Der Himmel so rot

Rezension zum Thema Verarbeitung/ Verdrängung

von  Quoth

Marion Feldhausen: Der Himmel so rot
Im ständig witzelnden, ironisch bis zynisch sich gebenden Alltag eines Duisburger Kriminalkommissariats taucht wie ein schrecklicher Hai deutsche Nazi-Vergangenheit auf. Es fängt ganz harmlos an: Mit dem zufälligen Frauenleichenfund eines Sondengängers auf dem Duisburger Kaiserberg. Dann weiten sich die Kreise in Rockerchapter und den „deep state“ hinein: Altnazis und ihre Gehilfen, die sich gegenseitig decken, bis schließlich herauskommt: Hier geht es um die in Italien verurteilten, in Deutschland unbestraften Verantwortlichen für das Massaker in Sant‘Anna (di Stazzema) am 12. August 1944. Die Hauptkommissarin Sofia ist Halbitalienerin und kommuniziert deshalb problemlos mit dem italienischen Ermittler, sie und ihr Kollege Paul Scholten sind einschließlich vieler menschlicher Schwächen lebensnah und sympathisch geschildert, einzig Sofias Lebensgefährte, der Staatsanwalt Hecht, bleibt blass und im Hintergrund. Die Autorin hat den Balanceakt zwischen historischer Wirklichkeit und Fiktion gemeistert u.a. dadurch, dass sie den am Massaker Beteiligten andere Namen zulegte. Ein ungewöhnlicher, spannender und düsterer Krimi wie seine Vorgänger „Himmelskinder“ und „Friedensengel“.

Das Buch wurde gerade für den Literaturpreis Ruhr vorgeschlagen. Ich wünsche ihm Erfolg!

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Kommentare zu diesem Text


 Lluviagata (27.04.21)
Das Thema erinnert mich ein wenig an Ferdinand von Schirach.

Gute Rezension.

Liebe Grüße
Llu ♥
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