P*A*N*D*O - DER ZITTERNDE RIESE

Geschichte zum Thema Natur

von  harzgebirgler

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Es war einmal, vor zehntausenden von Jahren, als die Erde noch jung war und riesige Eismassen sich langsam zurückzogen, da blieb im Herzen von Utah ein kleiner Samen im Boden zurück. Dieser Samen war kein gewöhnlicher Samen. Er stammte von einer Amerikanischen Zitterpappel (Populus tremuloides), doch in ihm schlief der Traum von Unendlichkeit.

Als der erste kleine Trieb aus der Erde brach, spürte er die Einsamkeit des weiten, kargen Landes. Er wollte nicht allein sein. Er wollte die Berge umarmen. Also begann er zu flüstern, ein leises, raschelndes Versprechen im Wind: "Pando", was lateinisch ist und "Ich breite mich aus" bedeutet.

Doch Pando tat dies nicht wie andere Bäume, indem er neue Samen verstreute. Stattdessen schickte er unter der Erde ein unsichtbares Netz aus Wurzeln aus. Aus diesen Wurzeln ließ er neue Triebe sprießen – eine Kopie nach der anderen.


Über die Jahrtausende hinweg wuchs Pando zu einem magischen Wald heran, der aus über 47.000 Stämmen bestand. Für das menschliche Auge sah es aus wie ein dichter Hain aus weißen Stämmen mit herzförmigen Blättern, die selbst bei der leisesten Brise zitterten und flüsterten. Doch wer genau hinsah – oder wer tief unter der Erde lauschte –, der wusste: Das ist kein Wald. Das ist ein einziger, gigantischer Organismus, 6000 Tonnen schwer und 43 Hektar groß - ein Riese, der als größter und ältester lebender Organismus auf Erden gilt.


Pando sah das Kommen und Gehen der Zeiten. Er sah Ureinwohner, die seine Rinde als Medizin nutzten, und später Siedler, die staunend durch seine goldenen Herbstblätter wanderten. Wenn der Wind durch seine Blätter fuhr, erzählte Pando Geschichten aus der Eiszeit.


Aber auch ein Riese kann müde werden. In der modernen Zeit begannen hungrige Hirsche und Rinder die jungen Triebe abzuknabbern, und die Menschen bauten Straßen in seine Nähe. Pando fing an, in Stücke zu zerfallen, da die neuen Triebe nicht mehr so schnell wuchsen, wie die alten starben.


Doch die Geschichte von Pando ist noch nicht zu Ende. Die Legende besagt, dass Pando "Ich gehöre zu dir, du gehörst zu mir, wir gehören einander" bedeutet. Als die Menschen verstanden, dass dieser Riese ein Symbol für die Verbundenheit alles Lebens ist, begannen sie, ihn zu schützen. Sie bauten Zäune, um ihn zu retten, und gaben ihm die Zeit, sich zu erholen.


Und so steht Pando noch heute im Fishlake National Forest in Utah, ein zitternter Riese, der unter der Erde flüstert, dass wir alle miteinander verbunden sind, und der darauf wartet, dass der nächste Windzug seine Geschichte neu erzählt.

Wenn man ganz leise im Wald von Pando steht, kann man sein Herz unter der Erde schlagen hören.
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Anmerkung von harzgebirgler:

https://de.wikipedia.org/wiki/Pando_(Baum)

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