Es gibt keine Lebepflicht

Betrachtung zum Thema Freiheit/ Unfreiheit

von  Terminator

Dein Leben gehört nicht Mama. Du konntest gar nicht um deiner selbst willen auf die Welt gebracht worden sein*, da du vor deiner Geburt gar nicht existiert hast. Deine Eltern haben dich aus ihrem eigenen selbstsüchtigen Interesse gezeugt.


Dein Leben gehört dir! Es gehört dir allein, niemandem sonst. Die Freiheit, die damit einhergeht, ist erschreckend. Denn es schuldet dir auch keiner, dass dein Leben gelingt.


Der faule Kompromiss, den die meisten eingehen, sieht so aus: sie tun so, als hätten sie gegenüber der Welt, der Gesellschaft, der Familie, eine Lebepflicht, und erwarten im Gegenzug, dass sich andere Menschen um sie kümmern. Das ist aber kein gültiger Vertrag, vielmehr eine illusorische Abmachung mit sich selbst: Keiner schuldet dir etwas dafür, dass du lebst. Dein Verzicht auf Suizid verpflichtet andere zu nichts.


Es gehört ein großer Mut zur Freiheit, sich das bedingungslose Recht auf Suizid zu nehmen. Es ist feige, andere mit der Möglichkeit des Suizids zu erpressen. Dass sich in Wahrheit jeder jederzeit umbringen darf, ist Tatsache. Wer den Suizid anspricht, um von anderen davon abgebracht zu werden, will nicht frei sein: er sucht Bindung und Gebundenheit, Geiselnahme und Haft.


Ein freier Mensch weiß, dass er jeden Tag durch eigene freie Entscheidung sterben kann. Er braucht nicht einmal einen Grund dafür, diese Entscheidung ist souverän und muss vor anderen nicht begründet werden. Die Freiheit, jederzeit diese einsame Entscheidung treffen zu können, können und wollen nur wenige aushalten.


Aber bedenke: Ich will deine Freiheit nicht, ich habe meine! Du kannst mir deine Freiheit nicht abgeben, und mich dadurch binden! Meine Freiheit geht nicht dadurch verloren, dass du deine aufgibst. Du lebst für dich, nicht für mich. Dass du zu feige bist, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen, verpflichtet mich zu gar nichts.



Anmerkung von Terminator:

*Es geht hier um Kinderzeugung durch Menschen, nicht um Schöpfung durch Götter oder das Karma.

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Kommentare zu diesem Text


 bratmiez (22.05.22, 01:06)
Ja!

 Thal (22.05.22, 01:40)
Wer Bindung und Gebundenheit sucht, soll es doch tun,
Weshalb das mit Suizid, Geiselnahme und Haft in Verbindung bringen?!
Dass ein Mensch, der eben stark bindungsbedürfrig ist, auch mal Selbstmordgedanken entwickelt, weil er sich schickslhafterweise in einen bindungsunfähigen Narzissten verkuckt hat, is doch völlig verständlich.
Ich würde außerdem nicht jedem, der sich nach Bindung sehnt unterstellen, er wäre zu feige, sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen- ihm bleibt doch in so einer Situation eh nichts anderes übrig.

 Terminator meinte dazu am 22.05.22 um 02:00:
Es geht hier nicht um Suizid, sondern um die Freiheit, die jeder von uns hat. Die meisten leugnen diese Freiheit und wollen lieber anhängig sein, weil mit Abhängigkeit auch Geborgenheit einhergeht.

 Thal antwortete darauf am 22.05.22 um 02:09:
Ja und?
Ist doch meine Freiheit anhängig, abhängig, gebunden und geborgen sein zu wollen, oder nicht?!
Das ist doch an sich nichts Schlechtes mit dem dazu passenden Menschen.
Wird doch niemand zu gezwungen!

 Thal schrieb daraufhin am 22.05.22 um 02:14:
Wer bindungsfähig ist, kann sich binden, wer bindungsunfähig ist, kann sich das nicht aussuchen.

 Terminator äußerte darauf am 22.05.22 um 02:27:
Wer zu feige ist, seine absolute Freiheit anzunehmen, hat keine Wahl: er muss sich binden.

 Thal ergänzte dazu am 22.05.22 um 02:28:
Aber sicher doch Terminatorchen.. 🤣

 Thal meinte dazu am 22.05.22 um 02:37:
Man, Bindungsunfähigkeit ist zum Kotzen traurig für diese Person- das hat dann auch absolut nichts mit Freiheit zu tun, ungebunden zu sein, es ist die einzige Möglichkeit.
Einer, der aber bindungsfähig ist, hat die Wahl; entweder alleine oder halt nicht. Bestünde ein Zwang zur Bindung, könnte so jemand ja nicht lange allein sein. Das können sie aber eben doch.

 Terminator meinte dazu am 22.05.22 um 02:38:
Du kannst dir 10 Sonnenbrillen auf einmal aufsetzen, doch wirst nie so cool sein, wie der T 800, als er sich am Ende von Terminator 2 terminieren lässt.

 Thal meinte dazu am 22.05.22 um 02:42:
Sicher- es gibt keine Lebepflicht, aber jetzt gibt es auf einmal eine Bindungspflicht.. da bind mir mal einer den Bären auf.......

 Thal meinte dazu am 22.05.22 um 02:43:
I‘ll be back 👍🏻😆

 Terminator meinte dazu am 22.05.22 um 02:45:
Bindungsunfähigkeit ist halt ein anderes Fass, das nur vom Thema ablenkt. Natürlich ist es traurig, bindungsunfähig zu sein. Aber die Freiheit, von der ich rede, ist keine Verklärung der Bindungsunfähigkeit, sondern existentielle Tatsache.

Einer, der bindungsfähig ist, nimmt keine Geiseln, sondern geht freiwillige Beziehungen ein, die auf Gegenseitigkeit beruhen. Für mich eine Selbstverständlichkeit, die aber nichts mit dem Thema Freiheit zu tun hat.

 Thal meinte dazu am 22.05.22 um 03:55:
Tjaja, alles Tatsachen, genau so, wie es Tatsache ist, dass wenn sich dann mal einer gebunden hat, diese Freiheit von der du sprichst, völlig uninteressant wird.
Und sollte dann das Unglück über einen kommen, fallen gelassen zu werden oder durch Verlust, kann sie auch nicht einfach mal eben so wieder zurück gewonnen werden.
Dass so jemand eher den Ausweg im Sterben sieht hat kaum was mit Geiselnahme oder Haft zu tun, eher mit Ohnmacht.
Und speziell bei diesem „Freiheits“Thema auf narzisstische Bindungsfähigkeit zu kommen, ist so abwegig nicht. Kuck dich doch mal um.. Singlegesellschaft..
Klar, könnte so jemand behaupten, jetzt einfach mal so eine Beziehung eingehen zu können, weil es ja auf Gegenseitigkeit beruht usw usf- selbstverständlich doch!
Aber dann schau dir doch mal an, wie das dann läuft- nicht lange eben, jedenfalls nicht im Guten, weil sich der wirklich ernsthaften Bindung früher oder später entzogen wird.

 Terminator meinte dazu am 22.05.22 um 04:08:
Singlegesellschaft bedeutet ja Rumvögelgesellschaft der kurzen unverbindlichen Bindungen: alle haben Schnellsexhosen an und versuchen, sich nach dem ersten Spaßverlust einer Bindung zu entziehen und sofort eine neue einzugehen.

Singlegesellschaft bedeutet also nicht Bindungsvermeidung, sondern Bindungssucht. Die Bindungen werden durch ihre hohe Frequenz immer loser und emotional seichter.

 Thal meinte dazu am 22.05.22 um 11:52:
„kurze unverbindliche Bindungen“ ?!
Na jetzt wird’s absurd.
Singlegesellschaft bedeutet also nicht Bindungsvermeidung, sondern Bindungssucht.“
Diese Zurechtbiegerei übergeht den eigentlichen Kern einer Bindung vollkommen.
Oberflächliche Bekanntschaften haben mit Bindung nichts zu tun und auch die Emotionen sind dabei nicht im Seichten. Es wird trotz kurzer Bekanntschaft immer mindestens einer zurück bleiben, der verletzt ist.

 Terminator meinte dazu am 22.05.22 um 22:34:
Ja, diese Bindungssucht ist verletztend, oft auch für beide Beteiligten: für den bindungssüchtigen Bindungsunfähigen und halt den anderen, der auf ihn eingeht.

Eine Bindung zu wollen, ohne Rücksicht und Verantwortung, ist gerade das, was jede Bindung schnell wieder zerstört. Die folge sind psychisch kaputte Menschen, die so viele beschissene Beziehungen hinter sich haben, dass sie fürderhin lieber allein bleiben.

 Regina (22.05.22, 02:12)
Das ist der Nihilismus, den eine ganz auf die Materie gerichtete Naturwissenschaft zusammen mit dem antireligiösen Marxismus hervorgebracht hat. Die Menschheit weiht sich dem Untergang, weil sie hinter dem diesseitigen Leben keinen Geist wähnt.

 Terminator meinte dazu am 22.05.22 um 02:36:
Das ist Existentialismus/Individualismus in seiner letzten Konsequenz.

Auf einer höheren Stufe (über nihilistischen Diesseits-Immanentismus hinaus) gibt es auch keine Lebepflicht, es gibt aber ein Recht auf Leben, und zwar nicht im Sinne von physisches Am-Leben-Sein und körperliche Unversehrtheit (das sind imaginäre Weiber- und Eunuchenrechte, figurativ gesprochen), sondern im Sinne einer Fülle des Lebens, die größer ist als das individuelle Leben: Du bist Ruach, der Atem Gottes, du lebst durch Gott und in Gott und bist als geistiges Leben eins mit Gott. Auch hier gilt: du bist absolut frei, doch nicht im Sinne einer Freiheit-von, sondern im Sinne einer Freiheit-zu.

