Lampenstahl - Ein deutsches Drama in drei Akten (Akt II, Szene I)
Theaterstück
von autoralexanderschwarz
Zweiter Akt, erste Szene (konspirative Wohnung, drei Sessel, ein Couchtisch, auf dem eine Pistole liegt; Walter sitzt Luise gegenüber)
Luise (aufgeregt) Er hätte schon vor Stunden hier sein müssen.
Bestimmt ist unterwegs etwas passiert.
Wir wissen nicht, ob dieser Ort
für uns noch immer sicher ist.
Walter Wir haben dafür doch noch immer uns're Quellen,
sie melden sich, wenn wirklich was passiert,
zum Glück sind ja gerade die Faschisten
von jeher einfach zu bestechen.
Mehr sorg' ich mich um Lampenstahl,
er ist ja die Befragung nicht gewohnt.
Luise Am Anfang foltern sie ihn ja noch nicht.
Vielleicht kassiert er Schläge.
Sie haben wieder einen neuen Prügler eingestellt.
Walter Ich hoffe nur, er hält sich an den Plan.
So vieles hängt jetzt nur noch davon ab.
Es klopft an der Tür.
Walter (greift nach der Pistole) Da hörst du es, das Zeichen,
wenn das nicht der verlor'ne Bote ist.
(zur Tür) Herein!
Bote (tritt ein)Verzeiht, dass ich erst jetzt erscheine.
Ich musste einen langen Umweg fahren.
Gar manche Straße haben sie gesperrt.
Es scheint mir fast, als ob sie ahnen würden,
dass bald schon irgendwas passiert.
Luise Was immer sie auch ahnen mögen,
sie werden sich noch wundern.
Walter Doch setz' dich, lang' schon warte ich,
wir haben wenig Zeit.
Bote (setzt sich) Sie haben Lampenstahl bereits verhört
und scheinen nichts zu ahnen.
Er spielt das Spiel, das sie ihm bieten,
einfach mit.
Zwei Zimmer sitzt er nur von jenem Raum entfernt,
wo morgen der Minister sprechen wird.
Luise Und Grete?
Bote (lacht) Spielt weiter die Naive,
doch sie hat heimlich nachgeschaut,
die Waffe ist bereits platziert.
Walter Dann ist es gut, der Plan geht auf,
denn auch die And'ren gaben mir bereits Signal,
dass alles vorbereitet ist.
Der Erste Diener und sein Stellvertreter,
sie müssen zeitgleich stürzen.
Nur dann wird uns das Militär
bei all dem unterstützen.
Luise Und was ist mit dem Kind gescheh'n?
Mir ist nicht wohl dabei, dass es in ihren Händen ist.
Bote Von ihrem Kind, da hab' ich nichts gehört.
Nur dass es dort ist, weiß ich von dem Spitzel.
Walter Es ist noch klein, es weiß ja nichts,
es wird sich nicht erinnern,
doch wenn gelingt, was wir gemeinsam planen,
dann wächst es auf in einem neuen, freien Land
und ohne die Faschisten.
Luise Ich wünsche mir so sehr, dass das gelingt.
Walter Wir müssen daran glauben.
Bote Dann mache ich mich wieder auf den Weg.
Ich muss noch And're informieren.
erhebt sich und geht zur Tür, zögert, bleibt dann noch einmal stehen
(zu Walter) Du kennst ihn so viel länger schon als ich,
was meinst du, wird es ihm gelingen?
Die ganze Last, die ruht ja nun
allein auf seinen Schultern.
Walter Sei unbesorgt, ich traue ihm,
wie keinem meiner Brüder
und habe dabei nicht den kleinsten Zweifel,
dass er im richtigen Moment,
den Mut zum Handeln finden wird.
Bote Dann ist es gut. Ich traue dir
und werde jetzt verschwinden.
(verlässt den Raum)