Als ich den Mond trug

Gedicht

von  AnneSeltmann



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ich legte meine hände
unter die nacht
als wäre sie ein tier,
scheu
und von fernem wasser

 

der mond hing dort
nicht wie ein zeichen
sondern wie ein atem,
unentschlossen
zwischen gehen und bleiben

 

ich sagte nichts
damit er nicht kleiner wird
ich zählte nur die stellen
an denen das licht
nicht mehr wusste, wohin

 

später
war er schwerer als gedacht
schwer wie erinnerungen,
die man zu lange
im stillen dreht

 

ich trug ihn
ein stück durch die straßen,
über die dächer,
bis er anfing
mich zu tragen

 

und irgendwo
zwischen schatten und schlaf
ließ ich ihn los —

 

und die nacht
hüllte mich ein

und blieb

 



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Kommentare zu diesem Text


 franky (05.01.26, 09:03)
Hi liebe Anne, 

„der mond hing dort
nicht wie ein zeichen
sondern wie ein atem,
unentschlossen
zwischen gehen und bleiben“
 
Besinnliche Worte, sprechen mich an.
Einfach wunderschönes Gedicht. 
 
Grüße von Franky

 AnneSeltmann meinte dazu am 06.01.26 um 08:31:
Vielen Dank Franky!

 Teo (05.01.26, 09:17)
Moin Anne,
Dein Gedicht hat ein wenig Wärme in den arschkalten Herner Morgen gebracht.
Ich wünsche Dir ein gesundes und frohes neues Jahr.
Teo

 AnneSeltmann antwortete darauf am 06.01.26 um 08:32:
Hallo Theo!

Dir auch ein gutes neus Jahr und danke für deine Worte!

Liebe Grüße

Anne
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