Taxi Driver Teil II

Satire zum Thema Krisen

von  PeterSorry

Kennen Sie das auch, nach einer Zeit der Hoffnung in eine Pechsträhne zu geraten? Sie hatten ein Haus, ein Auto, einen Pool, und im nächsten Moment hatten Sie eine Ehescheidung mit Vermögensausgleich und Unterhaltszahlung im Gepäck.
Oder Sie hatten eine Wohnung, ein Fahrrad, einen Hund. Eine Kneipe, eine Nutte, einen Club. Und im nächsten Moment ist alles weg. Das Finanzamt stellt Ihnen nach, im Internet werden Sie als Päderast angeprangert, Ihre Frau brennt mit nem Jüngeren durch, die Mafia steht vor der Tür und Sie wurden gerade gefeuert.
Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Dieses Gefühl, wenn gerade alles den Bach runtergeht. Diese Leere vor dem Fall. Das ausgebrannte Würgen im Hals, wenn der Boden unter den strampelnden Füßen verloren gegangen ist.
Möglicherweise gibt es in dieser brennenden Scheune der Beschaulichkeit einen Halm, nach dem man in unsicheren Zeiten greifen kann. Eine leicht entzündbare Flüssigkeit und Halme in Hülle und Fülle.
Die alte, unauslöschbare Frage nagt in unserem Denken:      Wer ist schuld? Wem verdanken wir Alkoholismus, Klimakatastrophe, Überfremdung und Prostatakrebs?
Das neue Zeitalter der Computerviren, die sich im globalen Netzverbund zu einer Schwarmintelligenz entwickelt und faktisch die Herrschaft über die Menschheit errungen hatten, begann spätestens mit der fünfdimensionalen Digitalisierung des Covid 19 Virus.
Primärziel war, die ökonomischen und sozialen Strukturen der analogdigitalen Leistungsgesellschaft weltweit neu zu entwerfen. Politiker wurden zu Marionetten, und mit der Weltwirtschaft ging es auf Talfahrt. Hierzu mein Tagebuch von April 2020.



10. April
Liebe Eltern, ich wünsche Euch frohe Ostern! Leider kann ich Euch nicht besuchen, da ich einen Geheimauftrag für die Regierung ausführe. Halbtags arbeite ich als Taxifahrer. Ich fahr überall hin, nach Ehrenfeld, ins Schanzenviertel, zum Prenzlauer Berg, nach Heinsberg. Macht mir nichts aus. Manche Kollegen denken da anders. Die fahren nicht mal Typen ohne Mundschutz.
Nachts kommen sie aus ihren Bunkern, die Schatten, säumen raschelnd die Straßen, die Verhüllten, schnäuzen verhohlen in Armbeugen, treffen sich anfangs zu dritt oder zu viert als Penner, Junkie, Stricher, Klapskopf. Träger der viralen  Zivilisation. Im Licht des Trottoirs siechen die Ausgeburten dahin, die Resilienz, das generische Maskulinum, die reziproke Veritabilität, der antiquierte Futurismus und die gänzlich gescheiterte Interoperabilität. 
12. April
Ich habe ein nettes Mädchen kennengelernt, sie heißt Betsy. Es war auf einer Wahlveranstaltung von Donald Trump. Leider hat es all meine Blumensträuße zurückgeschickt, das kalte Biest.

14. April
Dienstag. Aus zuverlässigen Quellen im Internet erfahre ich, der Virus sei Made in China. Ich liege in meinem selbstgenähten Kampfanzug auf dem Bett oder führe provokante Selbstgespräche vor dem Spiegel.


17. April
Die Typen vor den Supermärkten lassen Mundschutzlose nicht mehr durch. Im REWE gab es ein Handgemenge aus Streit wegen Mindestabstand. Ich glaub, ich hab einen erschossen. Ich -  weiß nicht mehr genau. Ständig diese Kopfschmerzen. Kann nachts nicht schlafen. Sie singen stündlich aus geöffneten Fenstern, begleitet von Punkern und Trompetern.

