Der Megalomane

Betrachtung zum Thema Besessenheit

von  AnneSeltmann


Manchmal glaubt man wirklich, man schaue einem politischen Feuerwerk zu, das von jemandem gezündet wurde, der nicht einmal weiß, wo die Funken hinfliegen. Man wartet fast darauf, dass jemand aus dem Hintergrund ruft: „Alles nur ein Experiment, entspannen Sie sich!“ Aber nein. Das hier ist echt. Und genau das macht es so gefährlich.

Ich sage das als Deutsche,  die es satt hat, jedes Mal mitansehen zu müssen, wie die Welt kollektiv zusammenzuckt, sobald dieser lautstarke Mann mit der rotblonden Perücke wieder eine seiner Ideen in die Welt schleudert.

Von außen wirkt es, als hätten die USA jemanden ins Amt gehoben, der sich aufführt, als gehöre ihm der Globus. Und der Rest der Welt soll einfach hoffen, dass er nicht komplett die Kontrolle verliert und uns alle mit in den Strudel reißt.

Da sind die absurden Fantasien über Grönland. Da sind die Drohgebärden gegenüber Kuba. Da sind die Aussagen über mögliche Militäraktionen gegen Mexiko. Da sind Berichte über Entführungsüberlegungen und wirtschaftliche Erpressung. Und dann diese Sprüche über Kanada, als wäre es ein leerer Parkplatz, den man einfach absteckt, wenn man gerade schlechte Laune hat.

Für den Rest der Welt klingt das nicht nach Politik. Es klingt nach jemandem, der mit der Weltkarte spielt wie mit einem Brettspiel, das er gerade zu verlieren droht.

Das ist kein „Durchgreifen“. Das ist keine „Strategie“. Das wirkt wie ein alter Mann, der mit Macht jongliert, ohne Rücksicht darauf, was seine Worte und Launen auslösen könnten. Das ist keine Führung. Das ist keine Stärke. Das ist eine globale Belastungsprobe in Menschengestalt.

Und jetzt kommt der Teil, der vielen Amerikanern nicht gefallen wird: Es betrifft nicht nur die, die ihn gewählt haben. Es betrifft alle. Denn wenn der Präsident der Vereinigten Staaten beginnt, über Entführungen, Annexionen und militärische Drohungen zu sprechen, dann hat der Rest der Welt keine Stimme. Wir bekommen nur die Folgen ab.

„Ich war’s nicht“ mag bei einem Grillabend funktionieren, aber nicht in einer Welt, in der Atommächte zuschauen und ihre eigenen Grenzen neu definieren. Es ist euer politisches System. Eure Wahl. Eure Verantwortung.

Von außen sieht es aus, als hätte Amerika eine brennende Lunte gelegt und sei dann einfach weggegangen, während alle anderen um die Bombe herumstehen und überlegen, wer jetzt den Mut hat, sie zu entschärfen.

Und ja, man muss es ansprechen: Der Mann ist alt. Er wirkt erschöpft. Er wirkt nicht wie jemand, der langfristig denkt oder Verantwortung für die Zukunft übernimmt. Er wirkt wie jemand, der am Ende seines Lebens steht und dem es egal ist, was nach ihm kommt. Das ist die gefährlichste Art von Führungsperson: jemand, der nichts mehr zu verlieren hat und dessen Ego ständig Bestätigung braucht.

Warum soll der Rest der Welt dafür zahlen?

Warum sollen Menschen in Europa, Asien, Afrika, Australien, Südamerika – überall – Angst vor Konflikten, wirtschaftlichen Schocks oder globaler Instabilität haben, nur weil Amerika seine eigenen politischen Probleme nicht in den Griff bekommt?

Das hat nichts mehr mit Parteipolitik zu tun. Es geht um geistige Stabilität. Es geht darum, jemanden zu stoppen, bevor etwas passiert, das nicht mehr rückgängig zu machen ist. Denn wenn ein Krieg beginnt, wenn ein Land angegriffen wird, wenn Bündnisse zerbrechen – dann gibt es keinen Neustart.

Ja, es liegt an den Amerikanern. Ihr habt die Welt in diese Lage gebracht, und ihr müsst sie auch wieder herausführen. Nutzt eure demokratischen Werkzeuge. Begrenzt seine Macht. Tut, was euer System erlaubt – aber tut es schnell.

Denn der Rest der Welt möchte einfach nur leben, seine Kinder großziehen, seinen Alltag bewältigen – und nicht eines Morgens erfahren, dass ein globaler Konflikt ausgebrochen ist, weil ein unberechenbarer alter Mann sich ein letztes Mal groß fühlen wollte.

Das ist nicht mehr komisch. Nicht dramatisch. Nicht akzeptabel.

Bringt diesen Mann unter Kontrolle, bevor er die Welt mit sich reißt.



Hinweis: Der Verfasser wünscht generell keine Kommentare von Isensee.

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Zur Zeit online: