Man findet meist in jeder Gruppe
- privat, politisch, völlig schnuppe -
gewiss auch ein paar Pharisäer.
Drum Obacht: Kommt man ihnen näher,
erkennt man bald das wahre Wesen
und kann schnell zwischen Zeilen lesen.
Ein Mensch, der sich zutiefst empört,
den jede Autoreise stört,
fliegt gerne in der Welt herum.
Zu Umweltschäden schweigt er stumm.
Er hat kein Auto, fährt nur Uber.
Das ist die Welt von Michel Huber.
Ein andrer spricht sich für den Frieden aus,
und schickt Soldaten in die Welt hinaus.
Er will auch gar keine Gefahren sehn,
wenn Bellizisten an der Schraube drehn
und Rüstungsindustrie ankurbeln.
Da soll man schweigen und nicht schwurbeln!
Dann gibts Politiker, die raten,
das karge Geld nicht zu verbraten.
Doch gilt dies selbstverständlich nicht für sie,
Diätenkürzungen gab es noch nie.
Belohnt wird doch ihr Fleiß und sehr viel Mut,
wenn man nur Gutes für die Bürger tut.
Verbieten möchte man in Foren auch
(denn wirklich hinter jedem Busch und Strauch
sitzt doch ein ultrarechter Bösewicht)
am liebsten jedes Politik-Gedicht,
das hier von deutschen Fehlstrukturen spricht.
Die Häme über Trump betrifft das nicht.
Hoch angesehen sind auch Cliquen,
die fleißig an der Fabel stricken,
"Experten" hätten dies und das gesagt
und über drohende Gefahr geklagt.
Man sollte dem Geschwätz nicht glauben,
sie drehen nur – bezahlt – an Schrauben.
So trifft man wirklich allerorten,
von Eckernförde bis nach Pforten,
auf sturmerprobte Pharisäer.
Man trinke ihn, kommt Unheil näher,
als starkes, tröstend süßes Heißgetränk -
der Ruhe und dem Frieden eingedenk.