Ein unglückliches Dasein
Roman
von Wastl
Wie jeden Dienstag und Donnerstag sitze ich im Café Bazar auf demselben Platz, auf dem einst Thomas Bernhard saß, als er noch lebte. Von hier aus habe ich den besten Überblick über alle Gäste. Hinten, zwei Tische weiter zur Straße hin, also weg vom großen Fenster, durch das man die Salzach und die Festung auf dem Hügel sehen kann, sitzen David Schalko und Christian Kracht.
Leider sitze ich zu weit weg, um etwas von ihrem sicherlich hochinteressanten Gespräch mitzubekommen. Kracht und Schalko tun mir irgendwie leid. Die beiden sind unglaublich kreativ, arbeiten wie die Verrückten und haben zwar Anerkennung, jedoch nicht genügend Geld für ihre wunderbare Arbeit bekommen. Diese beiden Virtuosen ihres Fachs hätten es verdient, in einem Land zu leben, in dem Kunst nicht wie ein Stiefkind behandelt wird.
Die beiden hätten meine Erbschaft, durch die ich in Saus und Braus lebe, viel mehr verdient als ich, der mit seinem Leben nichts anzufangen weiß, außer zu konsumieren. Jeden Tag sitze ich in einem meiner zahlreichen Whirlpools und schaue aus dem Fenster. Mal ist es in einer Luxushotel-Suite in St. Moritz, die ich bis auf weiteres gebucht habe, mal in einem dreihundert Quadratmeter großen Apartment im 75. Stockwerk des Empire State Buildings in New York.
Oder im dritthöchsten Stockwerk des höchsten Gebäudes der Welt in Dubai. Oder in meiner weiß getünchten Villa am Meer auf der griechischen Insel Santorin. Oder in dem von George Clooney erworbenen Häuschen mit sechshundert Quadratmetern Wohnfläche am Comer See. Auch in Island, Norwegen, Schweden, auf Hawaii, in Beverly Hills neben dem Rodeo Drive –, in Hongkong, in Ägypten. Ach ... lassen wir das. Was soll die Aufzählerei? In vielen Häfen liegt jeweils einer meiner Privatkutter mit mindestens vierzig Metern Länge, darunter einer mit 120 Metern, damit ich meinen maritimen Bedürfnissen nachkommen kann.
Jetzt würde nur noch fehlen, dass ich rundum gesund und überglücklich bin. Nein, das bin ich nicht. Seitdem meine Freundin, einst Prima Ballerina des Bolschoi-Balletts, verstorben ist, fühle ich mich leer und orientierungslos. Donald, der jetzt irgendein hohes Amt in den Vereinigten Staaten innehat, versuchte meinen Kummer durch ein Golfspiel mit ihm zu lindern. Aber es half nichts.
Selbst die hübschen Fotomodelle, die ständig um uns herumhüpften, konnten mich von diesem schweren Gefühl in meinem Inneren nicht ablenken. Und so begann ich, Drogen zu nehmen. Drogen aller Art, um diesen schrecklichen Schmerz in mir zu betäuben.
Fortsetzung folgt ...