Die Liebe einer Mutter
Text
von KriegerinDerTräume
Mary besuchte ihre Mutter mit ihrem Erzeuger. Sie wurde in die Psychiatrie eingeliefert, als sie einen psychotischen Schub bekam. Sie hatte die Gesichter aus den Fotos zu Hause raus geschnitten. Sie tobte und redete wirres Zeug. Die Männer im Weiß kamen und holten sie ab. Jetzt war sie hier eingesperrt. Mary hatte Angst vor diesem Ort. Hier war alles so trist und strahlte eine Hoffnungslosigkeit aus, die fast greifbar war. Das war der einziger Tag in ihrem Leben, an dem sie ihren Erzeuger weinen sah. Sogar der Stein in seiner Brust wurde weich. Dieses eine Mal. Sie gingen in das Gebäude hinein. Das kalte Neonlicht spiegelte sich auf die weißen Fliesenwände. Es existierten keine frohe Farben, oder Gemälde. Alles wirkte so leblos wie die Augen der Patienten, die vorbeigingen. Ihre Mutter war in der geschlossenen Abteilung. Sie war ein Härtefall. Auf einmal entstand Tumult in dem Flur. Jemand schrie. Sie erkannte die Stimme. Es war ihre Mutter. Es gab eine Tür mit einem Fenster im Flur. Aus irgend einem Grund war das Fenster offen, obwohl es geschlossen sein sollte. Ihre Mutter versuchte sich da durchzuquetschen. Sie war eine zierliche, kleine Frau und das gelang ihr fast. Dann kamen die Pfleger und zogen an ihr. Sie wehrte sich mit aller Kraft, was ihr einiger Zeit gelang, aber nicht lange. Der Arzt, der mit ihrem Erzeuger sprach, sagte, sie sollen mitkommen. Er schloss die Tür zur geschlossenen Abteilung auf, sie war jetzt frei. Die Schreie waren immer noch nicht verstummt. Sie gingen dem Flur entlang und hielten vor einem Zimmer dessen Tür offen stand. In diesem Zimmer versuchten drei Pfleger ihre Mutter ans Bett zu fixieren, was ihnen nicht gelang. Sie wand sich und schrie, dass sie raus müsste.
- Kommen sie mit und halten sie sie fest. Vielleicht beruhigt sie sich dann. - sagte der Arzt.
Sie gingen in das Zimmer und hielten an ihrem Bett. Mary blickte auf ihrer Mutter. Sie wirkte so zerbrechlich. Klein, in ihrem gestreiften Schlafanzug, mit kahl geschorenem Kopf. „Warum haben sie ihr die Haare abrasiert?“- fragte sie sich. Mary hasste es sie so zu sehen. So hilflos. Sie wollte sie nicht festhalten. Sie wollte nur von diesem Ort verschwinden, aber sie tat was man ihr sagte.
- Warum tust du mir das an? - fragte ihre Mutter. Ich muss hier raus. Ich gehöre nicht hierher. Ich hasse dich! Ich hasse dich so sehr!
Marys Herz verkrampfte sich bei diesen Worten. Die Tränen liefen ihr über das Gesicht. Ihr Erzeuger weinte auch. Mary sprach nicht. Sie wusste nicht, ob ihre Mutter das verstehen würde, was sie sagen würde. Das bezweifelte sie. Sie wollte hier raus. Sie hielt es nicht mehr aus. Das sagte sie auch zu dem Arzt und lief hinaus. Ihre Mutter war schon ans Bett geschnallt. Was danach geschah, wusste sie nicht. Sie ging auf dem Hof und zündete sich eine Zigarette an. Ihre Hände zitterten.