Freibier für alle

Parabel zum Thema Freiheit/ Unfreiheit

von  Quoth

Auf dem grünen Hügel dampften drei prächtige Rösser. Wie hatte ich sie verdient? Klar war, dass sie mir als Geschenk zugedacht waren von den beiden Freunden meiner Tochter, die in England lebten. Sie lachten und hüllten sich in Schweigen, in ein lachendes Schweigen, als ob sie darauf warteten, dass ich selbst drauf komme. Aber der Reiter unserer Familie war mein Bruder, und der wohnte weit weg im Süden, gefeiert werden sollte ich mit diesen klug blickenden Braunen, deren Augen mich förmlich anflehten, ihnen eine Aufgabe zu erteilen. Waren es nicht sogar Kaltblüter? Sie waren prall und drall, die Schweife hingen fast bis zum Boden, und über den Hufen hatten sie üppige Kötenbehänge, ein Wort, das ich von meinem Bruder zuerst gehört habe. Wären sie nicht die richtigen, um festlich angeschirrt einen Brauereiwagen zu ziehen? Ich muss in die Scheune gucken, ob da nicht noch einer steht. Endlich heraus aus diesem verfehlten Leben und als Peitsche schwingender Kutscher mit diesen Prachttieren durch die Stadt paradieren, dicke Fässer mit Pilsener hinten aufgeladen, und dann würde ich halten auf dem Markt, und es gäbe Freibier für alle!


Anmerkung von Quoth:

Angeregt durch  https://www.keinverlag.de/443176.text#komm_814028

Kommentare zu diesem Text

Nimmer (45)
(14.12.20)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Quoth meinte dazu am 14.12.20:
Hallo Nimmer, Du hast in "Endjahresvorsatz" geschrieben:
"Hiermit verlautbare ich, dass ich bis Jahresende nur noch literarische Nabelschauen und sonstige Befindlichkeitstexte kommentieren werde. Kann Prosa oder Lyrik, Fiktion oder Selbstreflexion sein ... Hauptsache echt." Du hast diesen Text kommentiert, also scheint er Deine Bedingungen zu erfüllen. Freue mich vor allem, dass Du ihn für "echt" hältst! Danke, Quoth

 Willibald (17.12.20)
Grüße Dich , Quoth,

ich hakle 🦉 beim Lesen dieser Stelle:

Freunde, die in England lebten. Sie lachten und hüllten sich in Schweigen, in ein lachendes Schweigen, als ...

Die Freunde sind in der erzählten Welt lokal und temporär für den Erzähler-Akteur präsent? Oszillierende Orientierung und Deixis? Der Leser stutzt und ....

greetse
ww

Kommentar geändert am 17.12.2020 um 09:48 Uhr

 Quoth antwortete darauf am 17.12.20:
Hallo Willibald, nein, sie lachen schweigend aus England herüber oder befinden sich vielleicht auch auf einem kurzen Besuch, um ihr Geschenk zu überbringen ... Bin ich als Autor verpflichtet, das zu klären? Das "Oszillierende" gehört irgendwie dazu! Gruß Quoth

 Willibald schrieb daraufhin am 17.12.20:
Natürlich nicht verpflichtet, aber die Faszination der Erzähltechnik ermutigt manche Leser zum Fragem.

Das Vielleicht ist schon mal schön informativ.
greetse
ww

 Lluviagata (05.01.21)
Hallo Quoth,

erst heute habe ich die Verlinkung entdeckt, Asche auf mein Haupt. Danke dafür! Ich liebe Pferde, hab jedoch Angst vor den Dimensionen, in denen sie vor mir stehen, mich anschauen. Hier noch ein Pferdegedicht, an das ich beim Lesen deines Textes denken musste. Wenn du magst:  Ein Anfang. ;)

Ich fand und finde deine Art zu schreiben, deine kluge Wortwahl, deine Themen sehr interessant. Es kommt eher selten vor, dass mich jemands Schreibe so fesselt, dass ich bis zum Ende lese und das Gelesene auf mich einwirken lasse. Zu schnell könnte ich gelangweilt sein, ja, das ist so. Diese Geschichte gehört dazu. Auch wenn ich kein Bier trinke.
Danke dafür!

Für das neue Jahr wünsche ich dir das Beste, vor allem Gesundheit!

Liebe Grüße
Llu ♥

edit: link

Kommentar geändert am 05.01.2021 um 11:42 Uhr
Zur Zeit online: