in diesem Fall sogar zu spät.
Wie du schon richtig sagst, liegt die spielerische Leichtigkeit zum Teil an seinem Zuhause, zum Teil aber auch daran, dass ein Heranwachsender es auch nicht besser weiß, sich nicht damit auseinandersetzt, und/oder die Worte der Eltern nicht ganz so erst nimmt. Was absolut nichts Verwerfliches ist, sondern vollkommen normal.
Man erwischt sich aber gelegentlich doch bei einem Gedanken wie: Meine Eltern hatten Recht oder hätte ich mal zugehört usw. Daher kann ich deine Gedanken gut nachvollziehen.
Liebe Grüße
Melodia
vielen lieben Dank für deine Worte.
Ja, das LI ist dankbar dafür, erkennt es aber eben auch erst, als es selbst in einem bestimmten Alter ist und in diesem Fall sogar zu spät.
Wie du schon richtig sagst, liegt die spielerische Leichtigkeit zum Teil an seinem Zuhause, zum Teil aber auch daran, dass ein Heranwachsender es auch nicht besser weiß, sich nicht damit auseinandersetzt, und/oder die Worte der Eltern nicht ganz so erst nimmt. Was absolut nichts Verwerfliches ist, sondern vollkommen normal.
Man erwischt sich aber gelegentlich doch bei einem Gedanken wie: Meine Eltern hatten Recht oder hätte ich mal zugehört usw. Daher kann ich deine Gedanken gut nachvollziehen.
Liebe Grüße
Melodia