Was fällt dir ein zu...

Satire zum Thema Aktuelles

von  Moppel


 

Heute ist Aschermittwoch. Karneval ist zu Ende. Hab ich zumindest gedacht. Aber manche können das Kostümieren nicht mehr lassen. Und nicht das Kabarett.

Als ich heute Abend nach längerer Fasteleer-Abstinenz mal wieder die Nachrichten im TV einschalte - so ganz naiv und ohne jedes Vorurteil - da bin ich noch davon überzeugt, dass wir Aschermittwoch haben. Dann höre ich den Begriff „Standfester Pfeil“. Und denke: Nä, mir han Dinnstach. Da laufe noch paar Veedelszüch.

Ja, so was fällt einem doch ein bei „standfester Pfeil“, und sofort kommt mir  ein Indianerhäuptling in den Sinn. Die hießen doch alle  Trampelnder Bär, Euliges Auge und ich frage mich: Sind Indianerkostüme  hier nicht verboten? Standfester Pfeil, ja, genau!

Dann wird Merz gezeigt und der erzählt, dass sein Vater 102 ist und deutet damit an, wie lange er noch Kanzler sein will. Da denk ich: Nä! Is doch Mittwoch. Da machen die doch immer so ’nen politischen Aschermittwoch, wo sie witzige Dinge sagen. Ja, passt doch 102 - standfester Pfeil. Aber bisschen schlüpfrig ist das ja schon. Hätt ich dem Merz echt nicht zugetraut. Und ich muss lachen. Wegen dem, was mir da so schlüpfrig einfällt. Ja, der Söder als Schmusekatze und der Merz als standfester Pfeil…auch ma schön für eine herrenlose Witwe…

Dann aber kommt die ungeschminkte, nackte Wahrheit. Wenn se ma nackt gewesen wäre! Aber die steht im Tarnanzug da. Vorsicht Wortspiel: Echte Stimmungskanonen. Dabei läuft ein Horrorfilm:

Dunkle Amphibien erheben sich aus dem Meer wie Ungeheuer. Mich gruselt. Meinen Hund auch. Er springt vom Sofa, ans Sideboard, ans TV und keift wie verrückt. Muss ja Mama bewachen. Aus Flugzeugen seilen sich Soldaten ab, trampeln über Dünengras einer zauberhaften friesischen Insel. Kriegsschiffe glotzen bedrohlich. Verdammt noch mal, WAS ist DAS?

Dann schwenkt die Kamera auf Boris Pistorius und General Gerhadt, die in der Düne stehn wie standhafte Leuchttürme, äh, Pfeile. Mit stolz geschwollener Brust verkünden sie, Deutschland wäre im Kriegsfall Gastgeber. Hostage. So Buffet, Auftanken, für den materiellen Nachschub aus dem Süden. Oder woher auch immer. Übers friesische Naturschutzerbe Wattenmeer.  Davon wird dann nicht mehr viel übrig bleiben. Aber mein Gott, im Krieg bleibt von nix mehr viel übrig und was ist schon Gras?

Standfester Pfeil - ein Nato-Manöver!  Ohne USA, aber mit 10.000 Soldaten aus 11 Ländern. Wat fürn Pfeil, Leute? So was kann man sich nicht ausdenken. Das kann man als Satiriker nur beschreiben und sich in dem bestätigt fühlen, was man immer schon meinte: Militär ist Kabarett und seine Spieler Witzfiguren. Nur der Krieg, für den sie üben, den meinen sie ernst.

An dieser Stelle rufe ich alle humorvollen Leser auf, sich für das nächste schöne Wattenmeer-Kriegsspiel intelligente Namen auszudenken. Ich fang ma an:

 

„Hammerharter Wattwurm“( weil die sicher da auch lernen, sich einzugraben)

„Schwingende Nordsichel (damit auch die Ostdeutschen sich nicht ausgegrenzt fühlen)

„ Kommando Sitting Kampf-Krabbe“ ( Signal an den Feind: Wir erwarten und pellen dich)

„Moin-Moin Welcome-Dream“ ( den Abend wirst du nicht mehr erleben, Feind).

Jaja, ich weiß. Alles nicht so gut wie „Standfester Pfeil“. Sorry, aber ich bin halt nur ein Schreiber und  kein Militär…

 



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Kommentare zu diesem Text


 Saira (19.02.26, 11:35)
Moin Moppel,

ich mag, wie du den Text in dieser fast närrischen Selbstverständlichkeit beginnen lässt ... man wähnt sich noch mitten im Ausklang von Büttenrede und Kostümfest, schmunzelt über Sprachbilder und Wortspiele … und merkt erst nach und nach, dass sich der Boden verschiebt. Dass hinter dem „standfesten Pfeil“ eben kein Karnevalsulk steckt, sondern militärischer Ernst.
Gerade dieses langsame Kippen hat für mich die stärkste Wirkung. Das Lachen bleibt einem irgendwann ein wenig im Hals stecken, weil die Fernsehbilder - Soldaten, Schiffe, Manöverlandschaften - so gar nichts Närrisches mehr tragen. Da entsteht eine Reibung, die nicht laut sein muss, um zu treffen.

Auch deine erfundenen Manövernamen am Ende haben mir gefallen. Sie führen das Motiv des Kostümierens auf eine schräge, fast entlarvende Weise weiter. Als läge zwischen militärischer Begriffswelt und karnevalistischer Rhetorik manchmal nur ein dünner Schleier.

Für mich beginnt der Text humorvoll und endet doch in einer stilleren, nachdenklichen Note. Gerade dieser Tonwechsel macht seinen Reiz aus.

Liebe Grüße

Saira

 lugarex meinte dazu am 19.02.26 um 12:26:
jawohl ;)

 Moppel antwortete darauf am 19.02.26 um 12:48:
Ja, Saira, genau so habe ich es gewollt. Ich saß gestern wie versteinertr virm TV und hab es gestern abend noch geschrieben, in neinem Zug. 
"Als läge zwischen militärischer Begriffswelt und karnevalistischer Rhetorik manchmal nur ein dünner Schleier." Tut es, denn sowohl die "Härte", die der Name ja ausdrücken soll wie aich die Verhamrlosung von Manövern sind so schräg, und abstrus, dass es schon karnevalistisch ist.
Ich hatte als die Amphibienfahrzeuge da aus dem <meer kamen, richtig das Gefühl von bedrohung und musste an die Szenen in Frankreich vom Weltkrieg denken.
Wir müssen uns wehren gegen diese Kriegsbesessenheit und wenn ich Wagneknecht wählen muss... ;)

Danke dir und lG in den von mir so geliebgten Norden von M.

 Moppel schrieb daraufhin am 19.02.26 um 12:49:
danke Liga.treue Seele. lG von M.

 niemand äußerte darauf am 19.02.26 um 13:17:
Ich hätte noch einen Namen für den willigen Soldaten,
der sich erschöpft nach einer Übung zur Ruhe begibt
und gefragt wird: Matt? Yess!    8-)

Der junge Matjes!

 Moppel ergänzte dazu am 19.02.26 um 15:00:
:D :D ich leite es weiter an den Manöverstab, liebe Irene.

Aal-ter! Grins nvon M.
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