Parolen kriechen aus den Kehlen,
bitter brennt der Zorn im Mund.
Stiefel schlagen auf die Straßen,
jeder Schritt wird Urteil kund.
Fackeln schreiben fremde Namen
in den Rauch der schwarzen Nacht.
Stöcke ziehn die engen Kreise,
Knochen geben Antwort sacht.
Hass trägt heute feinen Anzug,
ordnet sich im Gleichschritt ein,
klatscht mit Eisen in die Hände,
wenn ein Körper stirbt allein.
Sirenen falten dunkle Stunden
wie ein Blatt voll falschem Klang.
Ein Schrei hängt fest im grauen Pflaster,
hält die Nacht noch endlos lang.
Morgentau liegt auf den Gräsern,
grau zertreten, kalt und schwer.
Kälte sammelt ihre Spuren,
schleppt sie stumm von hier nach her.
Ein Name steht am Rand der Stille,
kaum berührt vom ersten Licht.
Angst setzt sich ihm still zur Seite,
übt seit Langem Schweigepflicht.
Lieder ändern nur die Zeichen,
doch ihr Sinn bleibt altbekannt:
Heute Fahnen, morgen Zahlen,
übermorgen Amt erlangt.
An den Wänden klebt Geschichte,
Spucke, Zeichen, hart gebrannt.
Parolen werden zweite Haut
für Gesichter ohne Stand.
In der Gosse lagert alles,
was kein Mensch als Erbe will:
Spuren, Rausch und falsche Stärke,
Weltbild laut und Denken still.
Adern treiben ihre Märsche,
Mut aus dünnem, falschem Stoff.
Rufe wiegen Zweifel nieder,
nennen Trugschluss großen Zoff.
Überall wird Grenzgebiet,
überall ist Feindesland.
Augen meiden fremde Straßen,
Haut wird plötzlich zum Bestand.
Mitten unter fremden Blicken
gehen sie geduckt und leis,
ihre Schritte meiden Straßen,
Atem steht im kalten Schweiß.
©Sigrun Al-Badri/ 2025