Match-Ball

Satire zum Thema Absurdes

von  Moppel

Schon die Sprache zeigt es uns: Altes wird gnadenlos entsorgt, verliert an Bedeutung. Während meine Oma bei Mat(s)ch noch den Dreck meinte, den man unter den Gummistiefeln hatte und der auf keinen Fall in die Wohnung getragen werden durfte, lernte ich als Oma, dass es bei Match um Wettbewerb geht. Fußball-Match zum Beispiel. Dank meiner geringfügigen Englischkenntnisse, aber  einem guten Sprachgefühl bin ich in der Lage zu verstehen, dass sich Match doch viel heavier, cooler, taffer anhört als Turnier. Nun gewinnt Bayer Leverkusen seine Matches leider nicht mehr so easy. Aber jeder hat den Ball selbst in der Hand.

Ich schau auf meinen, dreh ihn auf den Fingerspitzen wie als junge Handballerin damals und frage mich: Was soll ich mit dir? Werfe ich dich ins Aus und versauere auf der Ehrentribüne. Oder spiel ich noch mit?

So finde ich mich eines Tages in einem Seniorenchat wieder. Ein Spiel, den düsteren Abend zu überbrücken, den noch düstereren Krimi zu vermeiden. Ein Spiel. Recherche für eine böse Satire…

Und sofort lerne ich als Oma dazu. Hier heißt Matchen, dass der PC einen Opa findet, der genau zu mir passt. Niemand würde je zu mir passen. Ich liebe meinen Mann. Auch, wenn er nicht mehr ist. Es ist nur ein Spiel. Spannend dennoch. Mal sehen.

Und so schreibe ich ein unmögliches Profil: „Ich suche einen gut erhaltenen Herren, der mich mit seinem gepflegten Mercedes durch die Welt fährt. Einen, der mich fein zum Essen einlädt, ins Kino, ins Theater. Einen, der dafür nichts bekommt als gelegentlich eine attraktive Frau an seiner Seite.“ Ein Spiel. Darauf antwortet doch kein Mensch!

Doch erstaunlicherweise findet Ki noch am selben Tag für mich zehn Matches. Als ich das Bild eines propperen 59- iger sehe, der breitbeinig vor seiner Harley steht, lache ich laut auf bei dem Gedanken, dass der ja dann wohl für Oma einen Beiwagen anschaffen müsste. Zum ersten Mal seit drei Monaten lache ich. War doch eine gute Idee mit dem Chat.

Ein Opa aus Hessen verpasst mir per Chat gleich einen Anranzer, weshalb ich ein älteres Foto einstelle und kein Aktuelles. Ich weiß nicht, wie man das vom Handy auf den PC bekommt. So was hat alles mein Mann gemacht. Aber was geht den Tuppes das an? Spontan setze ich einen Zusatz zu meinem sympathischen Profil: Nur rechtsrheinische Rheinländer, Ruhrpottler und Norddeutsche. Jetzt wird wohl keiner mehr kommen!

Weit gefehlt, denn die bienenfleißige KI ist unermüdlich. Abends haben sechs Männer mein Bild mit einem Herzchen geliked. Das ist der erste Schritt zum verheißungsvollen Chatgespräch.

Ein unattraktaktiver Oberhausener, der gleich ein Date mit mir will und vermutlich für solche Fälle bereits ein Hotelzimmer reserviert hat. Ein 80 ig-Jähriger, der sich sehnlichst wünscht, mit mir und seinem Rollator am Strand in Bremerhaven zu spazieren. Ob er einen Mercedes hat, hat er nicht gesagt. Ein esoterischer 60 -iger aus Münster, der auf einem Bild kopfüber in einem Seil hängt und vermutlich Zuwachs für seinen Tantra-Harem sucht. Wieder lache ich. Meine Güte, wat mer da all sieht!

Der Rest sind schmalbrüstige Opas, die sich nach einer Partnerin sehnen, die beim Bügeln ihrer Hemden aufblüht, sich ihre Probleme anhört und ihnen das vermutlich baldige Pflegebett perfekt bezieht.

Ein Kurt aus Essen fragt mich: Wir sitzen im Cafe. Was passiert dann? Ich grinse und schreibe: Wir bestellen lecker Torte und vermutlich essen wir die dann…Dies  Antwort gefällt ihm nicht und er blockiert mich.

Natürlich fehlen auch Komplimente von Nahim(37) aus Afghanistan und Fabouk(35) aus Tansania nicht: Du bist eine tolle Frau. Weiß ich, Jung! Männer von der Sorte, die alte Schachteln umgarnen, die später in RTL-Sendungen berichten: Mein Seelenverwandter! Ich versuche, ihn seit drei Jahren in Deutschland einzubürgern, wir wollen heiraten. Und die in der Zwischenzeit bereits seine gesamte Family im Ausland finanziell unterstützen. Ja, für soziales Engagement ist es halt nie zu spät.

Ach ja, erwähnenswert ist noch, dass ich, um all diese aussichtsreichen Nachrichten beantworten zu können, erst mal beim Veranstalter eine Premium-Mitgliedschaft buchen musste. 39 E für 6 Monate. Ach komm, hab ich gedacht, ist den Spaß wert. Auch nicht mehr als ein gutes Essen beim Herkentaler Hof, Erstaunlicherweise wurden die Matches aber, nachdem ich Premium war, schlagartig weniger. Versiegten nach vier Tagen ganz. Niemand wollte mir mehr seine Briefmarkensammlung zeigen, niemand seinen Goldfischteich. Bedauerlich.

Ich klicke auf Abmelden. Und schreibe meine Satire. Die über die Fake-Accounts der Welt.

Und denke: Letztlich bleibt doch der sicherste Weg auf einen Schatten immer noch eine Kur! Aber ich fahre ja grundsätzlich nicht in Kur…

 

 



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Kommentare zu diesem Text


 niemand (25.01.26, 15:50)
.....     :D      :D      :D     :P    
LG Irene

 Moppel meinte dazu am 25.01.26 um 16:00:
:D
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