Dein Geburtstag

Alltagsgedicht zum Thema Liebe und Sehnsucht

von  Moppel


 

Schon bald wär, Liebster, dein Geburtstag.

Die Tochter fragt: Fahrn wir zum Grab?

Doch zeigte mir ein solcher Tag

nicht nur, was ich verloren hab?

 

Und ich  versuche grade eben,

in jeden neuen Tag zu finden.

Ich muss ja leben, muss ja leben

und meine Wunde selbst verbinden.

 

Die wieder aufbricht, wenn ich steh

Im Todeswald im kalten Wind.

Mich packt Verzweiflung, wenn ich geh

zum Grab - wie sag ich’s bloß dem Kind?

 

Verzweiflung, die ich sacht verpacke,

dass sie doch etwas tiefer sacke.

Ich war nie Friedhofsgänger - nie!

Denn was da liegt ist tot - und wie!

 

Viel lieber möcht ich davon träumen,

mit dir, Geliebtem, unter Bäumen

zu sitzen, die grad Blüten treiben.

Wo du und ich, uns haltend, bleiben.

 

Ich komm noch nicht zu dir, bin hier.

Ich kann nicht weg - man hält mich fest.

So hoffe ich, du kommst zu mir

an diesem Tag, an deinem Fest.

 

Dann setz ich still mich hin – allein

und deine Seele hüllt mich ein.

Ein Fest für uns im Kerzenschein.

Und das Geschenk? – Zusammensein.

 

 

 

 



Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 Saira (21.02.26, 11:37)
Hallo Moppel,

dein Gedicht ist wie ein leiser, fast zärtlicher Blick auf den Verlust, der tief in dir wühlt, ohne sich laut zu machen. Die feinen Übergänge zwischen der schmerzlichen Abwesenheit und der Erinnerung sind für mich spürbar. 

Der „Todeswald im kalten Wind“ ist ein Bild, das mir nicht mehr aus dem Kopf gehen wird, ebenso wie die „Verzweiflung, die sacht verpackt“ wird. Du schaffst es, die Schwere des Verlusts zu vermitteln, ohne in die Klischees der Trauer zu verfallen.

Gleichzeitig zeigt sich in deinem Gedicht eine sanfte Hoffnung, ein stilles Fest der Erinnerung, das sich nicht in der Dunkelheit verliert. Das „Zusammensein“ ist nicht nur ein Wunsch, sondern ein zartes Versprechen, dass Nähe und Liebe nicht nur in der Welt der Lebenden existieren. 

Es ist ein Gedicht, das den Schmerz in etwas Verstehbares und Heilsames wandelt, ohne den Verlust zu leugnen. 

Mit stillen Grüßen
Saira
Zur Zeit online: