Lampenstahl - Ein deutsches Drama in drei Akten (Akt I, Szene III)

Theaterstück

von  autoralexanderschwarz

Erster Akt, dritte Szene (Verhörzimmer III, Beamter II, Knabe)


Beamter II Du also bist der kleine Lampenstahl.

Kannst du mich denn verstehen?

Bei kleinen Kinder weiß man ja oft nicht genau,

wie weit der Kopf schon ist.


Knabe Ich kann versteh'n, was du mir sagst,

doch will zu meiner Mutter.

Mit Fremden red' ich lieber nicht.


Beamter II Das lob' ich mir, das klingt doch gut,

so spricht ein deutscher Junge.

Doch eins hast du dabei noch nicht bedacht:

Weißt du denn schon, was ein Beamter ist?


Knabe Beamte sind Bedienstete vom Staat,

oft dick und ohne Ehre.


Beamter II Das letzte will ich einmal überhören.

Doch geb' ich zu, ich bin erstaunt,

mit dir kann man ja sprechen.

Weißt du denn, was es wirklich heißt,

Bediensteter zu sein?


Knabe Das Wort ist zugegeben komisch.


Beamter II Es kommt von „Dienst“ und das bedeutet,

dass alles, was ich Tag für Tag hier tu,

für alle deutschen Bürger ist.

Darum sind auch Beamte niemals Fremde.


Knabe Und dennoch kamt ihr mitten in der Nacht

und habt die Tür kaputtgemacht.

Ich hörte Vater schreien.


Beamter II Das war der Schreck,

jetzt geht es ihm

ja eigentlich ganz gut.

Dein Vater war ja nicht einmal das Ziel.

Wir suchten einen Walter.


Knabe Den Onkel Walter werdet ihr

nicht finden.


Beamter II Der Onkel Walter, ja den meine ich,

den kennst du wohl schon lang?


Knabe Ich soll nicht von ihm sprechen.


Beamter II Und wer hat das gesagt?


Knabe Der Walter selbst und auch der Vater und die Mutter.


Beamter II (macht sich eine Notiz) Das läuft ja gut,

wir kommen hier voran.

Was hat der Onkel Walter denn

ansonsten noch gesagt?


Knabe Er sagte, dass man selbst in größter Not,

die Hoffnung nicht verlieren darf.

Das klang so schön,

das hab' ich mir gemerkt.


Beamter II Und wie hat er das alles wohl gemeint?


Knabe Er sagte, dass die Mauern in den Köpfen

schon Risse hätten.


Beamter II Dein Onkel Walter ist wohl ein Poet.


Knabe Ich will zu meiner Mutter.


Beamter II Wenn du zu deiner Mutter willst,

dann musst du mit mir sprechen.


Beamter I betritt den Raum Und kommst du hier voran,

hat er gesprochen?


Beamter II Er taut ja langsam erst ein wenig auf.

Er will zu seiner Mutter.


Beamter I Sie spricht die ganze Zeit von ihm

und macht sich große Sorgen.

Ihr Schmerz, der war so groß,

dass sie kaum richtig atmen konnte,

sie sagt, es schnüre ihr das Herz.


Knabe Ihr sprecht von meiner Mutter?


Beamter I Sie hat die ganze Zeit noch nichts gegessen

und wirkt so schwach, dass ich mir Sorgen mache.

Am Ende stirbt sie uns hier noch

vor Sorge und vor Kummer.


Knabe Das glaub' ich nicht,

ich kenne meine Mutter.


Beamter I (zum Knaben) Ich rat' dir, unterbrech' mich nicht,

du bist wohl schlecht erzogen.

(zum Beamten II) Es liegt jetzt alles nur an dir,

an dir und diesem Jungen.

Denn wenn er dir die Wahrheit sagen würde,

dann könnten wir sie holen.


Beamter II Ich werde es dann später noch einmal

probieren. Doch jetzt, da fehlt mir schlicht die Zeit.

Es stapeln sich die Akten.

Wenn morgen der Minister wirklich kommt,

dann muss doch alles seine Ordnung haben.

Du weißt, er inspiziert ja gern'

die Staubschicht auf den Spinden.


Beamter I Dann müssen wir gut wischen.

Beamter I verlässt den Raum


Beamter II Ich gehe jetzt, dann hast du Zeit,

noch einmal nachzudenken,

und wär' ich du, dann dächt' ich dabei auch an deine Mutter.

Es ist ja wirklich mehrmals vorgekommen,

dass Leute hier vor Kummer schließlich starben.


Knabe Und wenn ich rede, lässt du mich zu ihr.

Kannst du mir das versprechen?


Beamter II Natürlich kannst du dann zu ihr und sie

in deine Arme schließen.


Knabe Versprichst du das?


Beamter II Bei der Beamtenehre.



Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren
Zur Zeit online: