Lebensschiff

Alltagsgedicht zum Thema Freiheit/ Unfreiheit

von  Moppel


 

Der Boden schlingert unter meinen Füßen,

als wäre ich auf einem Segelschiff.

Mein Lebensschiff zeigt  mir mit lieben Grüßen

direkt vorm Bug ein riesengroßes, schwarzes Riff.

 

Ach, wenn ich doch nur aufgetakelt wär,

würd’s mich vielleicht verschonen und nicht küssen.

Doch schwingt mein alter Mast mir segel-leer.

Es ist beim letzten großen Sturm zerrissen.

 

Ein Neues schien bislang mir nicht vonnöten,

ich wollte keine Abenteuer mehr,

die mir nichts andres als die andren böten.

So blieb die Takelage meines Schiffes leer.

 

Ich wollte nur ganz ruhig so weiterleben,

an deiner Schulter lehnen, nicht mehr eilen.

Mein Streben war nicht, neue Träume weben.

Ich hatte alles - wollt mit dir verweilen.

 

Nun glänzt dies Riff vor meinem Bug wie Speck.

Es glotzt mich an, als wär’s geformt aus List.

Ach Riff, es intressiert mich einen Dreck,

was hinter dir vielleicht im Meer noch alles ist.

 

Mir fehlt der Kompass. Es fehlst du, mein Wind.

Mein Schiff jedoch treibt weiter von allein,

als gäb es vor ihm keinen schwarzen Stein.

Als wär ich frei. -  Mein Lebensschiff, das spinnt.

So frei bin ich wie Segelschiffe sind…



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Kommentare zu diesem Text


 Didi.Costaire (27.01.26, 13:36)
Ja, das Leben ist wie ein Meer, schön und erbarmungslos zugleich. Man kann sich gut in deine Verse hineinversetzen.

Beste Grüße  
Dirk

 Moppel meinte dazu am 27.01.26 um 14:58:
schön und erbarmungsloszugleich, genau so ist es, Dirk. Mir ging es um die Freiheit. Viele fühlen sich frei, sind es aber gar nicht...

 Teo (27.01.26, 14:37)
Klasse gemacht, Moni.
Sprachlich ansprechend.
Schöne Metapher..., das Lebenschiff.
Ja, die Traurigkeit ist greifbar.
Lieben Gruß 
Teo

 Moppel antwortete darauf am 27.01.26 um 15:01:
es gibt Tage, da isses besser, Teo ;)
Mir ging es hier um die Freiheit. Ich bin ja jetzt total frei...hurra!
aber ich bin wie ein Segelboot. 
Vorher war ich freier. Heute muss ich Menschen dafür bezahlen, dass sie  mir helfen beim Putzen, beim Gassi.
Unfreier gehts nimmer :'(
Das war eigentlich der Grundgedanke zum Gedicht..
danke und lG von M.
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