Ich fühle mich “wie Aule auf dem Milchwagen”, sagte meine Arbeitskollegin M. immer. Sie kam aus Perleberg (DDR), Prignitz-Brandenburg, und sie berlinerte unbenommen. M. begann eine Liäson mit einem US-Amerikanischen Gastwissenschaftler, wurde dann schwanger und zog mit ihm nach Seattle. Ihren Sohn nannte sie Kurt nach ihrem Großvater. Sie war durch Fluchthilfe aus der DDR nach Westberlin gekommen und wollte um keinen Preis über die Details ihrer Flucht sprechen. Später bekam sie dann Panikattacken, da war dieses Krankheitsbild noch nicht so geläufig. Sie verbrachte den halben Arbeitstag mit Besuchen bei Kollegen oder Kolleginnen, ihr Vorgesetzter ließ es ihr durchgehen, weil er kaum anwesend war. So waren sie, die Professoren und Fachkräfte im Öffentlichen Dienst. M. machte jeden Tag pünktlich Schluss am Abend und pflegte dann zu sagen: “Sodele, ich reite jetzt vom Hofe.”
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