19. April
Ein bildungshungriger Pöbel hatte sich vor der Stadtbibliothek versammelt und den Laden gestürmt. Während der Mob die DVD-Abteilung plünderte, gelang es mir, mit einer Taschenbuchausgabe des bekannten Ufologen Erich van Donecker zu entkommen. Nach Doneckers Aufzeichnungen wurden bereits 1971 außerirdische Viren in Südamerika stichprobenartig nachgewiesen. Selbst ein paar meiner Taxikollegen haben bereits UFOS auf ihrem Display und ihre Taxikabinen der Situation inzwischen angepasst. Sie tragen Ganzkörperanzüge aus Plastik und kutschieren die Leute in einer Desinfektionsanlage, notfalls bis Ischgl. Schon der Name klingt außerirdisch.
20. April
Hitlers Geburtsgag. Dabei hat es ihn nie gegeben. Zumindest war ihm keiner gewachsen, laut Cousine. Aber es gibt zu viele Fake-News. Das hat Trump mal im TV gesagt. Ich reinigte gerade meine 44er Magnum und spitzte die Munition an. Und dass er Amerika wieder groß machen wird, hat er noch gesagt, der Trump. Ich hoffe, dass er mal zufällig in mein Taxi steigt.
23. April
Liebe Eltern, zu Eurem Ehrentag wünsche ich Euch alles Gute! Leider kann ich Euch wegen Corina nicht besuchen. Ich habe sie in einem italienischen Supermarkt kennengelernt. Sie kennt Kris Kartoffelson. Dann waren wir noch in einem Chinarestaurant. Sie konnte bestellen, was sie wollte. Inzwischen bin ich mit ihr fast verlobt. Ich verdiene gut und lege das Geld zurück. Wenn Ihr ein Smartphone habt, schicke ich Euch ein Foto von mir mit Corina im Autokino. Euer Travis
24. April
Meine Taxikollegen können die Wiedereröffnung der Frisiersalons nicht länger abwarten. Sie holen ihren Friseur als Fahrgast ab, und sobald das Taxi losrumpelt, fängt der Friseur an zu schnippeln.
Die Tage reihen sich zu einer endlosen Kette ins Nichts. Fußballfelder verwaisen, Kegelbahnen veröden, Versicherungsvertreter schnorren in der Fußgängerzone.
Greta, Thunfischdose, raues Klopapier und Social Distancing. Mein Taxi-Driver-Leben steuerte immer schon einzig und allein diesem Punkt zu. Weltuntergang am Freitag! Ich fahr an den Ort, wo der Meteorit einschlug, den van Donecker erwähnt hat. Landkarten, Schaufel, alles dabei. Werde mich dort zum UFO durchgraben. Dies ist meine einzige Chance, der grausigen Pandemie zu entkommen. Und bei den Aliens das Gegenmittel einzufordern. Betsy. Ich traf sie auf einer Wahlveranstaltung für Donald Trump. Ich hoffe, dass er eines Tages…
Diese Wiese muss es sein. Vereinzelte Wölkchen irren über den Sternenhimmel. Hab mein Gepäck ringsum verstreut. Licht und Schatten. Kaum Insekten. Irgendwo ein Motor. Radionachrichten aus der fünften Dimension. Die Computervirenschwarmintelligenz Corvid-20 bietet den nuklearen Defensivmächten einen hoch interessanten Deal an, der terroristische Gewaltakte, psychisch gestörte Einzeltätermassaker und Atomschläge in Zukunft überflüssig macht.
Blick auf die Uhr. Mitternacht! Jemand nähert sich mit einer Taschenlampe. Ein Kritiker? Lege das Tagebuch vorläufig zur Seite.


Anmerkung von PeterSorry:

Gewidmet und gewappnet den Verschwörungstheorien

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