Wohin?

Kurzgeschichte zum Thema Liebe und Sehnsucht

von  Moppel


 

Wohin wollen Sie? Auf dem Weg in ihr neues Leben? fragt mich der Zollbeamte an der Grenze im Traum.

 Rechts geht es in die Niederlande. Wildes Meer, weiter Strand und leckerer Fla. Haben die da auch Bänke an der Promenade? frag ich zurück.

Links geht es zum Flughafen. Vielleicht Barbados? Immer schönes Wetter. Kann ich den Hund nicht mitnehmen, sag ich. Ich sperre den nicht in den Frachtraum!

Geradeaus geht’s direkt in die Eifel, Kinder, Kirche, Küche (ich zucke innerlich zusammen) und dann weiter  ach Italien, Madame. Pizza, Eis und Amore, Amore.

Ah ja, denke ich und lächle. Letztens empörte sich mein Irgendwann- vielleicht-Schwiegersohn über eine Bekannte seiner Ex: Die hatte zwölf Beziehungen zu Männern. Ist doch eine Schlampe. Oder? Ich hüstele, gehe in die Küche, dem Hund einen Kauknochen holen. Ja, oder? insistiert der junge Mann. Ich weiß nicht, sag ich, ist ein Mann, der zwölf Beziehungen mit Frauen hatte, dann auch ein Schlamp? Natürlich! wirft er sich in die Brust, ich hatte nur meine Ex und jetzt deine Tochter!

Ich erinnere mich gut daran, wie ich der als junger Frau damals riet: Wenn man wissen will, was einem Lieblingskuchen ist, dann muss man mal ein paar Kuchen probieren… Daran hat sie sich gehalten und ich sprach aus Erfahrung.

Amore, sagte der Zollbeamte im Traum, Italia? Geh doch mal in einen Seniorenchat, schlägt meine Tochter vor, vielleicht findest du ja noch einen netten Opa. Ich ziehe eine Augenbraue hoch und spüre die zärtlichen Hände meines verstorbenen Mannes. Sehe vor mir im Geiste seine männliche Erscheinung, seine Brusthaare, die kein Hemd zurückhalten konnte. Ich sehe sein spitzbübisches Lächeln, wenn ich eine ironische Bemerkung machte, den liebevollen Blick seiner braunen Augen und fühle sehnsüchtige Dankbarkeit für einen Menschen, der mir so nah und der einmalig war.

Wortlos schaue ich meine Tochter an. Nehme spontan meine Jacke, gehe in den Discounter gegenüber und kaufe mir italienische Pizza und holländischen Fla.



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Kommentare zu diesem Text


 niemand (20.01.26, 16:14)
@ Moppel
Also die Bemerkung Deiner Tochter empfinde ich als etwas geschmacklos.
Da liegt meiner Meinung nach doch eine Abwertung darin, Mag ja nicht jeder so empfinden, ich kann mir nicht helfen. Ich hätte ihr ähnliches, Stilloses "empfohlen": Geh doch mal in einen Jugend-Chat, vielleicht nimmt dich noch
ein Halbwüchsiger. LG Irene

 Moppel meinte dazu am 20.01.26 um 18:03:
nein, liebe Irene, das empfinde ich nicht als Abwertung. Sie weiß ja, das ich mit Frauen wenig anfangen kann. Ich schrieb ja mal eine Satire: Ich kann keine Frauengespräche führen. :D Ihre Themen sind einfach nicht meine... Also wird Kontakt wohl eher ein Mann sein. Mehr dachte sie sich sicherlich nicht dabei.
Irgendwie muss man ja unter Menschen...
Danke und lG von M.

 Citronella (20.01.26, 16:36)
Moin Moppel, 

es ist schwierig bis unmöglich, Trauernden oder Liebeskranken einen guten Rat zu geben. Jeder hat da andere Bedürfnisse. Mir hat im Falle von sehr großem Kummer jedenfalls immer eine Reise geholfen, muss ja nicht weit sein. Einfach für kurze Zeit ein komplett anderes Umfeld und völlig andere Menschen kennenzulernen, kann für den Anfang schon mal helfen. Also niemals mit dem Seniorenclub oder der Landfrauenvereinigung aus dem Nachbarort auf Reisen gehen, sondern etwas Verrücktes planen, bei dem man den Alltag komplett hinter sich lässt. Und der Mops würde auch mal eine Weile ohne dich überleben, wenn er in guter Obhut wäre. Sag ich mal so ...  8-)

LG Citronella


Wenn man wissen will, was einem Lieblingskuchen ist, dann muss man mal ein paar Kuchen probieren…
Klasse Aussage! Seh ich aus so.  ;)

 Moppel antwortete darauf am 20.01.26 um 18:06:
Ja, das stimmt, liebe Citro. 
Hab schon mal an ein Wellnesswochende in einem schönen Hotel gedacht. Wollte ich immer mal. Schöne Hot Stoneassage, Schwimmen. In der Tat ist die Obhut des Möppis ein Problem. Noch nie habe ich einen meiner Hunde im Urlaub weggegeben. Alle kamen immer mit.
Danke und lG von M.
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