 Taina meinte dazu am 22.05.22 um 05:25:
Die ursprüngliche Antwort wurde am 23.05.2022 um 10:10 Uhr wieder zurückgezogen.

 Taina meinte dazu am 22.05.22 um 05:50:
Die ursprüngliche Antwort wurde am 23.05.2022 um 10:10 Uhr wieder zurückgezogen.

 Ralf_Renkking (22.05.22, 12:04)
Was mir in Deinem Text zu wenig herausgearbeitet erscheint, ist der Zusammenhang zwischen der egoistischen Zeugungssucht der Eltern und der daraus in den meisten Fällen abgeleiteten Lebepflicht des Kindes. Um sich auf sein Leben als unabhängige Einheit besinnen zu können, fehlt vielen Menschen allerdings auch die Initialzündung, da sie zumeist auf einen Elternteil geprägt sind.

Ciao, Frank

Kommentar geändert am 22.05.2022 um 12:05 Uhr

 Terminator meinte dazu am 22.05.22 um 22:19:
In der Tat nur intuitiv angedeutet, nicht herausgearbeitet. Eine gute Arbeit hat aber der Autor von "Ever Deeper Honesty" geleistet, was die Lebepflicht angeht (einfach googeln).

 Hell (22.05.22, 13:24)
"Dein Leben gehört nicht Mama."
Richtig.

"Du konntest gar nicht um deiner selbst willen auf die Welt gebracht worden sein*, da du vor deiner Geburt gar nicht existiert hast."

Da bin ich mir nicht sicher. Existiert hat man schon als kleiner Bauplan für einen Menschen, mit Teilen von Menschen die breits gelebt haben, die bereits gestorben sind. Auch wenn ich von meinen vorherigen Leben nichts weiß, könnte ich nicht garantieren, dass ich nicht schon mal da war.

"Deine Eltern haben dich aus ihrem eigenen selbstsüchtigen Interesse gezeugt."
Wenn meine Eltern mein früheres Leben sind, hab ich mich selbst dazu entschieden wieder/weiter zu Leben.

Auch das ist Freiheit. 




 Terminator meinte dazu am 22.05.22 um 22:20:
Ich habe den Text bewusst von metaphysischen Spekulationen freigehalten, die jedoch wahrer sind als unsere allgemeinverständlichen Rationalisierungen.

 Taina (23.05.22, 10:24)
Dein Leben gehört nicht Mama.
Stimmt. Eine liebende Mama kommt auch gar nicht auf diese Idee, die Mama ist Beschützerin, nicht Besitzerin.



Du konntest gar nicht um deiner selbst willen auf die Welt gebracht worden sein*, da du vor deiner Geburt gar nicht existiert hast. Deine Eltern haben dich aus ihrem eigenen selbstsüchtigen Interesse gezeugt.



Text bewusst von metaphysischen Spekulationen freigehalten, die jedoch wahrer sind als unsere allgemeinverständlichen Rationalisierungen.
Eltern sind nicht automatisch selbstsüchtig. Sie können die Kinder einladen, auf die Erde zu kommen. Solche Kinder sind frei, sie bekommen eine Chance zu existieren, sie dürfen kommen, sie müssen nicht. Es gibt dabei in den Eltern ein "methaphysisches" Gespür dafür, dass etwas vom künftigen Kind irgendwo auf unbekannte Weise schon existiert.

 Hell meinte dazu am 23.05.22 um 11:12:
Gibt es wirklich ein metaphysisches Gespür der Eltern?
 Ist es nicht viel mehr ein reales biologisches, hormonell gesteuertes Umwälzen, des weiblichen Denkens.
Die Mutter muss sich darauf vorbereiten mit einem Wesen zu komunizieren das sich nur durch schreien verständlich machen kann.
Das sind heikle Prozesse bei denen sehr viel schief gehen kann, die Verantwortung hat die Mutter. Es erscheint mir möglich diese Verantwortung mit Besitz zu verwechseln aber dabei könnte ich nicht allgemein ausschließen das diese Mütter ihre Kinder nicht lieben.

 Taina meinte dazu am 23.05.22 um 11:30:
dabei könnte ich nicht allgemein ausschließen
schon gut, so außschließend war es auch nicht gemeint. Es gibt real so viele Nuancen und Versionen, da kann man nicht einfach etwas ausschließen :)



Das sind heikle Prozesse bei denen sehr viel schief gehen kann
Dessen ist man sich in dem Moment nicht bewusst, es gibt ein Grundgefühl der Sicherheit, dass nichts schief gehen wird. Ist das kleine Kind nicht in Sichtweite, gibt es ein Gefühl der Beunruhigung, ob nichts passieren könnte, so dass man nach ihm schaut.




Die Mutter muss sich darauf vorbereiten mit einem Wesen zu komunizieren das sich nur durch schreien verständlich machen kann.
Nein, so eine Vorbereitung ist nicht nötig, das funktioniert normalerweise in Echtzeit. Missverständnisse bauen sich schnell ab. Das hat mit der vorherigen "metaphysik" nichts zu tun, es ist eine ganz andere Ebene.
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